Prachtvoll - anders darf man die Blumenkörbe, die der City-Werbering mit seinen Mitgliedern in der Unnaer Innenstadt aufhängen lässt, gar nicht nennen. Die Aktion kommt bestens an bei den Besuchern der Stadt, will aber auch mit 30.000 Euro finanziert sein. © UDO HENNES
Innenstadt

Viele Spender unter Druck: Unna bangt um den beliebten Blumenschmuck

Mit Blumenkörben an Laternen und Schildermasten haben Unnas Gewerbetreibende drei Jahre lang die Innenstadt verschönert. Für 2021 ist eine Wiederholung geplant. Doch Corona macht sie zur Herausforderung.

Eigentlich sollte es nur eine einmalige Aktion sein, als der City-Werbering 2018 erstmals Blumenkörbe in der Fußgängerzone aufhängen ließ. Der Händler- und Dienstleisterverein feierte seinen 30. „Geburtstag“, und die Blumen dazu sollten die Allgemeinheit erfreuen. Dann allerdings waren die Reaktionen darauf gleich so positiv, dass Unnas Gewerbetreibende aus der Sache nicht mehr herauskamen.

Auch dank zusätzlicher Spenden der Mitglieder und einiger Privatleute sowie einem Zuschuss von der Stadt wuchs die Aktion zu einer immer größeren Blütenpracht. 2020, praktisch zum Ende des ersten Lockdowns, hingen über 150 Körbe mit fleißigen Dauerblühern in der Innenstadt. Geranien, Petunien und eine spezielle Bienenmischung brachten Farbe und Leben in die Bebauung.

Dass sich Unna trotz der Ladenschließungen und einer ungewissen Zukunftsperspektive für das Jahr dazu entschlossen hatte, weiter die Innenstadt zu bepflanzen, gab den Menschen nicht nur einen schönen Anblick, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung. So etwas wäre auch 2021 wohltuend. Aber die Aktion trifft auf neue Hindernisse.

„Geben wird es sie in jedem Fall“, legt sich Thomas Weber als Vorsitzender des City-Werberings fest. Aber vielleicht wird die Aktion etwas weniger üppig ausfallen. Denn gerade die Sponsoren müssen derzeit ihr Geld beisammen halten.

Bei vielen der bisherigen Sponsoren dürfte die Kasse leer sein

170 Euro Kosten verursacht jeder Blumenkorb über die gesamte Saison von April bis Oktober. Darin enthalten sind Bepflanzung und etwaige Ersatzbepflanzungen, das Auf- und Abhängen, Gießen und Düngen. Eine Firma kümmert sich darum, dass die Blumenkörbe ihre optimale Wirkung entfalten können, und augenscheinlich macht sie ihre Arbeit sehr gut.

Im vergangenen Jahr hat die gesamte Aktion rund 30.000 Euro gekostet. 35 Prozent davon kamen aus einem Verfügungsfonds der Stadt, den Rest steuerte der City-Werbering aus Vereinsmitteln und Spenden bei. Die Organisation leistete Unnas Stadtmarketing.

City-Werbering schreibt Mitglieder an

Ein Rundschreiben an die Mitglieder mit der Bitte um Spenden für eine Neuauflage in diesem Jahr ist derzeit in Vorbereitung und soll in Kürze versandt werden. Der Vorsitzende Thomas Weber wäre zumindest nicht überrascht, wenn die Reaktionen darauf zurückhaltend ausfielen: „In Zeiten des Lockdowns wird es vielleicht schwieriger, jemanden davon zu überzeugen, dass er bitte 170 Euro für einen Blumenkorb ausgeben soll. Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann ist das viel Geld“, sagt er. Insofern habe er „hohes Verständnis dafür, wenn jemand sagt, dass er zurzeit ganz andere Probleme hat“.

Geben soll es die Aktion – jetzt erst recht

Dass der City-Werbering dennoch grundsätzlich an der Aktion festalten will, geschehe aber nicht nur trotz, sondern wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns. Wenn die Geschäfte wieder öffnen können und die Infektionsgefahr

so weit verringert ist, dass die Menschen wieder in die Innenstädte strömen können, dann müsse man sie dort auch willkommen heißen und ein Wohlfühlklima schaffen. Denn der Handel müsse vielleicht nicht nur entgangene Umsätze nachholen, sondern auch Kunden zurückgewinnen, die sich erst in der Pandemie an den Einkauf im Internet gewöhnt haben. Die Attraktivität einer Stadt, die mit Architektur und eben auch Blumenschmuck einfach schön aussieht, die ansprechende Waren anbietet und eine vielfältige Gastronomie, das seien die wichtigsten Instrumente dafür.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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