Halle und Straße müssen weg: Jetzt steht fest, welche Ausmaße die Giftsanierung in Massen noch annehmen wird. Die erste Phase war schon ein Mammutprojekt – ist aber nichts im Vergleich zu Teil 2.

Massen

, 21.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Der erste Abschnitt der Teerölsanierung auf dem Gelände der früheren Zechenkokerei Massen III/IV wurde im Herbst planmäßig abgeschlossen. Mit 300 Großlochbohrungen hat eine Spezialfirma Stück für Stück den mit giftigen Rückständen belasteten Boden entfernt. Die Löcher wurden unmittelbar mit sauberem Material verfüllt.

Vom Gutachter bestätigt

Jetzt beginnen die Planungen für Phase 2 des Projekts – den weitaus größeren Teil. Prinzipiell läuft es weiter wie bisher. Die Fläche, die irgendwann nächstes Jahr Stück für Stück ausgebohrt werden soll, ist aber mehr als doppelt so groß wie die in der ersten Phase. Und nun sind obendrein Dinge im Weg. „Wir haben ein Sanierungserfordernis auch unter der Halle“, sagt Ludwig Holzbeck, Umweltdezernent des Kreises Unna.

Zahlen

Über 1000 Bohrungen

Rund zehn Wochen dauerte Phase 1, bei der im Sommer und Herbst auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern der Boden ausgetauscht wurde. Bis neun Meter unter Geländeoberkante wurde gebohrt. 300 Bohrungen brachten 6000 Kubikmeter belasteten Boden ans Tageslicht. 13.000 Tonnen Material wurden abtransportiert und je Belastungsgrad zu verschiedenen Deponien gebracht, überwiegend nach Gelsenkirchen oder Hünxe am Niederrhein. Phase 2 wird mehr als doppelte Ausmaße annehmen: Die Sanierungsfläche ist 3000 bis 3500 Quadratmeter groß. Geplant werden über 1000 Bohrungen, die 13.000 Kubikmeter Boden zutage fördern. Voraussichtlich müssen 20.000 bis 25.000 Tonnen Material abtransportiert werden.

Dass eine der großen Hallen des Autoverwertungsbetriebs abgebrochen werden muss, weil auch darunter der Boden verseucht ist, überrascht nicht. Der Kreis Unna und der für die Sanierung zuständige Verband AAV hatten sich aber im Vorfeld mit dem Grundeigentümer geeinigt, dass nach Phase 1 erst entschieden wird, ob Phase 2 nötig ist. Gutachter bestätigten nun, dass es weitergehen muss.

Auch Straße wird abgebrochen

Betroffen ist nicht nur die Halle entlang der Dortmunder Straße, sondern auch die Straße selbst. Neben Gesprächen mit der Autoverwertungsfirma sollen im Frühjahr deswegen weitere auch mit Straßen NRW und den Inhabern von Versorgungsleitungen von Telekommunikation bis Frischwasser geführt werden. Stehen Details zum Bauablauf fest, soll die Sanierung ausgeschrieben werden. Auch für diesen Abschnitt müssen die Verantwortlichen wieder europaweit nach Unternehmen suchen. Wann die Arbeiten in Massen fortgesetzt werden und wie lange sie dauern, sei noch offen, sagt Holzbeck.

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Betrieb beeinträchtigt

Für die Familie Mairitsch, die Eigentümer des Grundstücks ist, bringt die Großbaustelle, vor allem aber der geplante Abriss der Hallen, schlaflose Nächte. „Was das alles kosten wird“, sagt Matthäus Mairitsch, den die meisten nur als „Charlie“ kennen. Zwar bekommt die Familie eine Entschädigung und ein komplett saniertes Grundstück, aber das laufende Geschäft leide extrem darunter.

Die Werkstatt wurde bereits von den Hallen an der Dortmunder Straße in die Gebäude an der Massener Bahnhofsstraße verlegt. Doch die sind nicht hoch genug für die Hebebühnen. Es ist Millimeter-Arbeit, dass PKW nicht unter die Deckenträger gepresst werden. „Lieferwagen gehen überhaupt nicht“, sagt Mairitsch. „Früher hatten wir auch den TÜV hier bei uns, das brachte Kunden. Aber auch das geht nicht mehr.“

Für viele der 450-Euro-Kräfte, die bislang beschäftigt waren, gibt es im Moment nichts zu tun, und auch das belastet den 84-Jährigen.

Halle mit neuen Toren muss weg

Tränen in den Augen hat er allerdings, wenn er durch die Hallen geht, die bald abgerissen werden sollen. „Wir hatten neue Tore eingebaut, neue Fenster“, sagt Mairitsch. Der Boden wurde teilweise mit teuren Spezialplatten belegt, damit es im Winter nicht zu kalt wurde.

Die beiden Hebebühnen sind noch fast neu, für die anderen Hallen aber zu hoch. „Das tut in der Seele weh.“ Und die Lagerbestände müssen nicht nur ausgeräumt, sondern vermutlich zum Großteil entsorgt werden. „Wir können das ja nicht draußen auf einen großen Haufen werfen“, erklärt Mairitsch.

Finanzieller Schaden entsteht darüber hinaus auch für das laufende Geschäft: In einer Zeit, wo es aufgrund des Diesel-Skandals am Markt brummt, kann der Betrieb aufgrund der Umstände nicht so arbeiten, wie man möchte. „Es geht hier schon um unsere Existenz“, sagt auch Sohn Andreas Mairitsch. Aber er wolle in jedem Fall durchhalten und weitermachen.

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