Eine Generalsanierung der Eishalle ist zwingend erforderlich, wenn die Halle weiter genutzt werden soll – diese Erkenntnis aus der neuen Machbarkeitsstudie hat auch zeitliche Auswirkungen.

Unna

, 14.11.2018, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was muss an der Eissporthalle getan werden, damit sie die nächsten 25 bis 30 Jahre sicher betrieben werden kann? Diese Frage stand im Kern der Machbarkeitsstudie, die WBU und Stadtverwaltung am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellten. Die Antwort fiel ziemlich eindeutig aus: Ohne eine Generalsanierung kann die Halle nicht wieder in Betrieb genommen werden. Die Kosten: rund 8,35 Millionen Euro.

Für den Verein „Unna braucht Eis“ beginnt nun die Phase des Prüfens und Gegenrechnens. „Diese hohen Sanierungskosten will ich nicht kommentieren. Wir werden jetzt einige Dinge prüfen und uns darüber mit der WBU unterhalten“, sagt Wilhelm Ruck, Vorsitzender des Vereins im Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwoch.

Die nun genannte Summe habe keine Auswirkungen auf das Betreiberkonzept, an dessen Erstellung der Verein derzeit arbeitet und das er Ende November präsentieren will. Allerdings habe man sich doch über einige Erkenntnisse, zu denen die Gutachter gekommen sind, gewundert, sagt Ruck.

Verwundert über Ausmaß der Schäden am Dach

„Dass das Dach so stark beschädigt sein soll, wundert uns sehr.“ Die mit der Überprüfung der Dachkonstruktion beauftragten Bauingenieure hatten in den Dachbalken mehrere Risse, darunter „auffallend viele frische“, wie es im Gutachten heißt, festgestellt. Die Standsicherheit der Dachkonstruktion sei beeinträchtigt und eine Gefährdung daher nicht auszuschließen. 823.000 Euro müssten daher für die Sanierung der Dachkonstruktion in die Hand genommen werde, so die Machbarkeitsstudie.

Vor 2021 bekommt Unna absehbar kein neues Eis

Die Dachbalken weisen teilweise große Risse auf und stellen eine Gefährdung dar. Die Bauingenieure empfehlen eine neue Konstruktion. © UDO HENNES

„Unna braucht Eis“ geht davon aus, dass die Kosten für die Komplettsanierung der gesamten Eissporthalle deutlich geringer gehalten werden können. „Ich gehe davon aus, dass wir nicht alle Schönheitsreparaturen durchführen müssen, die in der Studie genannt wurden“, sagt Wilhelm Ruck.

Zweifel auch an Kosten für Barrierefreiheit

Konkret spricht Ruck auch die im Gutachten erwähnten Maßnahmen zur Barrierefreiheit an. 151.000 Euro seien demnach notwendig, um die Halle auch für „Sledgehockey“-Spieler nutzbar zu machen. Bei dieser Form des Eishockeys handelt es sich um eine Variante für körperbehinderte Sportler.

Vor 2021 bekommt Unna absehbar kein neues Eis

„Sledgehockey“-Spiele, bei denen körperbehinderte Spieler in einer Art Schlitten sitzend Eishockey spielen, gab es in der Eissporthalle Unna bereits. „Unna braucht Eis“ möchte dies wieder aufleben lassen. © Archiv

„Es ist ja nicht so, dass die Halle bisher nicht von behinderten Menschen genutzt wurde. Und Rollstuhlfahrer kamen bis jetzt auch ohne Probleme immer in die Halle und die Kabinen. Da halte ich die angesetzten Kosten für Maßnahmen zur Barrierefreiheit für zu hoch“, meint Ruck.

Baurechtliche Genehmigung müsste neu erteilt werden

Tatsächlich schwierig könnte für den Verein die zeitliche Schiene werden, die sich mit den nun vorliegenden Untersuchungen ergibt. Denn eine Generalsanierung hätte Auswirkungen auf den Bestandsschutz der 41 Jahre alten Halle, wie Architektin Barbara Weicken am Dienstag erklärte.

Kalkulation der Besucherzahlen

1000 statt 4000 Zuschauer eingeplant

  • Die nun vorliegenden Pläne für die Sanierung der Eissporthalle gehen für die Tribüne von einer Besucherzahl von 1000 Menschen aus. Das sind die Zahlen, mit denen „Unna braucht Eis“ rechnet.
  • Bisher ist die Tribüne auf eine Besucherzahl von 4000 Menschen ausgelegt – ein Andrang, den die Eissporthalle nach Aussagen des ehemaligen WBU-Prokuristen Georg Nicolaicuc seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt habe.
  • Die niedrigere Besucherzahl hat unter anderem Auswirkungen auf die Planung von Fluchtwegen.

„Im Sanierungsfall wird eine neue baurechtliche Genehmigung erforderlich sein“, sagte sie. Denn alleine für eine neue Eisaufbereitungsanlage, eine neue Lüftungstechnik und Elektroninstallationen müssten Genehmigungen eingeholt werden. Gleiches gelte für Veränderungen, die in die Statik oder den Brandschutz eingriffen – was bei einer neuen Dachkonstruktion der Fall wäre.

„Wir wollen die Halle natürlich so schnell wie möglich wieder öffnen“, sagt Wilhelm Ruck, „aber die nächste Saison wird für die Vereine wohl noch in Bergkamen stattfinden.“

Wie optimistisch dies gedacht ist, zeigt die Schätzung von Bürgermeister Werner Kolter als Antwort auf die Frage, wann die Halle im Falle einer Sanierung wieder öffnen könnte. „Ich denke, dass wir da im Jahr 2020, noch eher aber 2021 sind. Allein die politische Entscheidung, wenn sie durch einen Bürgerentscheid getroffen wird, wird ja nicht vor dem Frühjahr 2019 fallen“, so Kolter am Dienstag.

Jetzt lesen

  • Mit der Machbarkeitsstudie liegen nun die Zahlen auf dem Tisch, die „Unna braucht Eis“ für seine Unterschriftenliste zum Bürgerbegehren braucht.
  • Sobald die Zahlen durch den Verein geprüft und in Absprache mit der WBU und den Gutachtern möglicherweise angepasst wurden, erhält der Verein formell die Kostenaufstellung.
  • Damit beginnt die dreimonatige Frist, binnen derer „Unna braucht Eis“ genügend Unterschriften sammeln muss, um einen Bürgerentscheid über den Erhalt der Eissporthalle zu erwirken.
  • Dieser Bürgerentscheid könnte dann den Ratsbeschluss aus dem Juni 2018, die Halle abzureißen, kippen.
  • Dieser Ratsbeschluss war bis zum Ende des Jahres ausgesetzt worden, um dem Verein „Unna braucht Eis“ Zeit zu geben, alternative Konzepte für den Weiterbetrieb der Halle zu entwickeln.
  • Kurz danach meldete der Verein jedoch sein Bürgerbegehren an – mit dem Ziel, diesen Ratsbeschluss zu kippen.
  • Damit kann der Rat in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr am 13. Dezember seinen im Juni getroffenen Abriss-Beschluss nicht in Kraft setzen.
  • Die einzige Entscheidung, die der Rat theoretisch in der Dezembersitzung treffen könnte, wäre die, die Eissporthalle zu erhalten. Dann wäre wiederum das Bürgerbegehren hinfällig.
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