Von Konsum bis Kino: Massen bekommt seine erste eigene Orts-Chronik

dzOrtsgeschichte

Peter Kracht und Hartmut Ganzke sind auf der Zielgeraden: Ende August soll ihr „Massener Lesebuch“ erscheinen - und Unnas westlichster Ortsteils damit endlich seine eigene Chronik erhalten.

Massen

, 11.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Winnetou ist hinter dem Jägerhof gestorben. Hier, an der Ecke Massener Hellweg/Bismarckstraße stand bis Ende der 1970er-Jahre das einzige Kino Massens. „Da hab ich Winnetou sterben sehen“, kann sich Hartmut Ganzke noch gut an die Vorstellungen in der Scheune hinter dem einstigen Jägerhof erinnern. Es sind Erinnerungen wie diese, die Ganzke und Massens Ortsvorsteher Peter Kracht wecken wollen, wenn sie Ende August ihr „Lesebuch“ für Massen herausbringen.

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140 Seiten soll das Werk umfassen und eine Chronik Massens sein, die alle Massener (und gerne darüber hinaus) anspricht: Neben dem Kino finden auch der Konsum, der von vielen Massenern noch heute als die „einzig wahre Grenze“ zwischen Ober- und Niedermassen bezeichnet wird, die Buderussiedlung, das alte Jugendzentrum an der Kleistraße und vor allem viele Lebensgeschichten bekannter „Massener Gesichter“ ihren Platz in dem Werk.

Auch die Geschichte der Zeche Massen spielt in dem Buch natürlich eine Rolle.

Auch die Geschichte der Zeche Massen spielt in dem Buch natürlich eine Rolle. © privat

Keine wissenschaftliche Abhandlung

„Es soll ein Lese- und Bilderbuch sein“, sagt Hartmut Ganzke, „keine wissenschaftliche Abhandlung über die Geschichte Massens, sondern ein Buch, in dem jeder gerne blättert und liest.“ Und so sind es auch viele Massener, die an dem Buch beteiligt sind: Unterschiedliche Autoren schreiben Beiträge zur Zechengeschichte, zu den Höfen oder den Vereinen des Ortsteils; Bilder sammeln Peter Kracht und Hartmut Ganzke von überall ein. „Wir suchen händeringend noch Fotos, die den Massener Hellweg in den 1970er- und 1980er-Jahren zeigen“, ruft Kracht dazu auf, dass ihnen gerne noch Fotos für das Buch gegeben werden können.

Historische Fotos von Massen, wie hier die Straßenbahnlinie, sollen eine große Rolle in dme Buch spielen.

Historische Fotos von Massen, wie hier die Straßenbahnlinie, sollen eine große Rolle in dem Buch spielen. © privat

Eine Sammlung alter Ansichtskarten aus Massen gehört ebenso zu Objekten, die Kracht und Ganzke im Zuge ihrer Recherchen bekamen wie eine Lohntüte von der Zeche Massen aus dem Jahr 1922. Doch es sind nicht nur Objekte und Gebäude, anhand derer die beiden die Geschichte ihres Ortsteils erzählen wollen. „Wir haben uns auch Massener Gesichter gesucht, Menschen, die einfach jeder in Massen kennt oder kannte und zu denen es heute noch Bezugspunkte gibt“, erklärt Hartmut Ganzke. Der Geschäftsmann Friedhelm Deifuß taucht ebenso in dem Lesebuch auf wie das Ehepaar Marianne und Willi Wessel des gleichnamigen Fleisch- und Wurstspezialiäten-Geschäftes.

Das stets rege Vereinsleben Massens bekommt ebenfalls einen Platz in dem Lesebuch.

Das stets rege Vereinsleben Massens bekommt ebenfalls einen Platz in dem Lesebuch. © privat

Anekdoten von umgefallenen Polizisten und verschwundenen Teddybären

Namentlich dagegen nicht genannt wird der „recht beleibte“ Dorfpolizist, der in den 1950er-Jahren auf ein Pferd gehoben wurde, nur, um gleich darauf wieder herunterzufallen. „Diese Anekdote hat man sich über Jahre noch in Massen erzählt“, hat Peter Kracht bei seinen Recherchen erfahren. Auch die Geschichte eines Teddys, der auf der Bahnfahrt von Wickede nach Massen im Zug verloren ging, dank des aufmerksamen Bahnschaffners aber schnell wieder mit seinem jungen Besitzer vereint werden konnte, findet Eingang in das Buch.

Massen und die Bahn: Auch der „Haltepunkt Massen“ wird in dem Lesebuch verewigt - inklusive der Geschichte eines in der Bahn verlorenen gegangenen Teddybärs.

Massen und die Bahn: Auch der „Haltepunkt Massen“ wird in dem Lesebuch verewigt - inklusive der Geschichte eines in der Bahn verlorenen gegangenen Teddybärs. © privat

Von der Idee bis zum fertigen Werk wird, wenn alles klappt, ein gutes halbes Jahr vergangen sein: „Wir haben um Weihnachten rum zusammen gesessen und darüber gesprochen, dass es eine Chronik von Unna gibt, aber auch von Afferde und von Kessebüren - nur Massen hat keine. Das wollten wir ändern“, erzählt Kracht. Und Hartmut Ganzke machte daraus Nägel mit Köpfen: „Historikern muss man ja klare Fristen setzen, die verlieren sich sonst in Zeit und Raum“, schmunzelt er in Anspielung auf Krachts Beruf, „also habe ich gesagt: Ein halbes Jahr, dann haben wir das stehen.“

Ende August läuft die Frist ab - und dann hat Massens endlich sein eigenes Lesebuch, geschrieben und bebildert von den Massenern höchstselbst.

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