„Wir für Unna“ bekennt sich als Profiteur der Querelen in der SPD

dzGeheimnis um Kandidatur

Welche Rolle spielt „Wir für Unna“ beim Zerbrechen der SPD-Fraktion? Darüber ist zuletzt viel spekuliert worden. Eine Stellungnahme des Vereins gibt Antworten – wirft aber auch neue Fragen auf.

Unna

, 14.10.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Austritt von drei Fraktionsmitgliedern in nur vier Wochen kursieren in der SPD in Unna Mutmaßungen, ob die Fraktionslosen vielleicht die Gründung einer eigenen Wahlliste anstreben könnten. Viele Blicke richten sich dabei auf den Verein „Wir für Unna“, den die SPD-Kreistagspolitikerin und frühere Ratsfrau Margarethe Strathoff Anfang 2018 gegründet hat.

Strathoff merkte nun augenzwinkernd an, in ihrem Verein einmal über die Idee der Sozialdemokraten reden zu können. Was aber nun dran ist an der Frage einer Kandidatur von „Wir für Unna“, ließ ihre Reaktion immer noch offen.

„Wir für Unna“ entstand auch durch die Krise der Unnaer SPD

An diesem Wochenende nun meldete sich der Vereinsgeschäftsführer Christoph Tetzner mit einer ausführlichen Pressemitteilung zu Wort. Klarheit in Sachen einer Kandidatur schuf auch sie nicht. Dafür bestätigt Tetzner durchaus einen Zusammenhang zwischen der Lage der SPD und dem Verein „Wir für Unna“.

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„Wir für Unna hat sich im Jahre 2018 gegründet, um Belange unserer Bürger aufzugreifen und in Zusammenarbeit mit der Kreisstadt Unna umzusetzen. Natürlich ging diese Gründung auch einher mit dem Zerfall der örtlichen SPD und der vom Bürger wahrgenommenen Beschäftigung der Parteien mit sich selbst“, schreibt Tetzner, der selbst fraktionsloses Mitglied des Stadtrates ist, aber seine letzte parteipolitische Heimat bei den Piraten hatte.

Kandidatur ist noch offen – aber auch nicht auszuschließen

Ob und wie der Verein 2020 bei den Kommunalwahlen teilnimmt, dazu gebe es bislang noch keinen Beschluss im Verein. Es sei eine Frage, die „Wir für Unna“ vereinsintern klären und deren Beantwortung der Verein dann nach eigener Entscheidung kommunizieren werde. Was den Zeitpunkt einer solchen Mitteilung angeht, werde man sich nicht von der SPD vor den Karren spannen lassen, so Tetzner.

Tetzner: SPD sollte Gründe für Austritte bei sich selbst suchen

Dass die jüngsten Fraktionsaustritte in der SPD vielleicht nicht zufällig in dieser Häufung aufgetreten, sondern Teil einer geplanten Dramaturgie sein könnten, dementiert Tetzner hingegen. Es habe weder Abwerbeversuche von Fraktions- und Parteimitgliedern der SPD gegeben noch habe der Verein anders eine aktive Rolle beim Zerbrechen der SPD-Ratsfraktion eingenommen.

„Die tatsächlichen Gründe hierfür mag die SPD vielleicht zunächst parteiintern suchen und aufarbeiten“, sagt Tetzner. Und er ergänzt: „Uns würden etliche Gründe einfallen, die die Personen bewegt haben könnten, die Fraktion der SPD zu verlassen. Doch das wären Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen möchten, da es zu nichts führt.“ „Wir für Unna“ konzentriere sich lieber auf die Belange der Bürger, statt darauf zu schauen, was bei anderen Parteien los ist.

„SPD braucht ein Feindbild, um über ihre Verfehlungen hinwegzutäuschen“

Ganz unterlassen kann es Tetzner dann aber doch nicht: „Augenscheinlich braucht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zur Rechtfertigung ihres Überlebens ein Feindbild, dem Sie durch Unterstellungen etwas nachsagt, um über die eigenen parteipolitischen Verfehlungen hinwegzutäuschen. Einen kostenlosen Ratschlag können wir der SPD an dieser Stelle gerne geben: Beginnt wieder bürgernahe Politik zu machen, die auch den Namen sozial und demokratisch verdient hat. Damit wäre zumindest ein Anfang für mehr Glaubwürdigkeit gegeben.“

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