Kindergarten, Sozialeinrichtung oder Wohnraum: Wo Kirchen ihre Gebäude nicht mehr brauchen, gibt es Chancen für neue Nutzer mit Bedarf. Teils bleibt der Zweck auch ein religiöser.

Unna

, 02.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Pfarrhaus in Hemmerde und die Brücke in Königsborn sind aktuelle Beispiele für einen Trend: Kirchengemeinden geben Gemeindehäuser oder sogar Gotteshäuser auf, und neue Eigentümer mit dringendem Bedarf übernehmen sie. Teils wird umfangreich umgebaut, teils verschwinden die alten Gebäude komplett und machen Platz für neue. Allein die beiden großen christlichen Kirchen haben in jüngerer Vergangenheit in Unna rund ein Dutzend Immobilien abgetreten.

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Sowohl die Katholische als auch die Evangelische Kirche müssen bei einem Rückgang der Mitgliederzahlen mit weniger Steuereinnahmen haushalten. In manchen Gemeinden stehen oder standen dadurch recht viele Immobilien in den Akten, bei denen die Kosten der Unterhaltung in keinem Verhältnis mehr stehen zur Nutzung. Weniger Seelsorger brauchen auch weniger Pfarrhäuser. Auf der anderen Seite machen gesellschaftliche Entwicklungen mehr oder neue Betreuungseinrichtungen nötig – alles mit einem gewissen Raumbedarf. Zudem wird Unna religiös bunter, sodass manches Gebäude inzwischen von neuen Religionsgemeinschaften genutzt wird.

Königsborn

In Königsborn hat es schon mehrere Fälle von Kirchenimmobilien gegeben, die neue Nutzer gefunden haben. An der Gabelsbergerstraße sogar gleich zweimal: An der Stelle des ehemaligen Pfarrhauses der Christuskirchengemeinde wurde ein Mehrfamilienhaus errichtet. Das Pfarrhaus, in dem zuletzt noch eine Pfarrerin gewohnt hatte, war 2011 abgerissen worden.

Vielfältiges neues Leben in Unnas Kirchenbauten

Das evangelische Pfarrhaus an der Gabelsbergerstraße wurde 2011 abgerissen. © Udo Hennes

Und im Jahr 2015 zog am anderen Ende der Straße eine Gruppe der Kita Königsborn in das frühere Pfarrhaus der Katholischen Kirche.

Ein weiterer Beginen-Hof, also ein Wohnprojekt für Frauen, ist in Königsborn entstanden, und auch dort war es ein Pfarrhaus der Evangelischen Gemeinde. Der Kirchenkreis hatte die Immobilie von der Gemeinde übernommen und trat als Bauherr auf.

Die jüngsten Pläne für die Umnutzung eines Kirchengebäudes in Königsborn betreffen das Gemeindezentrum Brücke: Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, soll das Haus an die Stadt Unna verkauft werden, die dort ein Stadtteilzentrum einrichtet. Angebote, die dort angeboten oder ausgebaut werden sollen, sind unter anderem Familienbildung und -beratung, Kinder- und Jugendarbeit und Angebote des Allgemeinen Sozialen Dienstes zur Sozialen Sicherung.

Unna-Mitte

An der Martinstraße hat die Lebenshilfe seit vielen Jahren ihren Sitz. Und inzwischen ist weiterer Wohnraum für vier behinderte Menschen entstanden. Es ist das ehemalige Pfarrhaus, in dem die Lebenshilfe auch ein Tagesstrukturangebot für behinderte Senioren eingerichtet hat. Zwischenzeitlich war die ehemalige Pfarrwohnung der Martinsgemeinde auch zu einer Einrichtung geworden, mit der auf die vermehrte Zuwanderung von Flüchtlingen reagiert wurde: Der Caritasverband brachte darin unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter.

Ostdörfer

Das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Hemmerde-Lünern in Mühlhausen-Uelzen wird von einem privaten Investor zu Mietwohnungen umgebaut. Platz für die Kirchengemeinde bleibt dennoch. Im umgebauten Philipp-Nicolai-Haus steht der Gemeinde ein Saal zur Verfügung, der auch angemietet werden kann.

Vielfältiges neues Leben in Unnas Kirchenbauten

Das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Hemmerde-Lünern in Mühlhausen-Uelzen wird von einem privaten Investor zu Mietwohnungen umgebaut. © Roman Grzelak

In Hemmerde wird das frühere evangelische Gemeindehaus Arche inzwischen weltlich genutzt. Das Hemmerder Bürgerhaus wurde aufgegeben, und stattdessen treffen sich Vereine und Gruppen seitdem in der Arche. Vor allem der Kinderreichtum in Unnas östlichstem Dorf ist der Hintergrund für eine weitere Entwicklung: Die Evangelische Kirche will ihr ehemaliges Pfarrhaus umbauen. Es soll zu einer Nebenstelle des Noah-Kindergartens werden. So entsteht Platz für die Betreuung von weiteren 20 Kindern, davon sechs im Alter von unter drei Jahren.

Massen

In Massen sind es vor allem für Unna neue Religionsgemeinschaften, die aufgegebene Kirchengemeinde übernehmen. In der St. Hedwigs-Kirche in Massen-Nord wurde 2014 der letzte katholische Gottesdienst gefeiert – mittlerweile ist sie komplett zu einem koptischen Gotteshaus umgewandelt worden. Dafür wurde der Innenraum intensiv umgestaltet. Eine Ikonostase – eine große, schmuckvolle Holzwand mit den Bildern der zwölf Apostel, Marias, des Täufers Johannes und ägyptischer Mönche – haben zwei Künstler aus Ägypten in drei Monaten geschaffen.

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Schräg gegenüber steht das ehemalige Bodelschwinghhaus. Dort ist schon vor Jahren die Jüdische Gemeinde eingezogen. Nach und nach passte sie das frühere evangelische Gemeindezentrum ihren Anforderungen an. Nun läuft der Umbau zu einer richtigen Synagoge. Sie soll im kommenden Jahr offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Jüdische Gottesdienste gibt es dort allerdings schon seit Jahren.

Die Buderusstraße in Massen-Nord ist ein kleines religiöses Zentrum: Mit ihrem „Haus der Gemeinschaft“ unterhält dort auch die evangelisch-freikirchliche Gemeinde ein Zentrum.

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