Unna ist viel stärker zugepflastert als befürchtet

dzStadtbetriebe

Luftbilder zeigen in einer neuen Untersuchung, wie viele Flächen in Unna bebaut, gepflastert oder asphaltiert sind. Ihr Ergebnis übersteigt die Erwartungen – und bringt Unna gleich mehrere Probleme.

Unna

, 27.11.2019, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine groß angelegte Erhebung, mit der die Stadtbetriebe neu ermittelt haben, wie viele Flächen in Unna „versiegelt“ sind, also Regenwasser direkt oder indirekt in die Kanalisation leiten.

Eine Fachfirma hatte zunächst Luftbilder von allen Teilen Unnas ausgewertet. Grundeigentümer konnten deren Ergebnisse prüfen, bestätigen oder korrigieren. Dass dabei andere Werte herauskommen würden als bislang in den Datenbanken vorhanden, war erwartet worden – aber keine Abweichung in diesem Ausmaß.

In Unna sind über acht Millionen Quadratmeter Boden versiegelt

Unna hat wesentlich mehr versiegelte Flächen als bislang angenommen. Und rechnerisch könnten auf ihnen 215 Fußballfelder in Standardgröße untergebracht werden. Gegenüber bisherigen Annahmen wächst die Fläche, auf denen ein Gebäude steht oder zumindest die Erdoberfläche befestigt ist, um 22,4 Prozent.

Die Stadtbetriebe gehen jetzt davon aus, dass 8.378.100 Quadratmeter in Unna versiegelt sind. Bislang nutzte sie in ihren Berechnungen einen Wert von 6.845.680 Quadratmetern.

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Dabei hatten die Stadtbetriebe die Gegebenheiten in einigen Flächenarten sogar auch überschätzt: Die Straßenfläche in Unna etwa ist nach der neuen Untersuchung sogar etwas kleiner als bislang vermutet. Sie beträgt 1.837.545 Quadratmeter.

Auf den Wohn- und Gewerbegrundstücken in Unna sammeln 5.963.455 Quadratmeter Fläche den niedergehenden Regen ein. Das sind gut 1,6 Millionen Quadratmeter mehr als zunächst angenommen.

Kanalnetz hat bei Starkregen geringere Reserven als bislang geglaubt

Die Auswirkungen dieser Befunde sind vielseitig. Zunächst war es den Stadtbetrieben darum gegangen, etwas mehr Gerechtigkeit unter den Gebührenzahlern der Stadt zu schaffen. Teile der Kosten für ihr Kanalnetz legen sie als Gebühr für die Ableitung von Niederschlagswasser um. Bei der Verteilung dieser Kosten vertrauten sie bislang auf einen Datensatz, der zum Teil auf Selbstauskünfte aus dem Jahr 1995 zurückgeht.

Tatsächlich werden sich diese Kosten jetzt anders verteilen. Wo die Eigentümer damals korrekt gemessen haben, werden die Gebühren sogar sinken. Stärker zur Kasse gebeten werden lediglich die Eigentümer, bei denen es entsprechend starke Abweichungen gibt.

Dass Unna aber grundsätzlich stärker bebaut und versiegelt ist als angenommen, bereitet der Stadt neue Probleme. Das Kanalnetz etwa ist mit seiner „hydraulischen Leistungsfähigkeit“ auf eine Menge Wasser ausgelegt, die bei einer festgelegten Regenstärke auf der angeschlossenen Fläche niedergeht. Ist diese Fläche aber größer als angenommen, kann der Kanal schneller überlastet sein als erwartet. Manch ein Kanalrohr, das bislang als gerade noch dick genug galt, dürfte tatsächlich schon unterdimensioniert sein. Dies gilt es nun bei der geplanten Fortentwicklung der Stadtentwässerung, spätestens aber bei neuen Bauvorhaben einer nennenswerten Größe zu beachten.

Für den Klimaschutz eine ernüchternde Nachricht

Ein anderes Problem ist ein politisches: Unna hat erst vor Kurzem den „Klimanotstand“ ausgerufen und sich damit verpflichtet, alle politischen Entscheidungen auf ihre Klimaverträglichkeit zu prüfen und auszurichten. Kritiker hatten dabei auf das Problem hingewiesen, dass neue Wohnbaugebiete und Gewerbeansiedlungen schwieriger werden könnten, da sie mit einer Versiegelung des Bodens einher gehen. „Mehr versiegelte Flächen“ bedeutet weniger Regen, der ins Grundwasser gelangt und die Pflanzenwelt nährt.

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