Das zu Ende gehende Jahr bot in Unna genug Gelegenheiten, sich zu ärgern. Aber eben auch zum Freuen: Wir schauen zum Jahresende ganz bewusst auf die Dinge, die 2018 einfach gut in unserer Stadt waren.

Unna

, 30.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Schließung der Eissporthalle, die Kostenexplosion bei diversen städtischen Bauprojekten und Stillstand in der Politik: Ja, es war auf den ersten Blick wahrlich kein erfreuliches Jahr für Unna. Doch wer genau hinschaut, stellt fest: 2018 war gar nicht so schlecht. Wie so oft sind es die kleinen Dinge, die etwas bewegen – und die 2018 für Unna zu einem eigentlich ganz schön guten Jahr machen.

Die jungen Spendensammler aus Königsborn

Was 2018 in Unna einfach gut war

Hannah, Lea, Madeleine, Paul und Philipp haben mit ihrer kreativen Spendenaktion fast 140 Euro für indonesische Kinder gesammelt. © privat

Als Ende September ein Erdbeben und ein Tsunami Teile Indonesien verwüsten, kommt spontane Hilfe aus Königsborn: Hannah, Lea, Madeleine, Paul und Philipp sind Schüler verschiedener Jahrgänge der Friedrichsbornschule – und sie wollen den Opfern der Naturkatastrophe helfen.

Im Sachunterricht sprachen sie über die Katastrophe in Indonesien. Kurzerhand entschlossen sie sich daraufhin, für die Kinder, die von der Katastrophe betroffen sind, Spenden zu sammeln. Mit einer selbst gebastelten Spendenbox liefen die fünf Schüler durch Königsborn, klingelten bei den Anwohnern und boten ihnen selbst gebackene Cupcakes oder nicht mehr benötigtes Spielzeug an.

Natürlich sollte als Gegenleistung möglichst eine Spende in die Box geworfen werden. Zusammen mit einer weiteren Spendenaktion wenige Tage nach der ersten erhielten die Grundschüler insgesamt knapp 250 Euro, die ihre Eltern an Unicef überwiesen. Das war übrigens der einzige Teil der Aktion, bei dem die Schüler Hilfe von „Großen“ in Anspruch nahmen; alles andere hatten sie komplett selbst organisiert.

Die Blütenpracht in der Innenstadt

Was 2018 in Unna einfach gut war

In voller Pracht stehen die Blumenampeln dank des warmen Sommers und guter Pflege bis in den Herbst hinein in Unnas Innenstadt. © UDO HENNES

Zu seinem 30. Geburtstag machte der City-Werbering den Unnaern und ihren Gästen ein Geschenk: An 94 Laternen verschönerten ab dem Frühjahr Pflanzkörbe die Innenstadt.

Doppelkörbe an 80 und einfache Körbe an 14 Laternen brachten 174 Pflanzgefäße in den Luftraum der Fußgängerzone. Und in ihnen blühte es in voller Pracht: Bis weit in den Herbst hinein sorgten die pinken Geranien für farbenfrohe Hingucker in der Innenstadt. Und das Beste: 2019 geht die Blütenpracht weiter, die Finanzierung ist dank „Blumenpaten“ gesichert.

Die Demonstration von Unnas Weltoffenheit

Was 2018 in Unna einfach gut war

Bunt, fröhlich, aktiv: Das sind Unnas Jugendliche, die am 29. März klar Position beziehen: Ihre Stadt soll weltoffen bleiben. © UDO HENNES

Es war ein Gründonnerstag, wie ihn Unna noch nie erlebt hat: Ab dem Mittag des 29. März war die Fußgängerzone abgeriegelt, Polizeiwagen fuhren vor, Sperrgitter wurden aufgestellt. Mittendrin: lauter bunte Luftballons, Europafahnen und über 200 Unnaer Jugendliche.

Ihre Botschaft: Unna ist weltoffen, bunt und meinungsstark. Sie sind es auch, die die Initiative ergreifen, Passanten ansprechen, Europafahnen und bunte Luftballons verteilen. Achja, eigentlich wollte die Rechte an diesem Tag Unnas Innenstadt für ihre Parolen nutzen. Doch die gehen unter – in dem friedlich bunten Bekenntnis von Unnas Jugend zu einer weltoffenen Stadt.

Das unerwartete Kleinod für die Insekten

Was 2018 in Unna einfach gut war

Jede Menge Futter für Insekten bietet dieses Wildblumenareal, das jemand offenbar gezielt in der Mühlhauser Mark gesät hat. © Anna Gemünd

Ende Juli steckt Unna mittendrin in der „Heißzeit“: Die Sonne brennt, der Asphalt glüht – und so langsam wird immer deutlicher: Wir brauchen mehr, nicht weniger Natur.

