Vom praktischen Kunstwerk zum Schandfleck: Sorge um Unnas ungeliebte Litfaßsäule

dzKurpark

Eine besondere Litfaßsäule im Kurpark verkommt zu einem Schandfleck und Vandalismus-Schwerpunkt. Die Stadt sucht nach einer Lösung. Das Bauwerk hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich.

Unna

, 05.11.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das ist wahrlich kein schöner Anblick“, meint Willi Grewe. Er beobachtet den Niedergang der Litfaßsäule im Kurpark seit Jahren. An ihrem Standort zwischen Jugendkunstschule und Circus Travados friste das Bauwerk ein meistens unbeachtetes Dasein, so Grewe. Inzwischen sei die Säule zu einem Schandfleck verkommen. Sie diene offensichtlich nur noch als Ziel für Vandalismus-Attacken. Die Litfaßsäule ist voller Farbschmierereien, die Glasfenster der Schukästen sind zerschlagen. „Man sollte sich überlegen, dieses ,aus der Zeit gefallene‘ Objekt vollständig zu entfernen“, so Grewe. Die Litfaßsäule erfülle ihre eigentliche Aufgabe sowieso nicht mehr.

Verhüllung von Stromkästen

Ursprünglich hatte das Gerät sogar zwei Aufgaben, und das an einem ganz anderen Ort. Im Sommer 1998 hatten die Stadtwerke die Litfaßsäule mitten in der Unnaer Innenstadt aufstellen lassen: auf dem Alten Markt. Das fünf Meter hohe Gebilde diente dazu, Stromkästen zu verhüllen. Gleichzeitig war es, wie eben eine Litfaßsäule, als Werbeträger konzipiert: Die Stadtwerke vermarkteten die Schaufenster, in die Plakate geklebt werden konnten. Werbeträger ist die Säule immer noch. So weist aktuell ein Plakat auf das kommende Winterprogramm des Circus Travados hin.

Vom praktischen Kunstwerk zum Schandfleck: Sorge um Unnas ungeliebte Litfaßsäule

Die Verglasung der Schaukästen galt einmal als „vandalensicher“. © Marcel Drawe

Kunstwerk für 50.000 D-Mark

Die Stadtwerke hatten seinerzeit einen Kunstschmied mit der Sonderanfertigung beauftragt. Die Litfaßsäule wiegt rund zwei Tonnen. Sie besteht aus einem Stahlgerüst mit sechseckigem Grundriss und zwei Metern Durchmesser. Kinderfiguren und andere Ornamente wie ein Stadtwappen zieren die Verkleidung aus Messing. In den Schaukästen sei alles „vandalensicher“ geschützt durch bruchsicheres Glas, wie vor 21 Jahren in der Unnaer Zeitung zu lesen war. Die Konstruktion kostete damals 50.000 D-Mark.

1998 hatte die Säule als nicht alltägliche Möblierung für den Marktplatz zunächst vor allem Lob hervorgerufen, mindestens Neugier. Die Werbenutzung am alten Standort geriet aber dann in die Kritik. Anstatt auf Kulturveranstaltungen hinzuweisen, wurden Immobilienanzeigen hineingehängt. Es mehrten sich kritische Stimmen. 2004 gab es eine Telefonumfrage: Eine knappe Mehrheit war für den Erhalt der Säule. Und dann kam sowieso das Café Extrablatt.

Vom praktischen Kunstwerk zum Schandfleck: Sorge um Unnas ungeliebte Litfaßsäule

1998 wurde die eigens für diesen Standort gefertigte Litfaßsäule auf dem Markt aufgestellt. © Archiv

Standorte in der Diskussion

Als die Gastronomie in der früheren Stadtbücherei eingerichtet wurde, musste die Litfaßsäule verschwinden. Wohin, diese Frage trieb die Unnaer dann geraume Zeit um. Vorschläge für neue Standorte reichten von Krummfuß, dem späteren Standort des Bronze-Stadtmodells, über das Museum bis zum Rathausvorplatz. Für die letztere Variante gab es im Jahr 2005 eine Mehrheit: In einer weiteren Umfrage sprachen sich die meisten dafür aus, die Säule vor dem Rathaus aufzustellen.

Gespräch über Zukunft

Dan zog sie zum ersten Mal um. Die Stadtwerke stellten die Säule vor ihrer Zentrale an der B1 auf. Ihren bisher letzten Standort fand sie dann aber doch nicht in der Innenstadt, sondern im Kurpark. Die Stadtwerke stellten sie an der Wegkreuzung zwischen JKS und Travados auf, wo sie seit 2006 steht. Und jetzt? Das Vandalismusproblem sei bekannt, sagte Stadtsprecher Oliver Böer auf Anfrage unserer Redaktion. Zuständig sei das Umweltamt, da es verantwortlich für den Kurpark ist. Es würden Gespräche mit den Stadtwerken geführt, wie mit der Litfaßsäule umgegangen werden soll, so Böer.

Es klingt danach, als sollte die Säule erhalten bleiben. Vielleicht darf sie ja bald wieder umziehen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Autobahnbaustelle

Betonschere und Steinmeißel: So soll der Abriss der Autobahnbrücke am Afferder Weg ablaufen

Meistgelesen