Victoria erwacht langsam aus dem Dornröschenschlaf

dzStadtentwicklung

Dass die „Victoria“-Fläche in Unna überhaupt wieder ein Thema ist, gilt schon als Erfolg. Doch bis zur Wiederbelebung dürfte es trotz der Annäherung von Stadt und Investor es ein langer Weg sein.

Unna

, 26.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Brachland im Winkel von Hammer und Viktoriastraße hat als einzige Fläche weit und breit ihren Namen von einer Nutzung, zu der es nie gekommen ist. Die Drahtzieherei Westebbe & Weispfennig kennen zumindest noch die älteren Unnaer, die Pflugfabrik Hildebrand eher nur die Heimatforscher. Für den Volksmund aber ist das inzwischen planierte Grundstück nur „die Victoria“, benannt nach einem Großeinkaufszentrum, das für ein seltsames Kapitel der Unnaer Wirtschaftsgeschichte steht.

Der Victoria-Schock ist längst verarbeitet

Die 1998 vorgelegten Pläne für die Victoria-Passagen waren von Rathaus und Politik zunächst gefeiert worden, wollte Investor Johannes-Peter Schnitger doch eine riesige und hässlich gewordene Fläche an der Eisenbahnlinie neu beleben. Dann aber formierten Unnas Kaufleute den Widerstand: Mit sorgenvollem Blick nach Hamm und auf die Auswirkungen des dortigen Allee-Centers prognostizierten sie den Tod des Innenstadthandels auch in Unna.

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Die Stimmung kippte. Unnas Planungspolitik zielte für „Victoria“ fortan auf Verhinderung. Und ein verärgerter Investor Schnitger legte nicht nur das Projekt, sondern auch sämtliches Engagement für die Fläche zu den Akten. Das Grundstück würde in den Besitz seiner familieneigenen Johannes-Beese-Stiftung übertragen und lange Zeit nicht beachtet.

Den Abriss der Westebbe-und-Weispfennig-Gebäude hatten Vertreter der Stadt noch mit dem Investor gefeiert. Aber ein Einkaufszentrum in Konkurrenz zum Handel in der Innenstadt ließ Unna nach anfänglicher Begeisterung doch nicht zu.

Den Abriss der Westebbe-und-Weispfennig-Gebäude hatten Vertreter der Stadt noch mit dem Investor gefeiert. Aber ein Einkaufszentrum in Konkurrenz zum Handel in der Innenstadt ließ Unna nach anfänglicher Begeisterung doch nicht zu. © Udo Hennes

Doch inzwischen herrscht schon eine ganze Weile Tauwetter, vielleicht sogar Frühling: Eine Tochtergesellschaft von Schnitger hat die Nachbarfläche der „Victoria“ gekauft, auf der die alte Pflugfabrik Hildebrand stand – und diese abgerissen. Insgesamt liegen an der Bahnlinie nun 56.000 Quadratmeter Fläche frei, die entwickelt werden wollen.

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Dies wird nun angefasst, wird aber nicht von heute auf morgen gehen. Zum einen sind die Grundstücke der beiden Industriestandorte hochgradig belastet, Sanierungskonzepte nötig. Zum anderen ist eine Fläche von fast acht Fußballfeldern selbst für den Gründer der Hellweg-Baumarktkette ein Großprojekt.

Erstaunlich klein wirkt auf diesem Luftbild aus der Zeit vor dem Abriss die ehemalige Pflugfabrik an der Viktoriastraße, die zuletzt von der Werkstatt im Kreis Unna genutzt worden war.

Erstaunlich klein wirkt auf diesem Luftbild aus der Zeit vor dem Abriss die ehemalige Pflugfabrik an der Viktoriastraße, die zuletzt von der Werkstatt im Kreis Unna genutzt worden war. © www.blossey.eu

Der vordere Teil an der Hammer Straße ist derzeit am weitesten – was auch am zwischenzeitlichen Interesse des „Urlaubsgurus“ liegt. Die Standortsuche für den Internet-Reisemakler bot 2018 Grund, einen Bebauungsplan für eine Büronutzung aufzustellen. Urlaubsguru-Betreiberin Uniq zog sich zwar aus dem Projekt zurück, doch Schnitger und die Stadt planten weiter – nur eben ohne Sporthalle und Wohlfühlzone für die Büronutzer. Ein fünfgeschossiges Bürogebäude wäre vielleicht keine innovative Nutzung, aber für Unna doch ein Fortschritt gegenüber der heutigen Situation.

Entwurf für neue Flächennutzung liegt öffentlich aus

Wann die Gebäude entstehen und wer sie nutzen wird, das ist bislang noch offen. Projektentwicklerin Karin Rose skizziert einen längeren Weg bis zur Wiederbelebung: Allein die Bodensanierung dürfte auf der Victoria-Fläche vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen. Und allzu aktiv in die Vermarktung gegangen sei man an dieser Stelle des Projektablaufes noch nicht: Auch die Arbeiten am Bebauungsplan haben ein Wenig unter Corona gelitten. Die Stadt vollzieht nun die vorgeschriebene öffentliche Auslegung – wegen der Pandemie im Internet. Baurecht schafft danach vermutlich erst der neue Stadtrat.

Für die hinteren Flächen der Pflugfabrik will Schnitgers Planerin zusammen mit der Stadt ein übergreifendes Nutzungskonzept aufstellen. Der grobe Rahmen soll im Laufe des Jahres gesetzt werden.

Die Entwürfe für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan sind bis zum 27. August öffentlich ausgelegt und können vom Bürger kommentiert werden. Sie finden sich unter www.unna.de/standort/planen-bauen-wohnen/oeffentlichkeitsbeteiligung/planverfahren.
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