Polizei hebt illegale Waffenwerkstatt in Unna aus

dzSchlag gegen Rockerszene

Drogen- und Waffenhandel zählen für Rockerbanden zu den Einnahmequellen. Der Polizei ist ein Schlag gelungen, der das Geschäftsmodell an einer entscheidenden Stelle trifft – mit Erschütterungen bis nach Unna.

Unna

, 28.08.2019, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwölf Hausdurchsuchungen in sieben Städten und aktuell vier Tatverdächtige in Untersuchungshaft sind die derzeitige Bilanz einer Kampagne, mit der die Polizei in Hagen derzeit für Unruhe in der Rockerszene sorgt. Einer der Akteure soll sein „Geschäft“ von Unna aus betrieben haben: Dort hat er nach derzeitigem Ermittlungsstand eine illegale Waffenwerkstatt betrieben. Mit dem Verkauf von Waffen und Munition habe der der Mann seinen Lebensunterhalt bestritten.

Bei dem Tatverdächtigen Mann handelt es sich um einen 54-jährigen Briten mit Wohnsitz in Dortmund. Festgenommen wurde er bei einer Reise in der Eifel. Eine Spezialeinheit hatte den potenziell bewaffneten Mann überwältigt.

Die Walther P22 ist derzeit die Waffe der Rocker

Geschehen ist dies bereits im April. Die Hagener Polizei und die federführende Staatsanwaltschaft in Arnsberg hatten diesen Ermittlungserfolg aus zunächst taktischen Gründen unter Verschluss gehalten. Denn die Ermittler entwirren ein komplexes Netzwerk, in dem es um Waffen- und um Drogenhandel geht. Immer wieder gibt es darin auch Verbindungen zu Rockergruppen.

Ein wichtiges Verbindungsglied ist eine Schusswaffe eines bestimmten Typs: die Walther P22. Sie war Polizeidienststellen in mehreren Bundesländern seit 2017 auffällig häufig begegnet. In Hagen fand die Polizei eine solche Pistole beim Präsidenten und beim Vize-Präsidenten der Freeway Riders. Bei drei Mordversuchen in Hagen im Jahr 2018 waren Kugeln des Kalibers 22 zum Einsatz gekommen. Weitere Exemplare der P22 wurden in Dortmund, Bochum, Herne, Köln, Lüdenscheid, Meschede und Bielefeld sichergestellt, oftmals im Rockermillieu. Auffällig war, dass die Waffen weder Seriennummer noch Beschusszeichen hatten – aber nicht etwa, weil die weggeschliffen worden waren. Sie waren gar nicht erst angebracht worden.

Mitarbeiter hatte Waffenteile aus dem Werk geschmuggelt

Dies führte die Polizei zum Produzenten. Hergestellt wird die Walther P22 nur in einem Werk, der Umarex GmbH & Co. KG in Arnsberg. Dort führte die Geschäftsführung in Absprache mit der Polizei zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ein, die schließlich zu einem Durchbruch führten: Ein 47-jähriger Mitarbeiter wurde beim Versuch erwischt, einen Pistolenlauf aus dem Werk zu schleusen. Der Mann gestand, seit mehreren Jahren Waffenteile entwendet, daheim zu Pistolen montiert und die fertigen Waffen verkauft zu haben. Mindestens 150 Schusswaffen dürften so in den Umlauf gelangt sein.

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