Langbogen statt Computerspiel: Wie der Holzschnitzkurs Jugendliche fürs Handwerk begeistert

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Mit den eigenen Händen etwas erschaffen, das lange hält? Diese Erfahrung haben die jungen Teilnehmer des Holzschnitzkurses in der JKS jetzt gemacht.

Königsborn

, 26.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das „Tillern“ dauert am längsten. Immer wieder spannt Jörn Rau den Bogen von Linus in den „Tillerstock“. „Da musst du noch ein bisschen wegnehmen, da ist die Biegung noch nicht richtig.“ Die richtige Biegung – das ist bei einem Langbogen entscheidend, damit er später im Einsatz nicht bricht und den Pfeil mit der richtigen Spannung abschießt. Und genau das wünscht sich Linus natürlich für seinen Bogen.

Der Elfjährige ist einer von sieben Jugendlichen, die in der zweiten Herbstferienwoche von Jörn Rau gelernt haben, wie man einen Langbogen baut. Und das bedeutet vor allem: Den richtigen Umgang mit Werkzeug lernen, das schon vor hundert Jahren zum Bogenbau benutzt wurde. Dafür zogen in den Werkraum der Jugendkunstschule zunächst Pferde ein.

Langbogen statt Computerspiel: Wie der Holzschnitzkurs Jugendliche fürs Handwerk begeistert

Auf dem „Ziehpferd“ genannten Holzbock kann Linus (11) seinen Bogen einspannen, um an ihm zu arbeiten. © Yvonne Blaschke

Die „Ziehpferde“ genannten Holzböcke brauchen die Nachwuchs-Handwerker, um ihren Bogen festspannen zu können, während sie an ihm arbeiten. Mit Ziehklinge, Ziehmesser und einem Hobel raspelt Linus so schrittweise immer mehr Holz ab, damit der Bogen die perfekte Form bekommt. Jede Menge Sägespäne fallen dabei an – ihr Geruch hängt in der Luft und lässt eine Atmosphäre wie in einer Schreinerwerkstatt aufkommen.

Langbogen statt Computerspiel: Wie der Holzschnitzkurs Jugendliche fürs Handwerk begeistert

Bogenbau ist Feinarbeit: Mit dem Hobel wird immer wieder noch ein bisschen Holz weggenommen, wie der elfjährige Linus demonstriert. © Anna Gemünd

Diese entstand direkt beim ersten Arbeitsschritt: „Es begann eigentlich mit einem einfachen Stück Holz, das wir mit einem Beil abgehackt haben“, erklärt Jörn Rau. Die Vorarbeit hat er geleistet; für den Umweltwissenschaftler, der als „Grünholzwerker“ solche Holzschnitzkurse anbietet, ist das reine Routine. „Wir arbeiten hier mit Werkzeug, das schon vor hundert Jahren zum Bogenbau genutzt wurde, das ist schon speziell und anspruchsvoll“, sagt Rau.

Langbogen statt Computerspiel: Wie der Holzschnitzkurs Jugendliche fürs Handwerk begeistert

Der 13-jährige Till ist für die Pfeile zuständig: Hier klebt er die Federn in den Schaft. © Anna Gemünd

Das merken gerade auch Till und Lukas: Die beiden 13-Jährigen sind für die Pfeile zuständig. „Das ist schon ziemlich kompliziert, weil das alles so klein ist“, sagt Till. Mit dünnem doppelseitigem Klebeband klebt er die Federn in den Schaft.

Lukas kümmert sich derweil um die Spitzen der Pfeile, denn schließlich sollen die Pfeile später ja in der Zielscheibe stecken bleiben.

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Lukas (13) zeigt, wie man die richtige Länge eines Pfeils bestimmt: Der Pfeil muss so lang sein wie die ausgestreckten Arme. © Anna Gemünd

Mit seinem Armen misst er aus, wie lang der Pfeil werden muss: „Die ideale Länge ist so lang, wie man beide Arme parallel nach vorn ausstrecken kann“, erklärt er und demonstriert die Methode, „wir machen sie aber etwas länger, weil wir ja noch wachsen und die Bogen auch später noch benutzen wollen.“ Denn ein selbst gemachter Langbogen – das ist definitiv etwas, das man später stolz den eigenen Kindern und Enkeln zeigen wird.

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