Weihnachtsgeschäft in Unna durch Lockdown in Gefahr: „Das ist eine Katastrophe“

dzEinzelhandel

Weihnachten rückt immer näher – und somit auch die Zeit, in der es Geschenke für die Liebsten zu kaufen gilt. In diesem Jahr ist jedoch alles anders. Wie läuft da das Weihnachtsgeschäft in Unna an?

Unna

, 20.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie bestimmt derzeit den Alltag, und damit auch das anstehende Weihnachtsgeschäft. Denn auch der stationäre Einzelhandel bekommt die Auswirkungen des neuen Lockdowns zu spüren: Für Händler und Selbständige wird die sonst umsatzstärkste Zeit des Jahres jetzt zur Bewährungsprobe.

„Die Gastronomie und der Handel befruchten sich gegenseitig. Fehlt das eine, leidet das andere.“
Thomas Weber, Vorsitzender des City-Weberings Unna

Thomas Weber, Vorsitzender des City-Weberings Unna, ist besorgt: „Im Moment ist das Weihnachtsgeschäft noch eine Katastrophe“, sagt er. „Die Frequenz in der Innenstadt hat dramatisch nachgelassen.“

Aufgrund der geschlossenen Cafés und Restaurants kämen etwa 30 bis 40 Prozent weniger Kunden in die Innenstadt; und dies wirke sich auch deutlich auf Einzelhandel aus: „Die Gastronomie und der Handel befruchten sich gegenseitig“ sagt Weber. „Fehlt das eine, leidet das andere.“ Etwa verknüpfen viele Bürger den Kaffee unter Bekannten mit einem schnellen Einkauf, oder sie freuen sich andersherum nach dem ausgiebigen Shoppen auf einen Mittagssnack.

Umso mehr hofft Weber, dass der Lockdown bald tatsächlich endet: „Wenn wir im Dezember die Gastronomie nicht wieder an Bord haben, sehe ich für das finale Weihnachtgeschäft schwarz. Die Zeit rennt uns jetzt davon“, sagt er.

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„Wenn wir im Dezember die Gastronomie nicht wieder an Bord haben, sehe ich für das Weihnachtgeschäft schwarz.“
THOMAS WEBER, VORSITZENDER DES CITY-WEBERINGS UNNA

Suche nach Weihnachtsgeschenken bereits im Oktober

Der ein oder andere Einkäufer ist dennoch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken in Unna City unterwegs – und das nicht erst seit Mitte November, wie Gordon Friese von der Buchhandlung Hornung berichtet: „Bei uns beginnt das Weihnachtsgeschäft schon Ende Oktober“, sagt er. „Erste Kalender bekommen wir bereits im Juni oder Juli geliefert, bestimmte Exemplare sind Mitte November dann schon vergriffen“, sagt er.

Friese könne als Innenstadtbuchhändler trotz des Lockdowns nicht klagen: „Unser Geschäft läuft auch während Krise gut. Bücher werden nun vermehrt gelesen, auch Gesellschaftsspiele sind sehr gefragt.“ Zudem profitiere der Buchhandel davon, dass die kleinen Buden mit Geschenkartikeln auf den Weihnachtsmärkten fehlen: „Man merkt, dass die Menschen zu uns kommen, wenn sie weihnachtliche Kleinigkeiten suchen.“

Bei Angelika Urban in der Papeterie am Markt in Unna kaufen die Kunden nach wie vor ein, allerdings bemerkt auch sie, dass weniger los ist in der Innenstadt.

Bei Angelika Urban in der Papeterie am Markt in Unna kaufen die Kunden nach wie vor ein, allerdings bemerkt auch sie, dass weniger los ist in der Innenstadt. © VIvien Nogaj

Kunden kommen gezielt bei Bedarf statt zum Stöbern

Diese Kleinigkeiten gibt es auch bei Angelika Urban, Inhaberin der Papeterie am Markt in Unna: „Unsere Kunden interessieren sich jetzt vermehrt dafür, aber nach wie vor auch für Artikel des alltäglichen Bürobedarfs.“

Dennoch merke auch Urban, dass die Stadt weniger frequentiert ist; besonders in den Abendstunden mache sich dies bemerkbar: „Ab 17 Uhr wird es ruhiger, ab 18 Uhr ist dann kaum noch etwas los“, sagt sie. Kunden könnten nach dem Einkauf eben nicht mehr etwas Essen gehen oder einen Glühwein auf dem Markt trinken. Vielmehr kommen sie daher gezielt bei einem bestimmten Bedarf.

„Ab 17 Uhr wird es ruhiger, ab 18 Uhr ist dann kaum noch etwas los.“
Angelika Urban, Inhaberin der Papeterie am Markt

So auch im Unnaer Babymode-Geschäft Dreikäsehoch: „Wenige Kunden sind einfach nur zum Stöbern da. Sie haben meist ein besonderes Anliegen“, sagt Inhaberin Vera Marinovic. Der Bedarf sei jedoch nahezu konstant geblieben: „Kinder wachsen nun mal, Kleidung für sie braucht man ständig.“

Auch Geschenkartikel seien gefragt, viele Kunden hätten diese bereits vorzeitig gekauft: „Vielleicht haben einige Menschen einen zweiten Lockdown vermutet und ihre Schäfchen deshalb rechtzeitig ins Trockene gebracht“, glaubt Marinovic. Aufmerksamkeiten für das Weihnachtsfest würden schließlich auch trotz der Corona-Pandemie benötigt.

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Daher sieht auch Thomas Weber vom City-Werbering dem Ende des Lockdowns sehnsüchtig entgegen: „Im Dezember, hoffe ich, kommen wieder mehr Kunden in die Innenstadt und unterstützen den Einzelhandel mit ihrem Weihnachtseinkauf.“ Denn nur dann bleibe die Unnaer City auch langfristig das, was sie eigentlich ist: Eine gut und gerne besuchte Einkaufsstadt.

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