Von Krieg traumatisierte Jugendliche werden zur Herausforderung für die Jugendhilfe

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Krieg, Terror, Hunger: Kaum jemand in Deutschland kann sich heute mehr vorstellen, was das bedeutet. Für die Jugendhilfe wird das zu einer Herausforderung, wenn sie Kinder aus Syrien, Afghanistan oder Westafrika betreut.

Unna

, 29.10.2019, 13:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak oder Westafrika und haben am eigenen Leibe miterlebt, was Krieg und Hunger bedeuten. Die Kinder und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahren nach Unna gekommen sind, weil sie aus ihren Heimatländern flüchteten, bringen leidvolle Erfahrungen mit sich. Sie richtig aufzuarbeiten, stellt die Jugendhilfe vor eine große Herausforderung.

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„Man spürt richtig, dass Krieg und Hunger keine Rolle in den Therapieansätzen spielen, weil es das in Deutschland nicht mehr gibt“, berichtet eine Erzieherin eines Jugendhilfeträgers aus Unna. Sie betreut aktuell zwei junge Erwachsene, die als Flüchtlinge nach Unna kamen. 2015 und 2016 waren es deutlich mehr. „Da wurde sehr schnell klar, dass nicht nur die Sprache ein großes Problem ist, sondern dass sich auch kaum jemand mit dem auskennt, was diese Kinder und Jugendlichen erlebt haben.“

138 Gespräche mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern

Durch die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Massen hat das Jugendamt der Stadt Unna auch viele Jugendliche in seiner Verantwortung, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Im Jahr 2017 führten Mitarbeiter des Jugendamtes insgesamt 400 ausführliche Interviews mit sogenannten „Hilfesuchenden Minderjährigen“ in der EAE.

2018 gab es noch 138 dieser Erstgespräche, in deren Rahmen geklärt wird, welche Unterstützung der Minderjährige jeweils bekommt. Auch wird in diesen Gesprächen das Alter des jeweiligen Jugendlichen geschätzt. Je nachdem, zu welchem Ergebnis die Mitarbeiter des Jugendamtes kommen, kann der Minderjährige beispielsweise zunächst vorläufig in die Obhut des Jugendamts genommen werden oder aber auch mit Verwandten zusammengeführt werden, sofern deren Aufenthaltsort bekannt ist.

Mittlerweile kommen die meisten jungen Flüchtlinge aus Westafrika

Seit 2015 haben sich auch die Herkunftsländer der unbegleiteten minderjährigen Ausländer geändert, die nach Unna gekommen sind. 2015 stammten noch 84 Prozent der jungen Minderjährigen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Die weiteren Hilfesuchenden kamen aus insgesamt 16 verschiedenen Herkunftsländern. 2018 differenzierte sich die Zahl der Herkunftsländer bereits auf; aus mittlerweile 32 Herkunftsländern kamen 2018 junge Flüchtlinge nach Unna. Die Hauptgruppe der geflüchteten Minderjährigen stammt mittlerweile aus Guinea, Eritrea und dem Irak und machen rund 46 Prozent der Herkunftsländer aus.

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