Vier ausverkaufte Ausstellungen, ein begeistertes Publikum und schon jetzt Anfragen fürs nächste Jahr: „Shakespeare im Park“ ist für das Theater Narrenschiff mittlerweile ein Selbstläufer. Doch dahinter steckt viel Arbeit.

Unna

, 01.08.2019, 12:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Knapp 1200 Menschen haben Ende Juli an vier aufeinanderfolgenden Abenden die Irrungen und Wirrungen der Liebe verfolgt - in einer einzigartigen Atmosphäre, mitten auf Unnas Westfriedhof. Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“ begeisterte die Besucher. Was wohl keiner gewusst haben dürfte: Für die Darsteller war das, was sie auf der Bühne im Park gezeigt haben, nur eine von zwei Versionen der Inszenierung, auf die sie sich monatelang vorbereitet haben.

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„Ich traue mich das kaum zu sagen, aber es hat in den sechs Jahren, in denen wir das jetzt machen, noch nicht einmal so geregnet, dass wir die Aufführung verlegen mussten“
André Decker, künstlerischer Leiter des Theater Narrenschiff

Wer draußen Theater spielt, der muss einen guten Draht zum Wettergott haben. Den scheint das Ensemble vom Theater Narrenschiff zu haben: „Ich traue mich das kaum zu sagen, aber es hat in den sechs Jahren, in denen wir das jetzt machen, noch nicht einmal so geregnet, dass wir die Aufführung verlegen mussten“, erzählt André Decker.

Premium-Karten garantieren den Genuss der Aufführung

Doch der künstlerische Leiter weiß auch: Wind und Wetter können der wochenlangen Vorbereitung schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Nicht ohne Grund gibt es deswegen die „Premium“-Karten: Für etwas mehr Geld kann, wer eine solche Karte erwirbt, die Aufführung in jedem Fall genießen - selbst wenn es regnen sollte. Dafür verlegt das Ensemble seine Aufführung dann ins Theater. Was für die Zuschauer praktisch ist, bedeutet für die Darsteller eine besondere Herausforderung.

Wie das Theater Narrenschiff die Herausforderung des Freiluft-Theaters meistert

Endlich raus in die Natur: Die erste Stellprobe auf dem Rohbau der Bühne. © André Decker

„Ob ich drinnen oder draußen spiele, macht einen enormen Unterschied“, erklärt Decker, „bestimmte Nuancen, die ich drinnen zum Beispiel durch Flüstern setzen kann, fallen draußen weg. Das würde keiner verstehen.“ Umgekehrt lässt sich eine Schwertkampfszene, wie sie in der aktuellen Inszenierung zu sehen war, nicht „mal eben so“ von draußen nach drinnen verlagern. „Die Bühne draußen maß 35 Meter, da konnten sich die beiden bei der Schwertkampfszene verfolgen und hintereinander herlaufen. Für drinnen mussten wir die Szene komplett neu denken, weil der Platz einfach nicht da ist“, sagt Decker.

Wie das Theater Narrenschiff die Herausforderung des Freiluft-Theaters meistert

Kim Schütt (Orlando) und Florian Eller (Oliver) proben ihre Schwertkampf-Choreographie auf der „Park-Bühne“ - für drinnen musste die Szene komplett neu geschrieben werden. © André Decker

Erst sechs Tage vor der Premiere ging es nach draußen

Zwei Stücke inszenieren, die im Grunde das Gleiche sind - das ist eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass auch die Draußen-Inszenierung bis sechs Tage vor der Premiere drinnen geprobt wurde - da kann man schnell mal durcheinander kommen, welche Version von „Wie es euch gefällt“ gerade ansteht. Doch in diesem Jahr ging André Decker auf Risiko: „Als sich abzeichnete, dass wir dauerhaft an die 40 Grad haben würden, haben wir entschieden, nur noch für die Aufführungen draußen zu proben.“ Sechs Tage vor der Premiere stand die Bühne - dann konnte auch in der echten Kulisse des Westfriedhofes geprobt werden.

Wie das Theater Narrenschiff die Herausforderung des Freiluft-Theaters meistert

Bis wenige Tage vor der Premiere wird drinnen geprobt, hier noch im Bühnenbild der Inszenierung von „Hexenjagd“. © André Decker

„Die Premiere war echt heftig. Überall wurde davor gewarnt, rauszugehen und sich der Hitze auszusetzen und wir standen da den halben Tag mit Schminke und dicken Kostümen und spielten mal eben ein bisschen Shakespeare“, schmunzelt Decker im Rückblick. Mit viel Wasser und reichlich Pausen in der Vorbereitung meisterten alle Darsteller den Rekordhitze-Tag. „Bei den Aufführungen danach waren es dann auch nur 30 Grad - das fühlte sich dann plötzlich richtig angenehm an.“

Wie das Theater Narrenschiff die Herausforderung des Freiluft-Theaters meistert

Premiere bei 40 Grad in dicken Kostümen: Das Ensemble kurz vor der Auffführung. © André Decker

Theater „Open Air“ bringt viele Probleme - und magische Momente

Hitze, Regen oder auch „nur“ eine völlig andere Akustik: Das Spielen unter freiem Himmel hat für André Decker einen ganz besonderen Reiz. „Natürlich ergeben sich da auch viele Probleme, zum Beispiel bei der Akustik: Wie sehr wollen wir die Natur verfälschen und mit Mikrofonen arbeiten? Wann kann man wie viel noch verstehen? Das sind alles Fragen, die sich drinnen im Theater so nicht stellen. Gleichzeitig birgt das Spiel draußen unglaublich viele magische Momente.“

Ein Sonett, das unter alten Bäumen und mit Vogelgezwitscher als Begleitung vorgetragen wird, entfaltet eine ganz andere Wirkung als dasselbe Sonett in einem Theaterraum, davon ist Decker überzeugt.

Wie das Theater Narrenschiff die Herausforderung des Freiluft-Theaters meistert

Auch die Akustik ist draußen anders - eine Herausforderung für die Musiker: Paul Jordan (Gitarre) Laura Wabinski (Querflöte) und Chotiiwit Thupkhantho waren in diesem Jahr erstmals bei „Shakespeare im Park“ dabei. © André Decker

Auch im nächsten Jahr wagen sich die Narrenschiff-Darsteller deswegen nach draußen. Mit welchem Stück, das verrät Decker noch nicht. Fest steht nur: „Es wird immer Shakespeare oder etwas Ähnliches sein, denn das passt zu dieser besonderen Atmosphäre hier auf dem Westfriedhof.“ Und natürlich wird es auch wieder zwei Versionen der Inszenierung geben - auch wenn der Wettergott es ja gut mit dem Narrrenschiff-Ensemble meint.

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