Lieber Leuchten gestalten als braune Literatur verbreiten

dzWagenfeldstraße

In der Diskussion über den Umgang mit belasteten Straßennamen sind Anlieger bislang nicht gefragt worden. Einer davon hat sich jedoch von selbst gemeldet – mit einem verblüffenden Vorschlag.

Unna

, 13.09.2019, 14:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende 2013 kaufte Familie Wacker ein Haus an der Wagenfeldstraße. Um ihm seinen künftigen Wohnsitz näher vorzustellen, schickte Vater Michael Wacker seinem Sohn digital einen Verweis zum Internet-Lexikon Wikipedia: Wacker meinte, eine Würdigung für den Bauhaus-Designer Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) zu erläutern. Dass Unnas Wagenfeldstraße dem nationalistischen Mundartdichter Karl Wagenfeld gewidmet ist, erfuhr er erst duch die Diskussion über die Widmung ab 2014.

Zusatzschild als „Unwürdigung“ von Karl Wagenfeld

Wacker sieht in der Nachnamensgleichheit eine Chance. Bereits 2015 wandte er sich mit einem Vorschlag an das Stadtarchiv, dessen damaliger Leiter Thomas Wardenga einen Arbeitskreis zum Umgang mit belasteten Straßennamen moderiert hat. Der Gedanke, die Wagenfeldstraße künftig Wilhelm statt Karl zu widmen, war damals zwar schon einmal angeregt worden, doch Michael Wacker hatte eine andere Idee. Er empfielt einen Zusatz am Straßenschild, auf dem stehen könnte: „Wir schämen und für Karl und freuen uns über Wilhelm!“ Dazu könnte dann ein QR-Code gesetzt werden, der Smartphone-Nutzern den Aufruf weiterer Informationen zu beiden ermöglichen würde.

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„Ich kenne Wilhelm Wagenfeld schon seit Jahrzehnten, mag das Bauhaus und diesen Designstil“, so Michael Wacker. „Und ich bin natürlich nicht darauf gekommen, dass es einen anderen geben könnte, der nicht so viel helles Licht in die Welt getragen hat.“ Es sei richtig, Namensgebungen, die Ausweis von Achtung und Anerkennung sind, zu überprüfen, wenn sich heraus stellt, dass Unrechtsdenken zur Namensgebung geführt hat.

Umbenennung macht Unrecht nicht wieder gut

Aber Wacker sagt auch: „Wogegen ich mich wehre, ist zu glauben, dass durch Umbenennung einer Straße Unrecht wieder gut gemacht wird. Aus meiner Sicht ist das eher ein versuchter Ablasshandel mit der Geschichte, den ein Gemeinwesen mit bürokratischem und einige Bürger mit nicht unerheblichem finanziellen Aufwand bezahlen müssen.“ Zudem fragt er mit Verweis auf sein Missverständnis: „Was soll eigentlich Wilhelm Wagenfeld davon halten? Vermutlich – so hoffe ich jedenfalls – stehen in Unnaer Haushalten mehr Leuchten von Wilhelm als ‚Literatur‘ von Karl.“

Die Namen von Wagenfeld-, Lersch- und Sedanstraße beizubehalten und sie mit Zusatzschildern zu versehen, ist auch Beschlusslage der Stadt. Die aktuellen Textentwürfe für die Zusatzschilder sind allerdings diskussionswürdig.

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