Corona-Krise „verschärft Benachteiligungen“ – aber Werkstatt profitiert von Fördermillion

dzWerkstatt im Kreis Unna

Die Corona-Krise trifft sozial benachteiligte Menschen besonders heftig. Die Werkstatt im Kreis Unna erlebt gerade harte Zeiten. Trotzdem gibt es jetzt eine gute Nachricht.

Unna

, 08.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise verschlimmert die Situation von Menschen, denen es auch vor der Krise schon nicht gut ging und die auf Hilfe anderer angewiesen waren. „Es entwickelt sich eine Hierarchie der Not – wer unten steht, leidet mehr. Die Krise verschärft die Benachteiligungen“, sagt Herbert Dörmann, Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna.

Video
Werkstatt im Kreis Unna will Bildungszentrum Viktoriastraße umbauen

Die Werkstatt kümmert sich seit Anfang der 1980er-Jahre darum, dass Menschen mit Benachteiligungen durch Aus- und Weiterbildung auf dem Arbeitsmarkt eine Perspektive erhalten.

Der Corona-Shutdown hat dafür gesorgt, dass viele Angebote von jetzt auf gleich zum Erliegen kamen. Mit Folgen unterschiedlicher Art: Für die Teilnehmer von Maßnahmen, etwa Langzeitarbeitslose, bedeutete Corona einen Rückfall in alte Zeiten, in Isolation und fehlende Tagesstruktur. Für die Werkstatt-Mitarbeiter in 200 Fällen Kurzarbeit. Für Minijobber, die nicht vom Kurzarbeitergeld profitieren, zahlt die Werkstatt allein den Lohn weiter, damit sie nicht in finanzielle Abgründe stürzen.

Werkstatt mit 250.000 Euro Verlust durch Corona-Krise

Gleichzeitig steht die Geschäftsführung vor der Herausforderung, Einnahme-Ausfälle wegstecken zu müssen. Allein durch den Wegfall der Berufsfelderkundung, die die Werkstatt an den weiterführenden Schulen im Kreis Unna für Schüler der 8. Klassen anbietet, fehlen 125.000 Euro an Mitteln. 800 Schüler von mehr als 30 Schulen waren davon betroffen.

Auf 250.000 Euro insgesamt – trotz Kurzarbeit – beziffert die Geschäftsführung die bisherigen Corona-Verluste.

Barrierefreier Umbau Werkstatt Unna Viktoriastraße, Chef Herbert Dörmann

Herbert Dörmann im Treppenhaus des Altgebäudes an der Viktoriastraße. Es soll im Zuge der Modernisierung unter anderem Aufzüge erhalten. © Marcel Drawe

In diesen auch finanziell sehr herausfordernden Zeiten freut es die Beteiligten deshalb umso mehr, dass sich an einer anderen Stelle eine Förderung auftut. Das in die Jahre gekommene Bildungszentrum an der Viktoriastraße 17 in Unna soll modernisiert und barrierefrei umgebaut werden.

Ein Viertel der Investition trägt die Werkstatt selbst

Für das Projekt mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 1,27 Millionen Euro fließen 635.000 Euro von der Stiftung Wohlfahrtspflege, weitere 300.000 Euro werden von der Aktion Mensch erhofft. Ein Viertel der Investition trägt die Werkstatt selbst über einen Kredit bei der Sparkasse Unna-Kamen.

„Das Projekt macht unser zweitältestes Bildungszentrum fit für die Zukunft“, so Dörmann. 1999 hat die Werkstatt den Gebäudekomplex gekauft, der früher der Supermarkt-Kette „Spar“ als Lager diente. In den vergangenen 20 Jahren zog die Werkstatt darin ein Logistikzentrum für die Ausbildung von Lager-Fachkräften hoch, richtete Metall-, Holz und Kreativwerkstätten ein.

Barrierefreier Umbau Werkstatt Unna Viktoriastraße

Teil des Qualifizierungszentrums ist auch eine Kreativwerkstatt. Hier erstellen die Teilnehmer Raumausstattung und Dekoration für Kitas, Altenheime und Krankenhäuser in der Region, im Bild Betreuerin Jutta Schinkelewitz mit Maxim und Kevin. © Marcel Drawe

Während ein 2019 eröffneter Neubau auf dem Gelände bereits einen barrierefreien Zugang ermöglicht, fehlen im Qualifizierungszentrum noch Aufzüge, rollstuhlgerechte Türen mit automatisierten Öffnern sowie Wege ohne Stolperkanten. Der Umbau soll starten, sobald die Förderung von der Aktion Mensch bewilligt ist.

Barrierefreier Umbau Werkstatt Unna Viktoriastraße

In der Holzwerkstatt des Qualifizierungszentrums an der Viktoriastraße haben Julian, Etienne, Maxim und Kevin mit Betreuer Hubertus Schomaker ein Insektenhotel gebaut. © Marcel Drawe

Zu den Zielgruppen des Werkstatt-Qualifizierungszentrums zählen Menschen mit körperlichen, seelischen oder psychischen Behinderungen, Jugendliche ohne Schulabschluss/Schulabbrecher, Personen mit Suchterkrankungen, Menschen in besonderen wirtschaftlichen und sozialen Notlagen sowie Jugendliche aus Förderschulen und mit besonderen Benachteiligungen aus Regelschulen.

All diese Menschen benötigen in der Corona-Krise erst recht Unterstützung, um Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden. Um ihnen gesellschaftliche Teilhabe und ein würdiges Leben zu ermöglichen und andererseits hohe soziale Folgekosten zu sparen, scheint hier jeder Euro bestens investiert.

Lesen Sie jetzt