In der Rangliste der unbeliebtesten Tiere stehen Stadttauben weit oben. Tierschützer sehen die Vögel mit anderen Augen - und großem Elend ausgesetzt. Eine Problemlösung für Unna kommt bisher nicht zustande. © Marcel Drawe
Stadttauben

Warum Unna sein Taubenproblem nicht lösen kann

Um das Taubenproblem in Unna zu lösen, scheint eine aktive Betreuung der Tiere der einzig sinnvolle Weg. Ein Taubenhaus aber kommt bisher nicht zustande, weil Tierschützer und Behörde nicht zueinander finden.

Die Überbevölkerung der Innenstadt mit Tauben fällt in diesen Tagen weniger auf, da weniger Menschen in der Stadt unterwegs sind. Die problematischen Tiere aber sind da. Um die Vogelpopulation einzudämmen, müssten ehrenamtliche Tierschützer und die Stadtverwaltung zusammenarbeiten. Das funktioniert bisher aber nicht.

Leidenschaft contra Ordnungsrecht

Ursula Horn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Unna, ist als Kämpferin für das Tierwohl bekannt. Sie sagt über sich selbst, dass sie den Schutz von Vierbeinern und Vögeln über alles andere stellt, dass sie auch in inzwischen höherem Alter kaum Rücksicht auf sich selbst nimmt – zum Wohl der Tiere. Diese Leidenschaft prallt geradezu auf die Nüchternheit des Fachbereichs öffentliche Sicherheit und Ordnung im Rathaus. Das Ziel der Behörde ist nicht vorrangig der Tierschutz, und insbesondere das Corona-Jahr war für das Ordnungsamt ungewöhnlich fordernd. Die Bewältigung der Pandemie setzte automatisch andere Prioritäten als die Beschäftigung mit Tauben.

Diese grundlegenden Unterschiede mögen ein Grund dafür sein, warum sich Tierschutzverein und Ordnungsamt nicht einig werden, warum inzwischen die Fronten verhärtet scheinen.

Starres Fütterungsverbot

Es zeigt sich akut bei der Frage der Fütterung: Die vom Lockdown leere Innenstadt, so der Tierschutzverein, verursache unter den Tauben Elend, da sie deutlich weniger zu fressen fänden, das sonst beispielsweise vor Bäckereitüren oder an Imbissständen herunterfällt. Der Verein hatte deswegen eine Aufhebung des Fütterungsverbots gefordert. Die Stadt Unna hingegen lehnt dies rigoros ab. Unterschiedliche Sichtweisen: Tierschützerin Horn argumentiert mit Rückendeckung ihres Dachverbands, des Deutschen Tierschutzbunds, dass Futtermangel unter anderem dazu führt, dass die Tiere mehr Eier legen. Dies widerspricht der einfachen Formel, auf die die Stadt das Problem bisher bringen will: weniger Futter gleich weniger Tiere.

Warum gibt es kein Taubenhaus?

Nicht einig werden sich Ehrenamt und Behörde aber auch in einer strategischen Frage: beim Taubenmanagement. Das Kuriose hierbei ist: Die beiden Seiten widersprechen sich gar nicht. Sie scheinen bloß nicht die gleiche Sprache zu sprechen. Schon vor Jahren hatte der Tierschutzverein vorgeschlagen, dass in Unna ein Taubenhaus eingerichtet wird. Das Prinzip: Stadttauben werden gezielt zu eigens dafür aufgestellten Taubenschlägen gelockt. Dort finden sie artgerechtes Futter, Wasser und Nistplätze. Legen die Tiere Eier, werden sie durch Attrappen aus Gips ersetzt. So soll die Zahl der Tauben auf tierschutzgerechte Weise reduziert werden: Nach und nach gibt es einfach immer weniger Nachwuchs.

Dass dies sinnvoll sei, wird von der Stadt sogar bestätigt. Trotzdem passiert nichts.

Der Tierschutzverein erklärte unserer Redaktion, auf zahlreiche Eingaben gebe es aus dem Rathaus keine Rückmeldung. Die Pressestelle des Rathauses wiederum erklärte, die Verwaltung warte auf den Tierschutzverein.

Und nun? Ursula Horn bestätigt, sie wolle nicht aufgeben, die Stadt Unna signalisiert Gesprächsbereitschaft. Die Stadt werde dem Verein helfen bei der Suche nach einem Standort für besagtes Taubenhaus. Aus Tierschutzsicht müsste dieser innenstadtnah sein, aus Ordnungssicht müssten Konflikte beispielsweise mit Anwohnern vermieden werden.

Zu viele Tauben: Die verwilderten Tiere hinterlassen an manchen Stellen in der Innenstadt Schmutz. © Archiv © Archiv

Stadt verlangt Betreiberkonzept für Taubenhaus

Zuerst aber müsse der Tierschutzverein ein „schlüssiges Konzept“ vorlegen, wie das Taubenhaus von Ehrenamtlichen betreut wird. Das Versprechen, dass Ehrenamtler für diese Arbeit zur Verfügung stehen, das Horn mehrfach öffentlich geäußert hat, reicht hier offenbar nicht. Auch rechtliche Fragen müssten geklärt werden, heißt es ferner aus dem Rathaus. Was nötig erscheint, dazu könne die Verwaltung den Verein beraten, sie werde aber jetzt nicht aktiv auf den Verein zugehen, bestätigte die Rathaus-Pressestelle.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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