Die Nachfrage nach Impfterminen übersteigt das Angebot, diese Imbalance macht viele Menschen wütend. © Schmidt, Christoph
Meinung

Wenn Impfen marktwirtschaftlich wird, ist das eine Katastrophe

Angebot und Nachfrage sind die Grundlagen, nach denen die Marktwirtschaft funktioniert. Die aktuelle Impfsituation wäre dafür ein Musterbeispiel – und das ist eine Katastrophe, meint unser Autor.

Fakt ist, es gibt zur Zeit eine hohe Nachfrage nach Impfungen und ein zu geringes Angebot, um diese befriedigen zu können. Termine an den Impfzentren, die ohnehin nur für die nächsten 14 Tage vergeben werden, gibt es nicht. Arztpraxen müssen ihre Patienten teils bis März vertrösten. Es herrscht Ungleichgewicht zwischen den beiden Marktteilnehmern Anbieter und Nachfrager.

In der freien Marktwirtschaft würden sich jetzt die Anbieter die Hände reiben. Sie könnten die Preise anheben, würden damit zwar Teile der Nachfrager ausschließen, aber über die höheren Einnahmen von den weiterhin Zahlungswilligen ihre Gewinne maximieren. Das funktioniert aber im Falle des Impfens nicht, denn diesem Interaktionssystem zwischen Nachfrager und Anbieter fehlt das Grundprinzips des Marktes: der Tausch.

Den Nachfragern fehlt ein wichtiges Marktinstrument

Impfwillige können nichts anbieten, was sie gegen die ersehnte Dosis eintauschen. Auf der einen Seite ist das gut. Man stelle sich vor, dass Besserverdiener mit einem Bündel Scheine wedeln und stante pede das Vakzin injiziert bekommen und der nicht so gut betuchte Nebenmann eben dann ganz hinten steht. Auf der anderen Seite fehlt damit einem bedeutenden Teilnehmer an diesem Angebot/Nachfrage-Spiel jedwedes Mittel, um überhaupt aktiv an diesem doch sehr marktwirtschaftlich geprägten Prozess teilnehmen zu können.

Dass es bei der Bewältigung der Pandemie, die nachweislich lebensbedrohlich ist, elementare Bedeutung hat, so viele Menschen wie möglich zu impfen, das wird von allen Seiten nimmermüde verkündet. Wer nun diesem Aufruf, der in der Werbung gern mit dem neu aufgelegten Carpendale-Hit „Hello again“ untermalt wird, folgen will, läuft gegen eine Wand.

Aus Frust wird Angst, aus Angst wird Wut

Das frustriert nicht nur, sondern macht viele Menschen nervös, schürt Ängste. Ängste, die man fast schon überwunden wähnte. Das große Problem ist, außer morgens früh die Webseite der Impfzentren zu aktualisieren, kann man nicht viel machen. Das weckt das Gefühl der Hilflosigkeit.

Und Menschen, die sich hilflos fühlen, ängstlich und nervös sind, neigen dazu, unüberlegte Dinge zu tun.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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