Zweiter Bildungsweg: Unnas Abendschule erfährt einen drastischen Schülermangel

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Auf dem zweiten Bildungsweg ist derzeit kaum Verkehr. Unnas Weiterbildungskolleg erlebt einen ungewohnten Schülermangel und steht vor der Fusion mit einer ähnlich schwach nachgefragten Abendschule.

Unna

, 05.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Unna auch eine Einrichtung für den zweiten Bildungsweg hat, gehört zu den Stärken des Schulstandortes in der Kreisstadt und steht für eine Politik der sozialen Chancengleichheit.

Wer es durch ungewöhnlichen Lebensverlauf (oder schlichtweg Bequemlichkeit) nicht schon in jungen Jahren zu einem passenden Schulabschluss gebracht hat, der hat immer noch die Möglichkeit, etwas später „die Kurve zu kriegen“.

Der eingebürgerte Begriff der „Abendschule“ ist dabei nicht gänzlich zutreffend. Denn Betrieb herrscht am Weiterbildungskolleg der Stadt Unna auch vormittags schon.

Mindestzahl von 240 Schülern nur zur Hälfte erreicht

Allerdings ist dieser Betrieb in letzter Zeit recht ruhig geworden. Zuletzt unterschritt das Weiterbildungskolleg mit seinen Anmeldezahlen deutlich die vorgegebenen Mindestwerte. Rund 120 Schülerinnen und Schüler hatten sich in den zurückliegenden Jahren angemeldet – etwas halb so viele, wie die Einrichtung eigentlich annehmen müsste.

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Unnas zuständige Beigeordnete Kerstin Heidler erklärt die landesweit zu beobachtende Krise des zweiten Bildungsweges damit, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt lange Zeit ohne Krise gelaufen sind. Bis zur Corona-Pandemie ging es Deutschland so gut, dass auch gering Qualifizierte in der Lage waren, eine Anstellung zu finden, die ihnen ein Auskommen ermöglicht hat. Der Anreiz, sich als Erwachsener noch einmal auf die Schulbank zu setzen, war daher eher gering.

Wie sich die wirtschaftliche Lage nun entwickeln wird und was dies für den zweiten Bildungsweg bedeuten mag, ist natürlich noch nicht abzusehen. Aktuell ist Unnas Abendschule alleine nicht mehr zukunftsfähig. Die Bezirksregierung Arnsberg schlage daher eine Fusion mit dem Sauerlandkolleg in Arnsberg vor, das eine ähnliche Problemlage hat.

Angebote bleiben auch bei Fusion vor Ort

Dass zwischen Arnsberg und Unna rund 40 Kilometer liegen, soll den Schülerinnen und Schülern aber egal bleiben dürfen. Innerhalb der Fusion sollen die Standorte erhalten bleiben, die Kurse weiterhin vor Ort angeboten werden. Dass im künftigen Bildungscampus, der gerade in Königsborn entsteht, auch Räume für das Weiterbildungskolleg geschaffen werden, bleibt daher eine Investition, für die es einen Bedarf gibt.

Allerdings dürften die Lehrer im Rahmen der Fusion Einsätze an beiden Standorten erwarten. Der Zeitplan der Fusion ist derzeit noch vage. Im Herbst soll das Thema offiziell in die Beratungen des Unnaer Schulausschusses kommen.

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