Auf immer mehr versiegelten Betonflächen finden Insekten immer weniger Nahrung. Da ist das, was Landwirt Werner Clodt mitten in diesem Hitzesommer in der Mühlhauser Mark entdeckt, ein echtes „Kleinod“: In der Mühlhauser Mark hat jemand am Wegesrand offenbar gezielt Wildblumen ausgesät. „Das ist beispielhaft, denn es zeigt, wie leicht man den Bienen helfen kann“, ist Clodt überzeugt. Und hübsch aussehen tut es noch dazu.

Die schönste Rückkehr an den Arbeitsplatz

Es ist ein emotionaler Moment: Über 15 Monate nach seinem Unfall begrüßen seine Kollegen Ende September jenen Bauarbeiter wieder auf der Baustelle, der Ende Mai 2017 am Bahnhof in die acht Meter tiefe Baugrube für die Kortelbach-Sanierung stürzte.

Zunächst mit reduzierter Arbeitszeit im Rahmen einer Wiedereingliederung geht der Mann aus dem Kreis Borken wieder seinem Beruf nach. Und kann „seine“ Baustelle in Unna abschließen – ein gutes Gefühl.

Die filmreife Überführung eines Müllsünders

Was 2018 in Unna einfach gut war

Die filmreife Verfolgungsjagd endete auf einem Feldweg. © Privat

Es klingt nach Hollywood: Nach einer rasanten Verfolgungsjagd stellen couragierte Dorfbewohner Anfang März mitten in der Nacht einen Mann, der seit knapp einem Jahr immer wieder illegal Müll rund um Siddinghausen entsorgt hat.

Das Kennzeichen des Autos, mit dem der Mann Müll rund ums Dorf entsorgte, war im Dorf längst bekannt – nur auf frischer Tat ließ er sich nie ertappen. Bis zum jenen Abend des 5. März: Kurz nach 21 Uhr war der Wagen plötzlich wieder da. Eine aufmerksame Bürgerin erkannte ihn als den illegalen Müll-Entsorger und handelte.

Sie informierte über die Dorf-interne Whats-App-Gruppe die anderen Siddinghausener und stieg in ihr Auto. Damit verfolgte sie den mutmaßlichen Müllsünder bis zu einem Feldweg. Um nicht entdeckt zu werden, schaltete sie die Scheinwerfer ihres Wagens aus und beobachtete, was passierte.

Und tatsächlich: Der Fahrer stieg aus und holte eine Plastikwanne und eine Kiste aus seinem Wagen. Den Inhalt kippte er auf das Feld. Silikonreste, Bauschutt und Altglas waren darunter. Die Siddinghausenerin hatte genug gesehen: Sie schaltete ihr Autolicht wieder an und fuhr in den Feldweg.

Der Müll-Sünder, auf frischer Tat ertappt, versuchte, mit seinem Fahrzeug zu fliehen. Doch mittlerweile hatte die Siddinghausenerin Unterstützung bekommen: Ein Landwirt blockierte den Fluchtweg des Müll-Sünders auf einem Feldweg kurz vor dem Modellflugplatz in Dreihausen. Die bereits von den Siddinghausenern informierte Polizei traf kurz danach ein. Nach Schilderungen der anwesenden Siddinghausener versuchte der Mann noch, zu Fuß zu entkommen, konnte jedoch gestellt werden.

Die Anzeige wegen illegaler Müllentsorgung inklusive Bußgeld hat der Mann mittlerweile erhalten – und Siddinghausen freut sich über eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft.

Die Liebeserklärung an Unna als international erfolgreicher Film

Was 2018 in Unna einfach gut war

Felix Maxim Eller und sein Produzent Jan Scharfenberg schreiten Ende Oktober über den roten Teppich am Kino in Unna. © UDO HENNES

Vielleicht sollte Felix Maxim Eller die Geschehnisse in Siddinghausen verfilmen – dann könnte das Dorf ganz groß rauskommen. Denn dass er ein Händchen für gute Filme hat, hat der junge Unnaer Regisseur 2018 eindrucksvoll bewiesen.

Premiere in Berlin, die Teilnahme an Filmfestivals in New York und Shanghai und eine umjubelte Filmvorstellung in seiner Heimatstadt: In seinem zweiten Film „All eyes on you“ feierte der 26-jährige Unnaer seine Heimat und bewies, dass es kein großes Budget braucht, um international für Furore in der Filmbranche zu sorgen.

Unna als Kunst-, Film- und Medienstandort einen Namen zu machen - das ist das erklärte Ziel von Felix Eller. 2018 hat er bereits viel dafür getan.

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