Dirk Wigant hat die Stichwahl gewonnen und wird neuer Bürgermeister in Unna. Hinter dem knappen Ergebnis stecken spannende Verschiebungen in der Wählerschaft. Eine Analyse.

Unna

, 28.09.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit 221 Stimmen Vorsprung setzte sich Dirk Wigant (CDU) am Sonntagabend in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Unna durch. Das knappe Wahlergebnis barg nicht nur viel Spannung, es zeigt auch, wie unentschlossen viele Wähler offenbar nach dem ersten Wahlgang waren.

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Wahlempfehlungen, taktische Gespräche und neue Bündnisse - wie sehr das bei jeder einzelnen Wahlentscheidung am Sonntag eine Rolle gespielt hat, ist die Sache jedes einzelnen Wählers. Doch aus den reinen Zahlen lassen sich spannende Entwicklungen ablesen, zum Beispiel, dass die geringe Wahlbeteiligung wohl einer der Gründe für Katja Schuons Niederlage gewesen sein dürfte.

Wigant punktete in den Bezirken mit hoher Wahlbeteiligung

Nur 36,33 Prozent der Wahlberechtigten gaben am Sonntag ihre Stimme ab; das entspricht 18.030 Wählern. Im ersten Wahlgang lag die Wahlbeteiligung noch bei 51, 45 Prozent. Katja Schuon gewann von den insgesamt 23 Wahlbezirken bei der Stichwahl zwar 14 Bezirke, doch verlor sie letzten Endes trotzdem gegen Dirk Wigant, der neun Wahlbezirke gewann. Ein Blick in die Wahlergebnisse zeigt: Wigant punktete vor allem in den Wahlbezirken, in denen die Wahlbeteiligung deutlich über dem Gesamtschnitt in Unna lag.

In den drei Wahlbezirken mit der höchsten Wahlbeteiligung - „12 Mitte“ mit 45,75 Prozent, „05 Billmerich/Mitte“ mit 45,63 Prozent und „22 Lünern“ mit 45,02 Prozent - hieß der Sieger der Stichwahl Dirk Wigant. Mit Billmerich/Mitte holt Wigant zudem einen der fünf Wahlbezirke, die die meisten Wahlberechtigten haben. Insgesamt gewinnt der CDU-Mann drei der fünf Bezirke, in denen das Wählerpotenzial mit jeweils deutlich über 2000 Wahlberechtigten am größten ist; Schuon überzeugt in zwei dieser Bezirke.

Auffallend auch: Vor allem in Massen sank die Wahlbeteiligung im Vergleich zum ersten Wahlgang deutlich - und damit in Bezirken, in denen Katja Schuon schon im ersten Wahlgang vor Dirk Wigant lag. Im Gegenzug blieb die ohnehin schon hohe Wahlbeteiligung in Unnas Ostdörfern und im Süden auch bei der Stichwahl vergleichsweise hoch. Hier lag Dirk Wigant im ersten Wahlgang bereits vorne; ein Erfolg, den er auch bei der Stichwahl - bis auf Hemmerde - wiederholen konnte.

Hemmerde das beste Beispiel für knappe Entscheidungen

Alle Ergebnisse zwischen den beiden Bewerbern sind knapp, doch auch hier zeigt sich: Dirk Wigant profitiert von diesen knappen Entscheidungen. Im Wahlbezirk „23 Hemmerde“ verliert Wigant nur hauchdünn gegen Katja Schuon: Die SPD-Kandidatin gewinnt hier mit gerade mal zwei Stimmen Vorsprung - und das in dem Wahlbezirk mit den meisten Wahlberechtigten (2523). Ausgerechnet aus Hemmerde fehlte am Wahlabend noch das letzte Ergebnis, um die Wahl Wigants offiziell zu machen. Letztlich ging Hemmerde zwar an Katja Schuon, doch die Knappheit der Wahl brachte Wigant genug Stimmen, um seinen Vorsprung zu festigen.

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Mit 178 Stimmen ist der Abstand zwischen den beiden Kandidaten im Wahlbezirk „05 Billmerich/Mitte“ am deutlichsten. Und auch hier lohnt der Blick auf die Wahlbeteiligung und die Zahl der Wahlberechtigten: 2253 Menschen waren in Billmerich wahlberechtigt - damit zählt der Bezirk zu den fünf wählerstärksten Bezirken in ganz Unna. Mit 45,63 Prozent hatte Billmerich zudem die zweithöchste Wahlbeteiligung ganz Unnas. Dass Dirk Wigant diesen Wahlbezirk gewonnen hat, dürfte einer der entscheidenden Faktoren für seinen Sieg gewesen sein.


Wahlempfehlung hat wenig Auswirkungen

Die Wahlempfehlung Claudia Keuchels, in der Stichwahl Dirk Wigant zu unterstützen, scheint dagegen nicht wesentlich ins Gewicht gefallen zu sein. Die Bürgermeisterkandidatin der Grünen hatte im ersten Wahlgang sieben Wahlbezirke gewonnen. Vier davon gewann nun Katja Schuon, drei Dirk Wigant. Allerdings: Wigant gewann mit den Wahlbezirken „09 Mitte“ und „07 Mitte“ zwei Wahlbezirke, in denen er im ersten Wahlgang nur Dritter hinter Claudia Keuchel und Katja Schuon war. Einen wirklich deutlichen Vorsprung jedoch schaffte keiner der beiden Kandidaten in den Bezirken, die vorher an die Grünen-Kandidatin gegangen waren: Nirgendwo entschied ein Kandidat die einstigen Keuchel-Bezirke mit einem dreistelligen Stimmenvorsprung für sich.

Im Kern bleibt die Erkenntnis, dass noch nicht einmal die Hälfte der Unnaer Wahlberechtigten sich an dieser Stichwahl beteiligt hat. Diejenigen, die es getan haben, lagen in keinem Wahlbezirk weit auseinander. Auch wenn die Karte der Wahlbezirke einen deutlich SPD-rot gefärbten Osten plus Hemmerde und einen CDU-schwarz gefärbten Westen Unnas zeigt: Die Kandidaten liegen nie so weit auseinander, als dass von einer Dominanz eines Kandidaten in einem Ortsteil gesprochen werden kann. Gerade das Beispiel Hemmerde zeigt: Nur zwei Stimmen machten den entscheidenden Unterschied aus, dass Katja Schuon diesen Wahlbezirk gewann. Geholfen hat es ihr nichts, denn die Stimmenanteile, die Dirk Wigant trotz ihres Erfolges geholt hat, reichten für den Gesamtsieg.

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