Immerhin: Zwei Pizzakartons waren ordentlich auf dem Abfallkorb abgelegt, weil sie nicht mehr hinein passten. Zwei weitere lagen aber direkt daneben auf dem Boden. Offenkundig zieht es die Menschen wieder zur Begegnung ins Freie. © Sebastian Smulka
Ordnungsproblem

Warnung vor nächtlichen „Corona-Partys“ im Bornekamp

Wer sich diszipliniert an die Corona-Regeln hält, der mag sich angesichts der Infektionszahlen fragen, wo sich die Menschen eigentlich anstecken können. Eine mögliche Antwort: im Bornekamp.

Es ist ein wiederkehrendes und typisch saisonales Problem im Bornekamp: Sobald das Wetter einigermaßen „offen“ ist, treffen sich die Menschen dort nicht nur zum gepflegten Spaziergang am Tage, sondern auch zum Saufen in der Nacht.

Typische Hinterlassenschaften wie Schnapsflaschen, Lebensmittelverpackungen und bisweilen auch Reste von Grillkohle stellen schon am Morgen danach ein Ärgernis dar.

Aber im Jahr 2021 haben die kleinen Freiluftpartys auch eine andere Problematik: Wo sich Menschen treffen, können sie sich mit Krankheiten anstecken. Darum gibt es die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Schutzverordnung des Landes. Und gegen diese Beschränkung wird im Bornekamp augenscheinlich verstoßen.

„Hier herrscht Nachtleben“, schildert es ein Anwohner nun dem Ordnungsamt der Stadt Unna. Ab etwa 20, 21 Uhr gehe es los: Anreise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto bis zum ersten Teich, danach werde der Querweg hinter dem Wäldchen an der Martinskirche zum Partytreffpunkt. Und natürlich laufe dieses „Treiben“ nicht unter Einhaltung der Corona-Regeln ab.

Stadt kündigt verstärkte Kontrollen an

Die Stadt greift diesen Bürgerhinweis auf und zeigt sich alarmiert. Konsequenz: „Wir werden das zum Anlass nehmen, in diesem Bereich in der nächsten Zeit verstärkt zu kontrollieren“, kündigt Stadtsprecher Oliver Böer an.

Das Ordnungsamt kann Platzverweise aussprechen, Personalien aufnehmen und schlimmstenfalls sogar Bußgelder verhängen. Dabei macht es die Pandemie der Behörde sogar leichter, derlei Treffpunkte aufzulösen. Denn erst durch die Verordnung des Landes ist allein das Treffen mit zu vielen anderen Menschen schon ein verbotenes Handeln, das zu ahnden ist.

Das reine Ordnungsproblem tritt immer wieder auf

„Das Problem der nächtlichen Trinkgelage ist an sich kein Unbekanntes“, führt Böer weiter aus. „In letzter Zeit war es ruhiger geworden, aber das hängt natürlich auch mit dem Wetter zusammen.“

In Zeiten vor Corona tat sich die Stadt immer wieder schwer damit, die Lage im Bornekamp zu beruhigen. Denn: Dass sich Menschen begegnen, war seinerzeit unproblematisch, und auch der öffentliche Konsum von Alkohol und Lebensmitteln ist nicht untersagt. Ein Ordnungsvergehen lag erst dann vor, wenn Müll nicht in den Abfallkorb, sondern ins Grün geschmissen wurde. Doch genau in diesem Moment Augenzeuge zu werden, gelingt selbst den Kontrolleuren des Ordnungsamtes nur selten.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
Zur Autorenseite
Sebastian Smulka
Lesen Sie jetzt