Wegen Giftsanierung in Unna-Massen wird Dortmunder Straße ab Montag zum Nadelöhr

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Die groß angelegte Beseitigung von Giftresten aus Bergbauzeiten in Unna-Massen geht in ihre zweite Phase. Die Bauarbeiten werden jetzt auch massiv den Verkehr stören. Und sie beginnen bald.

Massen

, 30.01.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Massen-Nord soll das Thema Teeröl aus der früheren Kokerei der Zeche Massen III/IV jetzt zum Abschluss kommen. Die Altlastensanierung auf dem Gelände des Autoverwerters an der Dortmunder Straße geht in ihre zweite Phase. Die Bauarbeiten beginnen am Montag, 3. Februar. Und nun wird das Großprojekt auch den Verkehr beeinträchtigen.

Kokerei war bis 1926 in Betrieb

Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) hatte nach jahrelanger Vorplanung 2018 damit begonnen, belasteten Boden vom Gelände des Autoverwertungsbetriebs auszutauschen.

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Der Hintergrund liegt fast 100 Jahre zurück: Bis 1926 wurde auf der Fläche eine Kokerei betrieben, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserrgend eingestuft werden, blieben im Untergrund. Aus einem Klärteich gelangte das Gift unterirdisch auch ins Grundwasser und bis zu einem Pumpwerk nördlich der Fläche. Deswegen konnten die Rückstände nicht im Boden bleiben.

Ab Montag Einbahnstraße

Teil 1 der Sanierung 2018 umfasste eine große Fläche auf dem Betriebsgelände. Nun folgt Teil 2, wie der AAV am Donnerstag mitteilte. Am Montag soll der Rückbau der langgezogenen Halle und des Bürogebäudes an der Dortmunder Straße beginnen. Dafür muss die Straße in Höhe der Firma halbseitig gesperrt werden. Es wird eine Einbahnstraßenregelung vom Kreisverkehr in Richtung Dortmund eingerichtet.

Wegen Giftsanierung in Unna-Massen wird Dortmunder Straße ab Montag zum Nadelöhr

Das Luftbild zeigt die betroffene Fläche vor Beginn der Sanierung 2018. In den kommenden Wochen sollen die langgezogene Halle mit grünem Dach und ein Teil der Straße weggebaggert werden. © www.blossey.eu

Vollsperrung ab März

Die Abrissarbeiten sollen etwa vier Wochen dauern. Dann, also ab Anfang März, beginnt der Bodenaushub. Der AAV rechnet mit drei bis vier Monaten, für die die Dortmunder Straße wiederum voll gesperrt werden muss. Rettungsfahrzeuge und Schulbusse sollen weiterhin durchfahren können, auch während der Zeit der Vollsperrung. Eine Bushaltestelle müsse verlegt werden, für Anwohner sollen Umleitungen eingerichtet werden.

Nach dem Bodenaustausch soll die Straße noch einmal für zwei Monate halbseitig gesperrt werden. In Summe ergibt sich eine Bauzeit von sechs bis sieben Monaten.

Auch Boden unter der Straße belastet

Die Dortmunder Straße ist zum einen wegen des Bauablaufs betroffen. Die Baugrube müsse auf dem Betriebsgelände und in der Mitte der Straße gesichert werden, heißt es vom AAV. Allerdings reicht die Ausbreitung der Schadstoffe nach den Untersuchungen auch bis zur Straßenmitte. „Deshalb wird dort auch saniert und der Boden ausgetauscht“, erklärte AAV-Sprecherin Sabine Schidlowski-Boos.

Über den festgelegten Bereich hinaus sei keine Sanierung erforderlich. Nachbargrundstücke seien daher nicht betroffen.

Kosten und Träger

Sanierung kostet die öffentliche Hand fünf Millionen Euro

  • Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) mit Sitz in Hattingen ist federführend bei dem Projekt. Er arbeitet vor allem mit dem Kreis Unna als Umweltbehörde eng zusammen. Auch die Stadt Unna und Straßen NRW sind beteiligt.
  • Die Sanierung kostet fünf Millionen Euro. Der AAV trägt mit 80 Prozent den Löwenanteil. Der Kreis Unna bezahlt eine Million Euro.
  • Den eigentlichen Arbeiten sind umfangreiche Untersuchungen, Gutachten und Verhandlungen vorausgegangen. Auch die Technik ist teuer: Alleine der 125 Tonnen schwere Großlochbohrer kostet 6000 Euro – pro Tag.

Riesenbohrer arbeitet in Baugrube

Die Bauarbeiten sollen vom Prinzip her ablaufen wie in Sanierungsphase 1. Mit Baggern wird auf 1400 Quadratmetern Fläche eine etwa drei Meter tiefe Grube ausgehoben. Darin wird dann ein spezielles Bohrgerät aufgebaut. Die riesige Maschine bohrt Loch für Loch den Boden bis in fünf Meter Tiefe aus. In die Hohlräume wird direkt saubere Erde gefüllt. Aus der Baugrube werden rund 5000 Kubikmeter Boden gebaggert. Der Aushub aus den Bohrlöchern soll noch einmal dasselbe Volumen haben.

Es soll nicht so sehr stinken wie 2018

Der belastete Boden wird auf dem Betriebsgelände zwischengelagert und dann zu speziellen Deponien gefahren. Ein Fachgutachter soll das Material kontinuierlich auf austretende Schadstoffe untersuchen. Die belasteten Bodenhaufen hatten in Phase 1 im Sommer 2018 teils heftig gestunken. In der kälteren Jahreszeit sei aber nun mit einer deutlich geringeren Geruchsbelästigung zu rechnen, so der AAV.

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