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Wie ein Billmericher den Jungstraum vom Lokführer-Alltag erlebte

dzEisenbahn

Kleine Jungs wollen Lokführer werden - was früher oft gesagt wurde, scheint längst überholt zu sein. Da bekommen die Erinnerungen von Irmgard Buschmann eine besondere Bedeutung: Ihr Fritz war Lokführer - auf einer Dampflok.

Billmerich

, 12.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Einmal, da war sie mit, vorne auf dem Führerstand der Lok; dort, wo ihr Mann Tag für Tag arbeitete. „Ich hatte mein Strickzeug mit, das hatte ich damals immer überall mit. Eigentlich hätte ich da vorne ja gar nicht hingedurft - auch ohne Strickzeug nicht“, erinnert sich Irmgard Buschmann. 40 Jahre lang war ihr Fritz Lokführer - und das aus voller Überzeugung.

Als sie vor wenigen Wochen im „Hellweger Anzeiger“ las, dass heute kaum noch jemand Lokführer werden wolle, da kam der 81-Jährigen aus Billmerich sofort ihr 2011 verstorbener Mann in den Sinn. „Er war mit Leib und Seele Lokführer. Er hätte nichts anderes machen wollen.“ Und so kommt es, dass Irmgard Buschmann jede Menge Geschichten auf Lager hat, die ihr Mann in seiner über 40-jährigen Dienstzeit auf der Lok erlebt hat. Geschichten, die heute wohl kein Lokführer mehr so erleben wird.

Auf Dampflok in Hamm gelernt

Denn Friedrich-Karl Buschmann, genannt Fritz, lernte noch auf einer Dampflok, als er Mitte der 1950er-Jahre seine Lehre im Messingwerk in Unna begann, mit dem Ziel, Lokführer zu werden. „Das muss immer schon sein Kindheitstraum gewesen sein“, sagt Irmgard Buschmann. 1955 schloss er die Lehre ab und arbeitete zunächst als Heizer auf den Loks im großen Umschlagbahnhof in Hamm.

Wie ein Billmericher den Jungstraum vom Lokführer-Alltag erlebte

Die 81-jährige Irmgard Buschmann aus Billmerich hat noch Fotos von ihrem Mann, der 40 Jahre lang Lokführer war und noch auf einer Dampflok gelernt hat. Dieses Bild zeigt ihn Ende der 1950er-Jahre mit einer Dampflok. © Anna Gemünd

Welche Tücken eine Dampflok haben konnte, lernte er dort schon früh: „Er erzählte öfter, dass es bei Hamm einen Hang gab, an dem die Lok stehen bleiben konnte, wenn nicht genug Dampf im Kessel war. Da musste er vorher immer genau darauf achten, damit er den Hang hochkam“, erinnert sich Irmgard Buschmann.

Einen anderen Hang musste Fritz Buschmann überwinden, um überhaupt erst zur Arbeit zu kommen. Der Ostenberg stellte den Billmericher vor allem wintertags oft vor die erste Herausforderung, wenn er sich auf den Weg nach Hamm machte. „Er war oft der erste, der dort eine Schneise in den Schnee geschlagen hat“, erzählt seine Ehefrau.

Schrecksekunde im Zug nach Leipzig

„Das war und ist heute noch ein ganz verantwortungsvoller Beruf.“
Irmgard Buschmann, 81 Jahre, über den Beruf des Lokführers

Naturgemäß war Fritz Buschmann in seinem Beruf viel unterwegs - was dazu führte, dass Zuhause bei Buschmanns eine gut sortierte „Zettelwirtschaft“ gepflegt wurde. „Er hat mir morgens immer Zettel auf den Küchentisch gelegt, auf denen stand, wo er heute unterwegs ist.“ Zu viel wurde ihm die viele Reiserei nie, im Gegenteil: Als er noch vor der Wende zusammen mit seiner Frau, die gebürtig aus Leipzig stammt, als Fahrgast mit dem Zug nach Leipzig fuhr, überkam ihn seine Lok-Leidenschaft - sehr zum Schrecken seiner Frau.

„Da wurde ja noch ganz streng kontrolliert vor der Wende, und plötzlich war er aus unserem Abteil verschwunden und tauchte erst nach dem nächsten Bahnhof wieder auf“, erinnert sich Irmgard Buschmann. Was war geschehen? Fritz Buschmann hatte seinen ostdeutschen Kollegen auf dem Zugführerstand besucht - er wollte einfach mal gucken, wie die ostdeutschen Lokführer so arbeiten. „Ich hatte so eine Angst, dass sie uns für westdeutsche Spione halten und er war seelenruhig, weil er einfach nur neugierig war.“

Irmgard Buschmann ist fest davon überzeugt, dass auf ihren Mann definitiv der Spruch zutrifft, dass alle kleinen Jungen Lokführer werden wollen. Dass dem heute nicht mehr so zu sein scheint, bedauert sie: „Das war und ist heute noch ein ganz verantwortungsvoller Beruf.“

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