Welche Maßnahmen Lehrer bei psychischen Erkrankungen ihrer Schüler treffen können

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Die Herausforderungen für Lehrer sind oft nicht nur fachlicher Natur: Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten der Schüler zu erkennen, gehört ebenfalls zu ihrem Job. Auch in Unna.

Unna

, 05.02.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut von psychischen Störungen betroffen. Neben Eltern geraten zunehmend auch Lehrer in die Pflicht. Denn als täglicher Begleiter der Schüler geht es im Schulalltag längst nicht nur darum, Lerninhalte zu vermitteln, sondern auch, psychische Auffälligkeiten der Schüler zu bemerken und entsprechend zu reagieren. Aber woran erkennt man erkrankte Schüler? Wie spricht man sie darauf an? Und an welche Hilfsstellen kann man sich als Lehrer wenden?

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Professor Dr. Dr. Martin Holtmann, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie- und Psychotherapie an der LWL-Klinik Hamm, hat nun in Unna einen Vortrag für Lehrer, Sozialarbeiter und Schulleiter aus dem Evangelischen Kirchenkreis Unna gehalten. Der ärztliche Direktor der Uniklinik Hamm weiß, dass die Rolle der Schule bei psychisch erkrankten Kindern keine unwichtige ist: „Die Lehrer verbringen viel Zeit mit den Schülern. Ihnen sollte auffallen, wenn das Verhalten der Schüler sich verändert.“

Unterschiedliche Symptome

Das kann sich laut Holtmann auf unterschiedliche Weise äußern: Mal ziehen die Schüler sich zurück, mal wird ein deutlicher Leistungsabfall erkennbar, mal kommen erkrankte Kinder gar nicht mehr zur Schule. Wichtig sei es dann, die Symptome rechtzeitig zu erkennen, sich gegebenenfalls mit anderen Lehrkräften auszutauschen und weitere Vorgehensweisen abzusprechen.

Welche Maßnahmen Lehrer bei psychischen Erkrankungen ihrer Schüler treffen können

Facharzt Martin Holtmann hält seinen Vortrag vor Lehrern, Pädagogen und Sozialarbeitern aus dem evangelischen Kirchenkreis Unna. © privat

Zwar sei nicht in jedem Fall eine therapeutische Behandlung nötig, da viele Jugendliche mal eine depressive Verstimmung hätten, problematisch werde es jedoch, wenn sie ihren Hobbys nicht mehr nachgehen, Freunde und soziale Kontakte meiden: „Das kann ein Indiz dafür sein, dass eine ernsthafte psychische Störung vorliegt.“ Am häufigsten seien das im Kinder- und Jugendalter Angststörungen und Depressionen.

Immer wieder Fälle von psychisch kranken Schülern

Auch an Unnas Schulen kommen diese Erkrankungen durchaus vor, wie Erika Seifert, stellvertretende Schulleitung vom Hellweg-Berufskolleg berichtet: „Bei einer Schule mit 2000 Schülern gibt es immer wieder Fälle, in denen einzelne Jugendliche professionelle Hilfe benötigen“, sagt sie. Sie selbst habe Fälle von Magersucht oder Selbstverletzungen ihrer Schüler mitbekommen.

Deshalb gehöre es dazu, dass die Lehrer an ihrer Schule sich dieser Krankheitsbilder – und ebenso ihrer Handlungsmöglichkeiten – bewusst werden. Das sieht auch Lehrerin Christina Stube vom Hellweg-Berufskolleg so: „Oft weiß man ja gar nicht: Was darf ich als Lehrer, und was nicht. Man kann die Schüler ja nicht am Arm zum Therapeuten zerren.“

„Oft weiß man ja gar nicht: Was darf ich als Lehrer, und was nicht. Man kann die Schüler ja nicht am Arm zum Therapeuten zerren.“
Christina Stube, Lehrerin am Hellweg-Berufskolleg

Durchaus sinnvoll sei es laut Holtmann hingegen, die Schüler auf ihre Probleme anzusprechen und sich mit anderen Lehrkräften auszutauschen. So hat es auch Christina Stube gemacht: „Ich habe mir Wissen viel von meinen Kollegen abgeschaut und in Fortbildungen dazugelernt“, sagt sie. In ihrem Studium seien psychologische Inhalte nämlich viel zu kurz gekommen. Bei Kollegen mit technischen Fächern oder bei Quereinsteigern fehle eine dahingehende Qualifikation völlig, so Stubes Meinung.

Umso wichtiger sei es für Lehrer, dass sie für etwaige Auffälligkeiten und psychische Störungen ihrer Schüler sensibilisiert werden: „Die meisten psychischen Erkrankungen kann man sehr gut behandeln, wenn man sie nur erkennt. Je eher Kinder Hilfe bekommen, desto besser“, so Holtmann.

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