Steffi Schmitz füttert ein junges Eichhörnchen. Die Unnaerin und ihr Mann betreiben eine Auffangstation für Tiere, die in Not sind. © Udo Hennes
Neuer Verein

Vom Kuscheltier zurück zum Wildtier: So retten zwei Unnaer Eichhörnchen

Die Hilfe für Eichhörnchen in Not nimmt in Unna Formen an. Steffi und Werner Schmitz haben einen Verein gegründet. Was sie für die Wildtiere tun und warum, erklären die beiden im Video.

Seit rund drei Jahren kümmern sich die beiden Unnaer Steffi und Werner Schmitz ebenso ehrenamtlich wie leidenschaftlich um in Not geratene Eichhörnchen. Inzwischen haben sie einen Verein gegründet, um ihren Tierschutz auf breitere Füße zu stellen. Sie sind sicher: Diese Wildtiere brauchen die Hilfe des Menschen – und bleiben dennoch wild.

Dutzende Eichhörnchen gerettet

Seit 2018 haben Schmitz‘ rund drei Dutzend Eichhörnchen bei sich aufgenommen und aufgepäppelt. Die Gründe, warum die Tiere bei ihren Rettern landen, sind unterschiedlich. Manche fallen aus dem Kobel, dem Eichhörnchen-Nest. Andere verlieren ihre Mutter, werden angefahren oder anderweitig verletzt. „Einige sind ihren Findern an die Hosenbeine gesprungen“, sagt Werner Schmitz „Eichhörnchen, die Hilfe brauchen, verlieren ihre Scheu vor dem Menschen.“

Appell an Menschen: Aufmerksam sein!

Nicht einfach weggehen: Hinsehen und Interesse zeigen für ein solches Tier – dafür möchte das Paar mit seinem Verein Aktion Eichhörnchen e.V. werben. Befindet sich ein Jungtier in einer Notlage, dann können Steffi und Werner Schmitz helfen, damit es überlebt. „Die Leute sollen wissen, es gibt diese Anlaufstelle“, sagt Steffi Schmitz.

Kontakt

So erreichen Sie die Eichhörnchen-Retter

  • Auf der Internetseite aktion-eichhörnchen.de gibt es Kontakte zu Rettungsstationen wie der in Unna.
  • Notrufnummern: 01 78/9 14 88 14 (für den Raum Unna/Hamm/Werl), 0171/941 89 59 (Dortmund)
  • Die Website enthält auch Hintergrundinformationen und Eichhörnchen-Tipps sowie einen Blog, in dem Steffi und Werner Schmitz Fotos posten und über ihre Arbeit mit den Eichhörnchen berichten.
  • E-Mail: [email protected]örnchen.de
  • Antreffen kann man die Unnaer Eichhörnchenretter in diesem Jahr auch: Sie halten am 21. August ab 14.30 Uhr im Wildwald Vosswinkel einen Vortrag: „Mythos Eichhörnchen – gibt es sie wirklich?“

Aktuell leben vier Jungtiere bei den beiden Unnaern im Wohnzimmer. Die Tierretter wollen auf Käfighaltung verzichten, den Raum vielmehr „hörnchengerecht“ gestalten. Die Tiere finden künstliche Höhlen zum Verstecken, Bäume und Gerüste zum Klettern. „Sie müssen sich bewegen lernen“, sagt Werner Schmitz. Die niedlichen Jungen werden gegenüber „ihren“ Menschen schnell sehr zutraulich. Es gibt viele Gelegenheiten zum Kuscheln und Knuddeln, nicht selten krabbeln die flinken Säugetiere an einem ihrer Betreuer rauf und runter. Das Ziel aber besteht immer darin, dass die Eichhörnchen dieses künstliche Heim wieder verlassen. „Sie bleiben Wildtiere“, betont Werner Schmitz.

Ziel: Auswilderung im Wildwald

Die Aktion Eichhörnchen in Unna arbeitet mit dem Wildwald Vosswinkel zusammen. Dort werden Eichhörnchen ausgewildert, wenn sie bereit dafür sind. Bei den Kleinen, die das Ehepaar Schmitz gerade liebevoll umsorgt, ist es kaum vorstellbar, aber bei jedem Tier kommt irgendwann der Punkt, an dem das Schmusen aufhört.

Werner Schmitz lässt ein Eichhörnchen auf sich herumklettern. Die Tiere verlieren in ihrer Not die Scheu vor dem Menschen. Nach wenigen Wochen Aufpäppeln werden sie im Handumdrehen selbstständig – Wildtiere eben. © Udo Hennes © Udo Hennes

Die Tiere würden immer selbständiger und immer agiler in ihrem Wohnzimmer, berichten Schmitz‘. Eindeutige Verhaltensmuster zeigen den Menschen an, wenn ein Tier hinaus muss in die Natur. Beispielsweise, wenn es versucht, im Wohnzimmerboden zu graben: Der Instinkt, Futter zu verstecken, wird wach. Sobald ein Hörnchen dann in das Auswilderungsgehege in Vosswinkel eingezogen ist, schaue es seine menschlichen Retter nicht mehr an. „Eichhörnchen vergessen sofort“, sagt Werner Schmitz.

Engagement für wilde Tiere seit 2018: Steffi und Werner Schmitz zeigen die Galerie „ihrer“ Hörnchen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Eichhörnchenretter wollen sich vernetzen

In den sechs bis acht Wochen bis zu diesem Tag haben die Eichhörnchenfreunde allerdings viel Aufwand in ihrer Freizeit. Regelmäßig müssen Jungtiere gefüttert werden, auch nachts. Sie benötigen Spezialmilch, die ihren Preis hat. Und so bietet der neu gegründete Verein den beiden Initiatoren nun auch die Möglichkeit, Spenden anzunehmen oder sich um Zuschüsse zu bemühen. Wobei das nicht im Vordergrund steht: Die Tierfreunde wollen ihr Projekt vor allem bekannter machen und sich im Raum Unna vernetzen.

Wer helfen will, kann Nüsse sammeln

Wer die Aktion Eichhörnchen unterstützen möchte, sollte einen fürsorglichen Blick auf die Eichhörnchen in seinem Umfeld haben – und bei Gelegenheit sammeln, was der Garten hergibt: Werden die Tiere größer, brauchen sie anstelle von Milch Knabbereien in rauen Mengen. Der Verein freut sich unter anderem über gespendete Wal-, Hasel- und Baumnüsse.

Die Eichhörnchen bleiben in der Regel bis zur zwölften Lebenswoche in der Auffangstation. © Udo Hennes © Udo Hennes
Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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