„Victoria“ ist das Baufeld der Zukunft für den Norden von Unna

dzStadtentwicklung

Die alte Pflugfabrik ist abgerissen, das „Victoria“-Gelände freigeräumt und eine Fläche in der Größe von acht Fußballfeldern nahe am Unnaer Bahnhof wartet auf neue Nutzungen. Möglichkeiten gibt es einige.

Unna

, 22.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Abbruch der ehemaligen Pflugfabrik an der Viktoriastraße rückt eine der größten Brachen in Unna wieder ins Blickfeld. „Victoria“ wartet auf neue Konzepte. Und neben Platz gibt es inzwischen sogar Zuversicht.

Es gab einmal eine Zeit, in der sich die städtischen Planungsbemühungen für die Flächen zwischen Eisenbahnlinien, Viktoria- und Hammer Straße auf das Verhindern privatwirtschaftlicher Planungen konzentrierten.

Erst gefeiert, dann ein Feindbild: die Victoria-Passage

Flächeneigentümer Johannes-Peter Schnitger hatte in den 1990er-Jahren ein Konzept für ein großes Einkaufszentrum vorgelegt. Zunächst war die „Victoria-Passage“ von Politik und Verwaltung gefeiert worden. Dann allerdings regten sich Widerspruch und Widerstand.

Unnas Innenstadthändler verwiesen auf das Beispiel der Stadt Hamm, in der das Alleecenter praktisch den Tod der Fußgängerzone verursacht hatte. Die Stimmung kippte, und seitdem ging es in der Bauleitplanung nur noch darum, eine „Victoria“ zu verhindern.

Das Deckblatt des 1998 vorgelegten Realisierungskonzeptes für die Victoria-Passage gibt ein BIld davon, wie ein EInkaufszentrum auf dem Areal von Westebbe & Weispfennig hätte aussehen können. Umgesetzt wurde es aber nicht.

Das Deckblatt des 1998 vorgelegten Realisierungskonzeptes für die Victoria-Passage gibt ein BIld davon, wie ein Einkaufszentrum auf dem Areal von Westebbe & Weispfennig hätte aussehen können. Umgesetzt wurde es aber nicht. © Archiv HA

Geschäfte, deren Sortimente eine Bedeutung für die Nahversorgung mit Waren des Alltags haben oder typischerweise in einer Innenstadt zu finden sind, sind klar verboten auf der Fläche, auf der einmal die Drahtzieherei Westebbe & Weispfennig und die nun abgerissene Pflugfabrik Hildebrand standen.

Wohnen, Büros, Gewerbe – vieles ist noch möglich

Diese strenge Begrenzung bedeutet aber nicht, dass auf dem Areal gar nichts mehr ginge. Im Gegenteil: Jenseits der Beschränkungen ließe die Brache einiges zu. Vom Wohnen über Büronutzungen bis zur Ansiedlung von Gewerbeflächen reicht das Spektrum dessen, was theoretisch zulässig ist.

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Was praktisch sinnvoll und wirtschaftlich machbar ist, hängt aber auch noch von weiteren Gegebenheiten ab. Der Boden ist zum Teil belastet durch die früheren Industrienutzungen. Eisenbahn und Gewerbenutzungen im Umfeld stellen Lärmquellen dar, die vor einer Wohnnutzung betrachtet werden müssten. Umgekehrt gibt es aber im näheren Umfeld durchaus auch Wohngebäude, deren Bewohner ihrerseits vor neuen Betriebsgeräuschen vom „Victoria“-Grunstück geschützt werden wollen.

Rahmenplan für eine Fläche wie von acht Fußballfeldern

Wie damit umzugehen ist, wollen die Entwickler im Büro von Eigentümer Schnitger nun einmal ganz gründlich betrachten. Kauf und Abriss der zuletzt von der Werkstatt im Kreis Unna genutzten Pflugfabrik ergibt zusammen mit dem Gründstück der früheren Drahtzieherei eine Entwicklungsfläche mit 56.000 Quadratmetern.

Für den Investor ist das eine Chance, das Rad ein wenig größer zu drehen. Und auch die Stadt hat den Wunsch zum Ausdruck gebracht, Gutachter mit der Aufstellung eines Rahmenplanes zu betrauen. Das Jahr 2020 soll im wesentlichen davon geprägt sein.

Büro-Gebäude soll auch ohne Urlaubsguru entstehen

Ungeachtet dessen gibt es für eine Teilfläche von etwa 10.000 Quadratmetern schon eine konkretere Vorstellung. Am Westende, also unmittelbar an die Hammer Straße und den kleinen Kreisverkehr angrenzend, laufen bereits Arbeiten an einem Bebauungsplan. Er soll die planungsrechtliche Grundlage für den Bau eines fünfstöckigen Bürogebäudes schaffen.

Am Anfang dieser Überlegungen standen Pläne beim Internet-Unternehmen Uniq („Urlaubsguru“), von Holzwickede nach Unna zurückzukehren, die dann aber verworfen wurden.

Ungeachtet davon setzt die Stadt die Planung fort, und auch der Investor will an dem Projekt festhalten. Für die gut fünfmal so große Gesamtfläche wäre diese Nutzung indes ein Indikator für zukünftige Entwicklungen, aber noch keine Festlegung.

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