Wer bergab zum Bornekamp die Eselsbrücke hinabfährt oder -geht, übersieht diese nachträgliche Aufstockung nur allzu leicht. Die Stadt hat tatsächlich einmal darüber nachgedacht, auf diese Weise die Sicherheit vor allem von Radfahrern zu verbessern, die Idee dann aber doch verworfen. © Udo Hennes
Verkehrssicherheit

Warum diese „Eselei“ an der Eselsbrücke durchaus einmal ernst gemeint war

Pläne für eine Sanierung der Eselsbrücke über den Südring lenken den Blick auf eine vermeintliche „Eselei“: Kommt das höhere Geländer als Flickwerk? Diesen Eindruck hat Klaus Thorwarth gewonnen.

Dass aus dem zunächst namenlosen Bauwerk zwischen Bornekamp und Innenstadt die Eselsbrücke geworden ist, ist auch ein Verdienst von Klaus Thorwarth. Der Heimathistoriker und selbst erklärter Eselsforscher hat mit seinen Mitstreitern vom „Herbstblatt“ darauf gedrängt, die Fußgänger- und Fahrradbrücke mit ihrem heutigen Namen zu widmen. Umso überraschender mag es erscheinen, wenn Thorwarth an der Brücke noch etwas Neues entdecken kann.

Nun aber war es so: Auf vier Metern Länge erspähte er eine Aufstockung des Geländers. Auf die vorhandene Absicherung war noch ein zweiter Bügel aufgesetzt worden. „Denken Sie auch, dass hier ein erster Versuch zu sehen ist, das Geländer der Brücke zu erhöhen?“, fragte er die Redaktion mit Augenzwinkern und Blick auf die aktuelle Sanierungsplanung.

Flugs war diese Frage an die Stadt weitergeleitet worden, wo sie eine überraschende Antwort erhielt: Nein, der aufgesetzte Bügel soll nicht die Lösung für das Geländerproblem sein, stellt Stadtsprecher Christoph Ueberfeld nun klar. Allerdings habe man sehr wohl einmal in diese Richtung gedacht, die Idee dann aber verworfen. Dies liege inzwischen einige Jahre zurück, und aus jener Zeit stamme das noch immer sichtbare Musterstück.

Sonst „huscht“ man an der Geländeraufstockung achtlos vorbei

Dass Thorwarth das provisorisch erhöhte Geländer erst jetzt ausgemacht hat, mag mit menschlicher Wahrnehmungspsychologie zu tun habe: Vieles, was unsere Augen durchaus sehen, sortiert das Hirn erst einmal aus, solange es unbedeutend ist. So wie bei einer Autofahrt durch Unna nicht auf die UN-Kennzeichen achtet, bei einer Urlaubsfahrt fernab der Heimat aber jedes einzelne entdeckt.

Aktueller Sachstand – und das bringt die Geländerfrage vermutlich stärker ins Bewusstsein – ist, dass die Stadt das gesamte Geländer erneuern und dabei durch ein höheres Modell ersetzen lassen wird. Die Ausschreibung der Arbeiten ist bereits erfolgt und mit Blick auf eine Umsetzung im Frühling sichtet die Stadt derzeit die Angebote. Auf rund 170 Metern Länge je Seite soll die Eselsbrücke eine neue Absturzsicherung erhalten, die dann 1,30 Meter hoch ist, also 20 Zentimeter höher als zurzeit. Der Höhengewinn soll insbesondere Radfahrer schützen, die auf ihren Rädern einen höheren Schwerpunkt haben als zu Fuß.

Dass sich die Stadt für einen Neubau anstelle der Aufstockung entschieden hat, spricht keineswegs gegen die ursprüngliche Idee. „Allerdings war bei der Prüfung des Zustandes festgestellt worden, dass das derzeitige Geländer Korrosionsschäden hat“, so Ueberfeld. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoller erschienen, das 1982 eröffnete Brückenbauwerk grundlegender zu überarbeiten.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
Zur Autorenseite
Sebastian Smulka
Lesen Sie jetzt