Wenn für die Ratten in Unnas Gartenvorstadt der Tag anbricht

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Das Rattenproblem in der Gartenvorstadt ist größer als gedacht. Und daran tragen nicht zuletzt die Menschen Schuld, die mit ihrem achtlosen Verhalten ein Paradies für die Nager schaffen.

Unna

, 21.10.2018, 16:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist einer der letzten warmen Tage in diesem Jahr, das auch den Menschen in Unna einen gefühlt unendlich langen Sommer beschert hat. Die Sehnsucht, auch die Abende im Freien zu verbringen, sie ist an diesem Tag in der Gartenvorstadt spürbar. Während viele Menschen gerade erst von der Arbeit heimkommen, genießen andere ihre Freizeit – und die Herbstferien. Etwa die jungen Leute, die sich an einem Verteilerkasten an der Buchenstraße getroffen haben, miteinander quatschen und mit ihren Handys spielen. Niemand stört sich daran – und auch nicht an der Gruppe junger Leute, die entlang des gegenüberliegenden Spielplatzes einen Bollerwagen hinter sich herziehen – gefüllt mit Getränken und ausgestattet mit einer Musikanlage.

Wenn für die Ratten in Unnas Gartenvorstadt der Tag anbricht

Leicht zu pflegen, aber auch ein gutes Versteck für Ratten: Die Bodendecker in der Gartenvorstadt lassen den natürlichen Feinden der ungeliebten Nager keine Chance. © Dirk Becker

Ein ganz normaler Abend also in einer ganz normalen Gegend – so scheint es. Doch der Ruf der Gartenvorstadt hat zuletzt gelitten, nachdem im Bereich Ahornstraße/Eichenstraße immer wieder Ratten auftauchten. Für die Menschen, die hier leben, ist das Rattenproblem zwar ein wichtiges Thema, doch verrückt machen lassen sie sich nicht. Zwei Frauen, die zügig mit ihren Nordic-Walking-Stöcken die Ahornstraße überqueren, treibt wohl eher der Ehrgeiz an als die Angst vor den Nagern. Und die Ratte, die ein Stück weiter, schon deutlich entfernt von der als „Problembereich“ bekannten Einmündung Ahornstraße/Eichenstraße liegt, stört offenbar niemanden. Sie ist tot, liegt mit aufgeplatztem Bauch auf dem Rücken.

Von Giftköder angelockt

Die Giftköder, die ein Schädlingsbekämpfer ausgelegt hat, haben ihr offenbar den Garaus gemacht. Einige Vögel picken in dem Aas herum. Ob sie selbst durch das Gift gefährdet sind? Zumindest die Menschen werden gewarnt. Auf den Köderkästen – einer liegt zum Beispiel hinter dem Hochhaus an der Einmündung Ahornstraße/Buchenstraße im Gras – sind Warnschilder angebracht. Und auch auf einigen Verteilerkästen prangen rote Schilder, die auf das ausgelegte Gift hinweisen. Diese sollen auch Hunde schützen.

Wenn für die Ratten in Unnas Gartenvorstadt der Tag anbricht

Der von der Wohnungsbaugesellschaft LEG beauftragte Schädlingskämpfer hat an mehreren Stellen in der Gartenvorstadt Rattenköder ausgelegt. © Dirk Becker

Die sieht man jetzt, mit Einbruch der Dämmerung überall. Ein letzter Gassigang, bevor Frauchen und Herrchen den Abend vor dem Fernseher verbringen. Die Hunde sind die ersten, die die Ratten hören und sehen. Die Menschen, die sie an der Leine über die Wege der Parkanlagen zwischen den vielen Mehrfamilienhäusern führen, müssen schon genau hinschauen. Ein Rascheln im trockenen Laub, der Blick richtet sich in Richtung Spielplatz. Ist das eine Ratte oder doch nur ein Vogel? Nein, es ist eine Ratte, wenn auch eine kleine. Dem Licht der Taschenlampe entweicht sie nicht, aber sie ist schnell unterwegs und vermutlich auf Nahrungssuche.

Und hier findet sie viel, was ihren Hunger stillen kann. Obst von Büschen und Sträuchern liegt auf der Erde, zum Teil bereits angeknabbert. Etwas weiter hat jemand seinen Müll aus einem Fastfood-Restaurant in einer Hecke entsorgt. Mögliche Speisereste wird die Ratte schnell vertilgen, das ist sicher.

Schlaraffenland für Ratten

Es sind die Menschen, die die Gegend für die Ratten zum Schlaraffenland machen. Ein Problempunkt, das verrät ein Hundehalter, ist der Spielplatz. Jugendliche halten sich dort gerne auf, essen Pizza oder andere Snacks. „Oft bleiben die Kartons einfach liegen“, sagt der Anwohner. Aber selbst wenn die Jugendlichen Reste in die Mülleimer werfen würden, würde das nur wenig helfen.

Wenn für die Ratten in Unnas Gartenvorstadt der Tag anbricht

Nicht verschlossene Mülltonnen machen den Ratten das Leben leicht. © Dirk Becker

Die Abfallbehälter sind offen und für Ratten leicht zu erreichen.

Wütend wird der Hundehalter allerdings, wenn er auf die Alu-Schälchen am Rande des Spielplatzes zeigt. Denn sie sind kein achtlos weggeworfener Müll. „Hier füttert jemand regelmäßig umherstreunende Katzen. Das ist natürlich eine Einladung für die Ratten“, sagt der Mann und schüttelt den Kopf. „Das ist doch wahnsinnig.“

Wenn für die Ratten in Unnas Gartenvorstadt der Tag anbricht

Gut gemeint, aber doch kontraproduktiv. Ein Anwohner füttert außerhalb seines eigenen Grundstücks streunende Katzen. Das ist fast schon eine Einladung für Ratten, für die das Futter ein Festmahl ist. Die Katzen sind für die Nager kaum eine Gefahr, weil sie eher auf Mäusejagd gehen. © Dirk Becker

Tatsächlich konterkarieren diese Fütterungen alle Bemühungen der Wohnungsgesellschaften. Die haben nicht nur einen Schädlingsbekämpfer beauftragt, sondern auch die Mülltonnen längst in Gitterboxen verschwinden lassen, damit nicht jedermann Zugang hat. Einige Türen stehen offen und die Deckel der bereits für die Leerung am nächsten Morgen herausgestellten gelben Tonnen sind nicht alle fest verschlossen.

„Eigentlich“, sagt der Hundehalter, bevor er mit seinem Vierbeiner weiterzieht, „müssten hier mal alle an einen Tisch kommen: LEG, UKBS, aber auch das Ordnungsamt.“ Eigentlich, so möchte man fortsetzen, müssten hier auch alle an einem Strang ziehen. Denn nur dann ist das Rattenproblem in den Griff zu bekommen. So aber beginnt mit der Abenddämmerung für die Nager immer wieder ein Tag mit reich gedecktem Tisch. Den Menschen-Tag verbringen sie im Schutz von Erdlöchern, aber auch unter den überall gepflanzten Bodendeckern. Da sind sie auch vor ihren natürlichen Feinden, etwa Greifvögeln, sicher.

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