Widerstand gegen den Flughafen: Entscheidung der Bezirksregierung „wirklichkeitsfremd“

dzFlughafen Dortmund

Die Aussage der Bezirksregierung Münster, dass für die Verlegung der Landeschwelle am Flughafen Dortmund kein Umweltgutachten notwendig ist, stößt in Unna auf deutlichen Protest.

Unna

, 05.08.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Leiter des Arbeitskreises Klima und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Unna-Billmerich, Ralph Bürger, kritisiert in einem Schreiben an die Bezirksregierung Münster deren Verzicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Zuge des Zulassungsverfahrens für die vom Flughafen Dortmund geplante Verlegung des Landepunktes. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.

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Die Bezirksregierung Münster, die über den Antrag des Flughafens Dortmund entscheidet, hatte vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass sie nach einer Vorprüfung zu dem Schluss gekommen sei, dass ein erneutes Umweltgutachten für die Verlegung der Landeschwelle nicht notwendig sei. Die Behörde verwies darauf, dass es bereits im Jahr 2000 eine solche Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben habe und durch die mögliche Verlegung der Landeschwelle keine „solchen zusätzlichen, erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen erwartet“ werden könnten.

„Die Vernachlässigung von aktuellen Umweltdaten ist wahrscheinlich rechtlich anfechtbar. Dies könnte ein wesentlicher Grund für eine Klage der Stadt Unna sein.“
Ralph Bürger, Leiter des Arbeitskreises Klima und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Unna-Billmerich

Umweltgutachten von 2000 reiche nicht aus

„Dies sehen wir und mit Sicherheit auch die von Fluglärm besonders betroffenen Einwohner von Unna ganz anders“, schreibt Bürger an die Bezirksregierung Münster. Der Leiter des Unnaer Arbeitskreises Klima stößt sich vor allem daran, dass eine 20 Jahre alte Umweltverträglichkeitsprüfung für das Zulassungsverfahren ausreichen soll. „Mit modernen Flugzeugen ändern sich auch die Abgas-Emissionen erheblich. Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch darauf zu erfahren, mit welchen Feinstaub-, Ultrafeinstaub- und Stickoxidregen über dem Unnaer Stadtgebiet sie künftig zu rechnen haben“, so Bürger, „eine UVP aus dem Jahre 2000 für die Beurteilung heranzuziehen, ist schlicht wirklichkeitsfremd.“

Klagemöglichkeit für die Stadt Unna

Die gesundheitlichen Gefahren des Dortmunder Flugbetriebes könnten aus seiner Sicht nur auf Basis einer UVP ermittelt werden, die die derzeit geltenden Fakten berücksichtige. „Die aktuellen medizinisch-psychologischen Erkenntnisse insbesondere über Fluglärm werden durch das Fluglärmgesetz nicht reflektiert. Einzelflugereignissen kommt inzwischen eine viel höhere Bedeutung zu als früher“, betont Ralph Bürger.

Er nennt in seinem Schreiben auch einen möglichen Weg, den aus seiner Sicht die Stadt Unna beschreiten sollte, falls die Bezirksregierung die Landeschwellen-Verlegung genehmigen sollte: „Die Vernachlässigung von aktuellen Umweltdaten ist wahrscheinlich rechtlich anfechtbar. Dies könnte ein wesentlicher Grund für eine Klage der Stadt Unna sein.“

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