Die Platanenallee in Unna-Königsborn zählt zu den jüngsten ausgewiesenen Fahrradstraßen in der Region. Radfahrer genießen dort Vorrang, der Kraftverkehr muss sich unterordnen. © Sebastian Smulka
Verkehr

Vorrang ja, Alleinrecht selten: Das gilt auf der Fahrradstraße

Fahrradstraßen sind im Prinzip nichts Neues. Doch ihre Verbreitung nimmt erst jetzt zu. Gerade „erfahrenen“ Verkehrsteilnehmern sind die Regeln dort nicht durchweg geläufig.

Fahrradstraßen hat es in Deutschland schon in den 1990er-Jahren gegeben. Unna zählte mit einer entsprechenden Ausweisung für Teile der Königsborner Straße zu den Pionieren. Doch erst die Diskussion um eine „Verkehrswende“ hat die Verbreitung der Fahrradstraße in den zurückliegenden Jahren wachsen lassen.

Wer schon mit längerer „Erfahrung“ am Steuer seines Autos oder auch auf dem Sattel seines Fahrrades unterwegs ist, für den mag die Fahrradstraße durchaus Neuland darstellen. Das ist durchaus ein Problem, denn wo Regeln unklar sind, kommt immer ein Risiko auf.

Von „echten“ und „geöffneten“ Fahrradstraßen

In ihrer Serie „Radfahren – Aber sicher!“ klären der Kreis Unna und die Kreispolizeibehörde daher darüber auf, welche Regeln eigentlich auf der Fahrradstraße gelten. Ein Anschauungsbeispiel dafür finden viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung gleich neben ihrem Dienstsitz: Die Platanenallee in Unna-Königsborn ist eine der jüngsten Fahrradstraßen in der Region. Und sie ist zugleich ein Modell für Fortgeschrittene, was das Verständnis der Regeln angeht.

In einer „echten“ Fahrradstraße stehen die Dinge einfacher. Dort dürfen wirklich nur Radfahrer fahren. Am Schild der Fahrradstraße Platanenallee gibt es allerdings einen Zusatz: Für Autos und Krafträder ist sie freigegeben. Aber was hat sich dann verändert?

Es gibt eine Hierarchie der Verkehrsmittel, und ganz oben steht eben das Fahrrad. „Wo andernorts Autofahrer, Busse und dicke Brummis die Straße dominieren, haben in der Fahrradstraße Radler die Nase vorn“, heißt es dazu von der Kreisverwaltung. „In echten Fahrradstraßen sind Kraftfahrzeuge tabu. Wenn es ein Zusatzzeichen gibt, dass auch andere Verkehrsteilnehmer dort zugelassen sind, dann müssen sich die mit Motor dem Radverkehr unterordnen.“

Nebeneinander zu fahren ist erlaubt

Dabei genießen die Radfahrer außer dem höheren Stellenwert auch konkrete Sonderrechte. „Man kann zum Beispiel nebeneinander fahren“, erläutert Günter Sparbrod, Leiter der Straßenverkehrsbehörde des Kreises Unna. Dabei können sie im Prinzip die gesamte Wegesbreite nutzen.

Aber: Das Rechtsfahrgebot gilt auch in der Fahrradstraße. „Durch mittiges Fahren andere auszubremsen oder andere rechts zu überholen, das ist auch in der Fahrradstraße nicht drin“, unterstreicht Günter Sparbrod.

Höchstgeschwindigkeit 30 km/h

Die „Unterordnung“ des motorisierten Verkehrs kann dann darin bestehen, auch bei gemütlichem Tempo hinter Radfahrern bleiben zu müssen. Ein Überholen ist nicht gänzlich verboten, in der Praxis aber schwierig. Denn die Höchstgeschwindigkeit auf einer Fahrradstraße beträgt 30 Stundenkilometer.

Gefährden oder stören darf ein Autofahrer den Radler ohnehin nicht, das verbietet bereits Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. Und auch zu drängeln oder zu hupen, verbieten die beiden Obersätze des Verkehrsrechtes im Grunde schon außerhalb besonderer Zonen: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird“, heißt es in der StVO.

Wer nun meint, dass das bummelige Radlerpärchen vor ihm genau gegen das Behinderungsverbot aus Satz 2 verstößt, muss sich in einer Fahrradstraße sehr still darüber ärgern: Die beiden dürfen so fahren, so lange sie sich nicht absichtlich und ohne Not so breit machen.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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