Viele Regionalbahnen fallen wegen Streiks aus

dzÖffentlicher Nahverkehr

Wer mit dem Zug zwischen Soest und Dortmund unterwegs ist, muss wegen Streiks seit mehreren Wochen damit rechnen, dass sein Zug nicht fährt. Keolis dünnt noch bis Sonntag den Fahrplan aus.

Unna

, 02.01.2020, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bahnsteige auf dem Bahnhof Unna sind verwaist. Dass die Regionalbahn 59 zwischen Soest und Dortmund wieder mal nur mit halber Kraft fährt, geht dementsprechend fast unter. Dass derzeit viele Züge ausfallen, hat gute Gründe: Die EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) bestreikt den Zugbetreiber Keolis.

Keolis hat nun die Hoffnung geäußert, dass die Gewerkschaft eine Streikpause ausruft und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Keolis – Fahrgästen eher unter dem Namen Eurobahn bekannt – verweist auf ein neues, deutlich verbessertes Angebot an die Beschäftigten.

Jede zweite Eurobahn fällt aus

Noch mindestens bis Sonntag, 5. Januar, muss Keolis sein Angebot allerdings deutlich ausdünnen. Betroffen ist auch die Regionalbahn 59 (RB59), die zwischen Dortmund und Soest verkehrt und nicht nur in Unna, sondern auch in Lünern und Hemmerde hält.

Für die auch als Hellweg-Bahn bekannte RB59 bedeutet das, dass der Halbstundentakt auf einen Stunden-Takt ausgedünnt werden muss. Jede zweite Eurobahn fällt dabei aus.

Alternativen nur in Richtung Dortmund

Menschen, die von Unna in Richtung Dortmund wollen, können auf die S4 ausweichen. Allerdings macht das je nach Fahrtziel einen Umstieg erforderlich und dauert länger. In Richtung Soest gibt es keine Alternativen auf der Schiene.

Keolis verweist im Zusammenhang mit den aktuellen Tarifverhandlungen darauf, dass es bereits vor Weihnachten erste Gespräche mit der EVG gab. Mit der schriftlichen und deutlich verbesserten Angebotsvorlage am 27. Dezember habe Keolis bekräftigt, „dass das Unternehmen stets seiner sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung nachkommt.“

Das Unternehmen

Betreiber von 15 Zuglinien

In Deutschland nahm Keolis unter dem Markennamen „Eurobahn“ im Jahr 2000 den ersten Betrieb auf. Heute ist Keolis Deutschland mit einem Streckennetz von aktuell 16,3 Mio. Zugkilometern pro Jahr einer der größten privaten Anbieter im öffentlichen Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen betreibt derzeit vier Netze (Maas-Rhein-Lippe-Netz, Hellweg-Netz, Ostwestfalen-Lippe-Netz, Teutoburger Wald-Netz) mit insgesamt 15 Linien und beschäftigt rund 885 Mitarbeiter. Seit 2016 haben außerdem Keolis-Triebfahrzeugführer das Steuer des Thalys auf dem deutschen Streckenabschnitt von Dortmund nach Aachen mit jährlich 650.000 Zugkilometern in der Hand.

Gescheitert war der Abschluss des Tarifvertrages unter anderem an der konsequenten Forderung, bis zu 42 Tage Jahresurlaub einzuführen. Bisher bietet das Unternehmen seinen Beschäftigten bereits innerhalb eines Wahlmodells bis zu 36 Tage Jahresurlaub.

Seit drei Wochen wird das Unternehmen tagtäglich bestreikt. Die Auswirkungen zeigen sich laut Keolis vor allem in der Eurobahn-Werkstatt in Hamm-Heessen. Nebst zahlreichen Kapazitätsabweichungen sieht sich das Unternehmen aber auch gezwungen, erste Linien beziehungsweise Linienabschnitte durch einen Busnotverkehr zu ersetzen. Eine solche Lösung gibt es für die Hellweg-Bahn allerdings nicht. Dort setzt Keolis auf eine langsamere Taktung der Züge.

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