Schutz vor dem Wasser: Der gemauerte Turm der Stadtkirche ist künftig 35 Zentimeter höher

dzEvangelische Stadtkirche

Das zerstörerische Regenwasser soll künftig nicht mehr unkontrolliert durch den Turm der Stadtkirche fließen. Die Verantwortlichen für die Sanierung planen eine Art Dachrinne. Sie wird das Aussehen des Turms verändern.

Unna

, 19.08.2019, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 170 Jahren fließt Wasser durch die Mauern. Das ist das Grundproblem am Turm der Evangelischen Stadtkirche. Die Mauersteine sind an vielen Stellen marode, und diese Schwierigkeiten machen die aufwendige Sanierung nötig, die wie berichtet rund 3,5 Millionen Euro kosten wird.

Die für den Turm charakteristischen Fialen auf den Ecken und die Wasserspeier sollen aufgearbeitet und wieder installiert werden. Das Aussehen des Kirchturms wird sich aber verändern. Das liegt an der geplanten Entwässerung.

Schutz vor dem Wasser: Der gemauerte Turm der Stadtkirche ist künftig 35 Zentimeter höher

Im Inneren der Wände arbeitet das Wasser: Seit Jahrzehnten sickert Feuchtigkeit durch das Gemäuer. © Udo Hennes

Nässeprobleme bedingt durch Konstruktion im 19. Jahrhundert

Nach dem Brand von 1860, der den Dachstuhl des Kirchturms vernichtete, wurde ein neues Dach mit etwas kleinerem Grundriss aufgebaut – die heutige Haube aus Kupfer. Dadurch war es in den vergangenen Jahrzehnten für Kirchturmbesucher möglich, zwischen der Kante des Dachs und der steinernen Brüstung herumzulaufen. Bei einem über die Kante ragenden Dach hätte es diesen Platz nicht gegeben.

Ein solches Dach hätte aber auch dafür gesorgt, dass Regenwasser an der Turmwand herunterläuft, anstatt von oben in sie einzusickern. Die Wasserspeier, die nun wie die Balustrade und die Fialen abgebaut werden, hatten nur eine dekorative Funktion. Der Plan aus dem 19. Jahrhundert, das Regenwasser über sie abzuleiten, damit es auf den Kirchplatz tropft, ist nicht aufgegangen.

Schutz vor dem Wasser: Der gemauerte Turm der Stadtkirche ist künftig 35 Zentimeter höher

Die Wasserspeier in Form von Höllenhunden sollten eigentlich das Regenwasser vom Turm wegspucken. Was sich die Kirchbauer im 19. Jahrhundert überlegt haben, hat aber nicht funktioniert. © Udo Hennes

Fallrohre fassen 500 Liter pro Sekunde

Nun wird eine effiziente Entwässerung geplant. In jede der vier Turmseiten wird je ein Einlauf von oben eingebaut. Je zwei dieser Röhren fließen im Inneren der Wand zu einer zusammen. Ein Stück tiefer wird das Wasser dann nach außen geführt. Dort werden Fallrohre installiert, die die Nässe hinunter zum Kirchplatz bringen.

Der Bauleiter, Architekt Eberhard Tiemann, kündigt die Installation von 15 Zentimeter dicken Rohren an. „Wir müssen dabei auch einen Jahrhundertregen berücksichtigen“, sagt Tiemann. Die vier Einläufe werden so konzipiert, dass bis zu 250 Liter pro Sekunde hindurchfließen, ohne dass das Wasser gestaut wird. Die zwei Sammelrohre haben entsprechend die doppelte Kapazität – „mehr als ein Feuerwehrschlauch“, so Tiemann.

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Balustrade künftig 35 Zentimeter höher

Wasser braucht Gefälle, damit es dorthin fließt, wo der Bauherr es haben möchte. Eine bestimmte Neigung soll deswegen eingerichtet werden, wenn die Oberkante des Kirchturms demnächst wieder aufgebaut wird. Dadurch wird die Balustrade künftig 35 Zentimeter höher über die Dächer der Stadt ragen als bisher.

Die fast 170 Jahre alten Sandsteinelemente, die die Steinmetze in diesen Tagen hinunterlassen, werden in den kommenden Monaten am Boden saniert. Bevor sie an ihrem angestammten Platz wieder aufgebaut werden, soll ein 35 Zentimeter hoher Unterbau errichtet werden.

Schutz vor dem Wasser: Der gemauerte Turm der Stadtkirche ist künftig 35 Zentimeter höher

„Das muss hundertprozentig so gemacht werden“, sagt Werner Golka. Der Unnaer gehört zu den vielen Schaulustigen, die die Sanierungsarbeiten am Turm der Stadtkirche verfolgen. © Raulf

Aufwand gerechtfertigt für das Wahrzeichen Unnas

Die Sanierungsarbeiten werden immer wieder von Zuschauern verfolgt. „Die Kirche ist unser Wahrzeichen“, sagte Werner Golka kürzlich, als er auf dem Kirchplatz den großen Kran vor dem Kirchenportal begutachtete. Der 72-Jährige lebt seit 30 Jahren in Unna und könnte sich das Stadtbild ohne den markanten Turm gar nicht vorstellen.

Eine Sanierung in einer „Sparvariante“ ohne Wasserspeier und Fialen, wie sie kurzzeitig erwogen wurde - „das wäre ja, als würde man den Turm rasieren“, meint Golka. Dass das Sanierungsprojekt mehrere Millionen Euro kostet, ist ihm auch bewusst. Aber er ist sicher: „Das muss hundertprozentig so gemacht werden.“

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