Wahlkrimi: Schuon (SPD) gewinnt ersten Wahlgang in Unna - Stichwahl gegen Wigant (CDU)

dzKommunalwahl 2020

Unna erlebt einen absoluten Wahlkrimi. Im Kampf um das Bürgermeisteramt gewinnt Katja Schuon den ersten Wahlgang. Ihr Gegner wird CDU-Mann Dirk Wigant nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

Unna

, 13.09.2020, 19:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Spannender kann ein Wahlabend nicht sein. Jetzt steht es fest: Katja Schuon und Dirk Wigant treten gegeneinander in der Stichwahl an.

Schon im Vorfeld dieser Kommunalwahl waren sich eigentlich alle Beobachter einig gewesen, dass es eine Stichwahl geben würde. Mit acht Bürgermeisterkandidaten galt es als sicher, dass sich die Stimmen stark verteilen würden. Und es wurden schon seit Wochen drei Namen gehandelt: Schuon, Keuchel, Wigant.

SPD-Kandidatin war keine Favoritin

Nachdem Noch-Amtsinhaber Werner Kolter lange ein quasi unanfechtbarer SPD-Bürgermeister in der Kreisstadt war, galt die neue SPD-Kandidatin Katja Schuon aber keineswegs als Favoritin. Sie ist bisher wenig profiliert in der Stadtpolitik und sie trägt ihre Partei auch als Last, das steht nach dieser Wahl wohl fest. Die SPD hat bei der Ratswahl ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren, die Zerwürfnisse und internen Streitigkeiten der jüngeren Vergangenheit haben dem Ansehen der Sozialdemokraten geschadet.

Starke Grünen-Kandidatin

Will eine SPD-Kandidatin einen Amtsinhaber unter diesen Vorzeichen ablösen, dann wittert die politische Konkurrenz ihre Chance. Nicht umsonst haben sich sieben Gegenkandidaten aufstellen lassen. Traditionell ist der Bewerber der CDU eine ernst zu nehmende Größe. Doch dieses Mal war auch die Kandidatin der Grünen stark: Die grüne Bewegung insgesamt hat zuletzt an Zugkraft gewonnen. Und Claudia Keuchel wusste sich im Wahlkampf zu behaupten mit einem souveränen Auftreten.

Am Anfang lag Wigant vorn

Zwei von diesen dreien also würden in die Stichwahl kommen. Das stand im Grunde fest. Aber wer? So unsicher die Prognosen im Vorfeld waren, so spannend verlief dieser Wahlabend. Schon weniger als eine Stunde nach dem Schließen der Wahllokale gab es die ersten Zählergebnisse. Dirk Wigant lag vorn. Doch dann kam erst einmal alles anders. Mit mehr Ergebnissen veränderten sich die Verhältnisse. Während die fünf anderen Bewerber sich schnell im einstelligen Prozentbereich einpendelten, wurde der Wahlausgang an der Dreierspitze zum echten Krimi. Zwischen 25 und 28 Prozent lag mal der eine vorn, mal der andere.

Im Verlauf des Abends wurde dann klar: Katja Schuon gewinnt diesen ersten Wahlgang, allerdings nicht deutlich. Sie erreichte 27,1 Prozent. Aber wer ihre Gegnerin oder ihr Gegner in der Stichwahl wird, das stand erst ganz zum Schluss fest.

CDU-Kandidat Dirk Wigant und seine Parteifreunde hatten am Ende doch Grund zum Feiern: Er schaffte Platz 2 hinter Katja Schuon (SPD).

CDU-Kandidat Dirk Wigant und seine Parteifreunde hatten am Ende doch Grund zum Feiern: Er schaffte Platz 2 hinter Katja Schuon (SPD). © Udo Hennes

Wigant „hatte schon aufgegeben“

Und zwischenzeitlich sah es für den CDU-Mann Wigant nicht gut aus. Claudia Keuchel lag im weiteren Verlauf der Auszählung vorn. „Ich hatte schon aufgegeben“, gestand Wigant später im Gespräch mit unserer Redaktion.

Als Stimmbezirk 74 von 75 ausgezählt war und das Ergebnis auf der Leinwand bei der Grünen-Wahlparty im Hotel Katharinen-Hof angezeigt wurde, waren Schreie des Entsetzens zu hören. Knapp hatte Claudia Keuchel zuvor die Nase vorn gehabt. 71 Stimmen trennten sie von Dirk Wigant, der verloren hätte. Dann lag Wigant doch wieder vorn. Mit Ergebnis Nummer 74 brachte ein Vorsprung von nur elf Wählern den CDU-Mann vorläufig in die Stichwahl gegen die bereits feststehende Katja Schuon.

Briefwahl-Auszählungen in Billmerich und Lünern brachten letztlich das, was sich für Wigant und seine Parteifreunde wie ein Sieg anfühlen dürfte: Platz 2 und damit den Einzug in die Stichwahl. „Das schlägt jeden Tatort“, kommentierte Wigant spürbar gelöst.

Wigant-Vorsprung: 105 Stimmen

Die ausgeschiedene Claudia Keuchel zeigte sich „überwältigt in jeder Hinsicht“, wie sie erklärte. Sie freue sich über das beste Ergebnis einer Grünen-Kandidatin, sei aber natürlich auch traurig. „Ich bin gespannt auf das offizielle Endergebnis“, sagte Keuchel. Nach dem bisher vorliegenden, vorläufigen Ergebnis hat Dirk Wigant einen Vorsprung von nur 105 Stimmen. Womöglich lohnt sich aus Sicht der Grünen doch noch das Nachzählen. Doch Keuchel signalisierte bereits, dass sie eine faire Verliererin der Bürgermeisterwahl ist. „Ich wünsche jetzt beiden Bewerbern viel Glück.“

Ein Abend voller Spannung und Anspannung liegt hinter Claudia Keuchel: Die Kandidatin der Grünen hat ein gutes Ergebnis erreicht, scheitert aber knapp im Rennen um das Bürgermeisteramt.

Ein Abend voller Spannung und Anspannung liegt hinter Claudia Keuchel: Die Kandidatin der Grünen hat ein gutes Ergebnis erreicht, scheitert aber knapp im Rennen um das Bürgermeisteramt. © Gemünd

Claudia Keuchel hat knapp verloren, ihre Mannschaft im Stadtrat gewaltig gewonnen. Bei Katja Schuon ist es umgekehrt. „Meine Gefühlslage ist Fifty-Fifty“, sagte sie. Sie freue sich, den ersten Wahlgang gewonnen zu haben. „Aber ich bin enttäuscht über unser Abschneiden in den Wahlkreisen.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Corona-Pandemie
Drei Corona-Fälle an Gesamtschule und Gymnasium in Bergkamen – 13 neue Fälle im Kreis Unna
Hellweger Anzeiger Bürgermeisterwahl Unna
Schuon und Wigant zum Trinkerproblem: Was Unna dulden muss und was geplant wird