Wie die Arbeit beim ambulanten Kinderhospizdienst das eigene Leben bereichern kann

dzEhrenamt

Jeder kann zum Helfer werden, das ist die Botschaft des „Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst“, der demnächst mit einem Vorbereitungskurs neue ehrenamtliche Mitarbeiter vorbereiten will.

von Sebastian Pähler

Unna

, 22.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Ehrenamtlichen des „Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdiensts“ begleiten Kinder und Jugendliche, die an lebensverkürzenden Erkrankungen leiden und deren Familien. Dabei geht es aber nicht in erster Linie darum, unmittelbar an einem Sterbeprozess teil zu haben, sondern eigentlich um ganz simple Mitmenschlichkeit. „Wir sind kein Sterbeverein“, betont Frank Stewart. Schließlich könne man vorher nie wissen, wie lange ein von einer lebensverkürzenden Krankheit betroffenes Kind wirklich überlebt, so der Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit. Er selbst und die ehrenamtlichen Mitarbeiter können von nicht wenigen Fällen berichten, wo einem Kind nur eine Lebensdauer von wenigen Jahren prognostiziert wurde, die mittlerweile aber schon in ihren 20ern sind.

Die Begleitung im Alltag ist das Wichtigste

Die Aufgabe lässt sich daher besser als „Begleitung auf dem Lebensweg“ beschreiben. So geht es etwa darum, Kinder zu besuchen, ihnen vorzulesen oder sie mit auf Spaziergänge zu nehmen. Oft geht es auch viel mehr darum, die Eltern, die häufig ihr ganzes Leben nach den Bedürfnissen ihres Kindes ausrichten müssen, für eine kurze Zeit zu entlasten. „Wer das nicht möchte, kann aber auch anders helfen“, so Stewart. So könne man den Verein etwa mit Büroarbeit unterstützen, sich um Schriftverkehr kümmern oder die Kasse führen. Auch Öffentlichkeitsarbeit wäre eine Möglichkeit.

Jeder hilft so wie er kann

„Eigentlich wollte ich keine Begleitung machen“, berichtet Siglinde Rüngs. Als sie 2011 zum Team dazu stieß, wollte sie erst nur im Büro arbeiten. Mit drei Wochenstunden hilft sie auch heute noch aus und nimmt etwa Anrufe entgegen und kümmert sich um die Akten. 2013 änderte sie aber ihre Einstellung und übernahm doch eine Begleitung. „Nach dem Vorbereitungskurs habe ich gesagt, vielleicht mache ich es doch“. Das hat sie nicht bereut.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich um die Geschwister eines betroffenen Kindes zu kümmern. „Die werden meistens vergessen“, stellt Simone Arndt fest, die seit über neun Jahren einen Jungen im Wachkoma besucht. Schließlich seien die Eltern ja meist gezwungen, dem erkrankten Kind ihre Aufmerksamkeit zu schenken; da bleibt wenig Zeit für die Geschwister. Auch Frank Stewart kümmert sich um die Geschwister eines Kindes, spielt mit ihnen und unternimmt mit ihnen Ausflüge. Er strahlt, wenn er davon erzählt.

„Mir tut diese Aufgabe gut. Das ist eine persönliche Achtsamkeitsübung.“
Werner Wessinghage

Überhaupt ist die Arbeit nicht nur belastend, wie Werner Wessinghage feststellt. „Mit tut es auch gut“, gerichtet er. „Das ist eine persönliche Achtsamkeitsübung“, stellt er fest. Die Aufgabe erde, und helfe auch, den eigenen Stress besser zu bewältigen.

Aber auch wenn sich der unvermeidliche Fall schließlich einstellt, bliebe man damit nie allein. „Wir stehen immer als Team da“, berichtet Britta Berg. „Es kommen immer fünf oder sechs zu einer Beerdigung. Die sagen zwar nicht viel, aber es hilft“. Auch bei Fragen oder Problemen könne man sich auf das Team immer verlassen.

Neue Ehrenamtliche gesucht

Damit es familiär bleibt, eröffnet der „Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst“ in diesem Jahres einen zweiten Dienst. Der wird unter dem selben Dach sitzen, aber aus organisatorischen Gründen eigenständig sein.

Info: Um neue Ehrenamtliche auf die Arbeit vorzubereiten beginnt am 30. August ein neuer Vorbereitungskurs. Eine Infoveranstaltung dazu findet am 2. Juli am 18 Uhr in der Gabelsbergerstraße 5 statt.

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