Britischer Waffenhändler tarnte sein Geschäft in Unna als Motorradwerkstatt

dzBelastende Beweise

Der Waffenhändler, dessen Werkstatt die Polizei in Unna ausgehoben hat, verbarg sein illegales Geschäft hinter der Fassade eines Handwerksbetriebes. Und doch hat er den Ermittlern manches leicht gemacht.

Unna

, 29.08.2019, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 54-jährige Brite sitzt in Untersuchungshaft, seit ihn im April eine Spezialeinheit der Polizei in der Eifel überwältigt hat. Die Festnahme hatte die Polizei lange unter Verschluss gehalten, weil sie Teil einer umfassenden Aktion gegen ein weit verzweigtes Netz des Waffenhandels war. Aber untätig waren die Ermittler keineswegs: Die zuständige Staatsanwaltschaft in Arnsberg hat genug Material gegen den Mann in der Hand, um ihn vor Gericht zu bringen. Die Anklageschrift sei derzeit in Arbeit.

Zeugen warnen Polizei: Händler ist selbst bewaffnet

Die gut geplante Festnahme am Urlaubsort war Hinweisen geschuldet, dass der Waffenhändler auch selbst stets bewaffnet unterwegs sei. Bestätigt hatten sich die Befürchtungen dann nicht. Dennoch reichte die bisherige Sachlage aus, dass der Mann direkt in U-Haft gebracht werden konnte. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung in der Werkstatt des Mannes konnten sich die Ermittler dann ungefährdet umschauen – und dementsprechend gründlich.

Die Werkstatt, die der Dortmunder in Unna angemietet hatte, war als Motorradwerkstatt getarnt. Und tatsächlich pflegte der 54-jährige diese Fassade aktiv: Wer seine Maschine dort für Wartung oder Reparatur anmeldete, der wurde auch entsprechend bedient. Aber das Hauptgeschäft betrieb der Waffenhändler wohl in einem Hinterzimmer.

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Dort fanden die Ermittler scharfe Schusswaffen und Munition, aber auch Schreckschusspistolen und Dekowaffen, die der vermeintliche Motorradfachmann zu scharfen Waffen umbauen wollte. Werkzeug und Werkstücke lassen auf vorhandene Sachkenntnis schließen. Erworben hat sie sich der frühere Soldat offenbar in seiner Zeit bei den britischen Streitkräften.

Ungewöhnlich für einen Kriminellen führte der Mann umfangreiche Aufzeichnungen über seine Verkäufe. Diese „Buchführung“ und die Kommunikation auf seinem Computer geben der Staatsanwaltschaft Erkenntnisse über den Kundenstamm des Waffenhändlers.

Auch „legale“ Waffenfreunde kauften in der Werkstatt

Die Abnehmer stammten offenbar nur zu einem gewissen Teil aus dem Rockermillieu, in dem die Spuren über Arnsberg nach Unna ihren Anfang genommen hatten. Selbst Sportschützen, die auf legalem Wege eine Waffe kaufen dürften, ließen sich aus der Hinterzimmerwerkstatt des 54-Jährigen versorgen. Die Walther-Pistolen P22, die der Brite über einen Mittler in Menden von einem Werksangehörigen in Arnsberg bezog, waren nur ein Teil des Sortiments.

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