Die Sonnenkraft allein reicht nicht aus für eine verlässliche Wassertemperatur. Der Bornekamp-Freibadverein plant die Anschaffung einer Heizung. Spender, Sponsoren und die Stadt sind gefordert.

Unna

, 17.08.2019, 16:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur 21,9 Grad Celsius. Kein Mensch im Becken. Das Wasser im Bornekamp-Freibad ist einfach zu kalt. „Da kommen auch unsere Bahnenschwimmer nur noch spärlich“, sagt Jessica Mense, Vorsitzende des Bornekamp-Vereins. Auch sie selbst gehe bei der Temperatur nicht mehr gern ins Wasser. Das Freibad braucht eine Heizung.

Die Sonne ist nicht verlässlich

Alle anderen Bäder in der Umgebung seien beheizt, sagt Mense. Das Wasser im Unnaer Freibad aber wird lediglich mit Sonnenenergie erwärmt. Dafür sorgt eine simple Solarthermieanlage, teils auf einem Dach des Freibadgebäudes, teils auf dem OGS-Anbau der benachbarten Katharinenschule. Das Beckenwasser wird durch lange schwarze Schläuche geleitet, die in zahlreichen Schlangen auf den Dachflächen liegen. Scheint die Sonne, wird die Flüssigkeit erwärmt und heizt so das Becken auf. Scheint die Sonne nicht, ist diese Naturheizung abgeschaltet.

Wasser zu kalt: Das Freibad im Bornekamp braucht eine Heizung für 150.000 Euro

Die Solarthermieanlage auf dem Dach heizt das Badewasser auf – aber nur bei Sonnenschein. © Udo Hennes

Die Unterschiede seien extrem im Laufe einer Freibadsaison, erklärt Mense. Schon jetzt, Mitte August sei die Sonneneinstrahlung nicht mehr so stark wie Anfang Juli. 26 Grad oder nur 21: Da überlegen sich viele, ob sich der Weg ins Freibad überhaupt lohnt. Die Schwankungen machen viele Veranstaltungen kaum planbar. Das Aquafitness-Angebot zum Beispiel werde bei etwas wärmerem Wasser viel besser angenommen.

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Damit mehr Kinder schwimmen lernen

„Wir haben viele Ideen, können sie aber nur schwer umsetzen“, sagt Mense. Ein Seniorenschwimmen in Kombination mit einem Frühstück zum Beispiel würde nur funktionieren, wenn auch eine verlässliche Zahl von Besuchern eingeplant werden könnte. Dazu brauche es eine verlässliche Wassertemperatur. Vielleicht könnte die Saison auch nach vorne und hinten verlängert werden. All das würde zum Erhalt des Unnaer Freibads beitragen.

Wasser zu kalt: Das Freibad im Bornekamp braucht eine Heizung für 150.000 Euro

Im Freibad sind Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene möglich. In zu kaltem Wasser aber fällt das Lernen schwer – oder es kommt erst gar keiner. © Udo Hennes

Es wären dann vor allem auch mehr Schwimmkurse möglich, so Mense. Sie ist sicher, auch die Grundschule nebenan müsste ihre Kinder nicht immer in den Bus setzen, um zum Schwimmunterricht im Hallenbad zu fahren, wenn das Freibad nur wärmer wäre. Und dass der Mangel an Schwimmfähigkeit inzwischen ein ernst zu nehmendes Problem ist, sieht nicht nur Mense so.

Investition: 150.000 Euro

Gemeinsam mit Fachleuten der Stadtwerke wurde die Anschaffung einer Heizung bereits vorgeplant: Rund 150.000 Euro müssten investiert werden. Mense zeigt sich zuversichtlich, dass der Verein diese Summe stemmen könnte. Sie erinnert daran, dass Projekte in einer ähnlichen Größenordnung in der jüngeren Vergangenheit schon erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Wasser zu kalt: Das Freibad im Bornekamp braucht eine Heizung für 150.000 Euro

Das neue Kinderbecken wurde 2016 in Betrieb genommen. Es hat sich als starkes Zugpferd erwiesen, um junge Familien ins Freibad zu locken. © Udo Hennes

Das Kinderbecken zum Beispiel sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass mehr Familien mit Kindern das Bornekamp-Freibad für sich entdeckten. Der Trägerverein des Freibads habe Rücklagen, mit denen ein Teil der Investition abgedeckt wäre. Spender und Sponsoren wären für das Projekt aber wichtig.

Info

Kontakt und Spendenkonten

  • Kontakt: Tel. (02303) 8 67 87; E-Mail: bornekamp@web.de
  • Wer Unnas Freibad mit einer Spende unterstützen möchte, kann auf eines dieser Konten überweisen: Sparkasse, IBAN DE59 4435 0060 0000 0243 64; Volksbank, IBAN DE61 4416 0014 4008 4261 01

Die Stadt muss mitziehen

Ebenso wichtig sei die Unterstützung der Stadt Unna. Der Plan von Freibadverein und Stadtwerken sieht vor, die neue Heizung in das Gebäude der Katharinenschule einzubauen. Darin sei bereits ein separater Heizkessel, aus dem das Wasser für die Duschen im Freibad beheizt wird, so Mense. Eine zusätzliche Heizung für das Beckenwasser könne mit einem neuen Blockheizkraftwerk verbunden werden. Ein solches Gerät wandelt Heizwärme in Strom um und würde insgesamt dazu beitragen, die Energiekosten des Freibads zu senken. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen im Rathaus habe der Verein bereits geführt, so Mense. Sie hoffe nun, dass man sich schnell einig wird.

Wasser zu kalt: Das Freibad im Bornekamp braucht eine Heizung für 150.000 Euro

Das Ende der Fliesenzeit: 2011 wurde das alte Becken abgebrochen und ein Edelstahlbecken eingebaut. In dieser Zeit wurde auch die Solarthermieanlage zur Wassererwärmung installiert. © Udo Hennes

Sonnenheizung löst sich auf

Ein weiterer Punkt, der für den Einbau einer Beckenheizung spricht, ist der Zustand der Solarthermieanlage. „Sie löst sich auf“, sagt Mense. Die Heizschläuche haben eine Lebensdauer von acht bis 18 Jahren. Sie sind jetzt sieben Jahre alt, da sie im Rahmen der letzten Großsanierung zusammen mit dem Edelstahlbecken im Bornekamp eingebaut wurden. Das permanent durchlaufende Wasser spüle inzwischen schon schwarze Stücke aus dem Inneren der Schläuche in die Filter. Zumindest teilweise müsse diese Anlage wohl bald ausgetauscht werden. Diesen finanziellen Druck würde eine Heizung vom Verein nehmen.

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