Wegen Vergewaltigung angeklagter Türsteher freigesprochen

dzGerichtsprozess

Zwei Stunden lang vernahm das Schöffengericht das angebliche Opfer eines Vergewaltigers. Am Ende schenkte es der jungen Frau keinen Glauben, der angeklagte Türsteher wurde freigesprochen.

Unna

, 28.01.2020, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 42 Jahre alter Türsteher soll in der Nacht auf den 17. August vergangenen Jahres den Schlaf einer 18-Jährigen ausgenutzt haben, um sie zu vergewaltigen. So lautete am Dienstag der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Doch das Schöffengericht im Amtsgericht Unna sprach den Mann frei.

Der Entscheidung war ein mehr als fünfstündiger Prozess vorausgegangen. Von Anfang an stritt der gepflegt wirkende Angeklagte im anthrazitfarbenen Anzug und polierten Schuhen den Vorwurf ab. „Solch eine hässliche Tat habe ich nicht begangen. Es ist nichts mit Gewalt passiert“, erklärte der Angeklagte.

Er habe das Mädchen und deren Freundin nach einem Discobesuch in die Wohnung eines Freundes der beiden an der Bahnhofstraße in Unna begleitet. Dort sei er spontan etwas geblieben.

18-Jährige soll Sex gewollt haben

Im Wohnzimmer habe sich ein aufblasbares Doppelbett befunden. Während die Freundin in einem anderen Zimmer gewesen sei, habe sich die 18-Jährige auf das Bett gelegt, sich zu ihm gedreht und gefragt: „Na, hast du Lust?“ Er habe gar nicht darauf reagieren können: „Weil ich keine Antwort geben konnte, habe ich den Dingen freien Lauf gelassen. Es kam Körpersprache und dann hat die Bettbeziehung begonnen.“ Es sei zum einvernehmlichen Sex gekommen.

Er habe die Frau schon vorher von einigen Discobesuchen gekannt, sei mit ihr auf Facebook befreundet. Nachdem sie miteinander geschlafen hätten, sei die 18-Jährige in der Wohnung verschwunden. „Ich dachte, sie ist bei ihrer Freundin, um ihr von dem Glück dieses Vorfalls zu erzählen“, so der 42-Jährige. Er sei ins Bad gegangen, habe sich gewaschen und dann die Wohnung verlassen.

Öffentlichkeit bei Vernehmung ausgeschlossen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernahm das Gericht schließlich mehr als zwei Stunden lang die 18-Jährige. Sie bestätigte die Anklageschrift. Zwischendurch verließ sie unter Tränen den Sitzungssaal, um eine Pause einzulegen. Weitere Zeugen sagten im dann wieder öffentlichen Prozess aus, die Frau sei in der Tatnacht plötzlich ins Zimmer der Freundin gekommen und habe gesagt, dass sie vergewaltigt worden sei. Bei Ankunft der Polizei sei die 18-Jährige zusammengebrochen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft führte in ihrem Plädoyer an, dass die Frau in ihrer Aussage zwar Gedächtnislücken hatte, es letztlich aber keinen Grund für sie gebe, zu lügen. Auch, wenn es keine perfekte Beweissituation sei, reichten die Aussage und das Verhalten (weinen) der Frau für eine Verurteilung aus. Und so forderte die Staatsanwältin drei Jahre und sechs Monate Haft für den Angeklagten.

Gericht folgt dem Verteidiger

Der Verteidiger des 42-Jährigen zeigte sich überrascht über diesen Antrag. Die Schilderungen der 18-Jährigen seien lebensfremd. Sie hatte ausgesagt, der Angeklagte habe sie berührt. Weil sie das nicht gewollt habe, habe sie seine Hand weggeschoben und sich umgedreht. Warum hat sie die Matratze nicht verlassen? Warum hat sie spätere Untersuchungen verweigert? Alles in allem könnte nur ein Freispruch in Frage kommen.

Das sah auch das Gericht so. Es sei nur schwer vorstellbar, dass der Angeklagte die Frau auf der wackeligen Matratze herumgedreht, ihr die Kleidung herunter geschoben und dann vaginal mit ihr geschlafen hatte, ohne dass die 18-Jährige, die laut ihrer Aussage erst beim Analsex erwacht sei, etwas davon mitbekommen hatte. Wenn, wie in diesem Fall, Zweifel an einer Verurteilung bleiben, muss es einen Freispruch geben, erklärte der Richter.

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