Die am Königsborner Tor ansässigen Geschäftsleute schlagen Alarm. In den vergangenen Wochen habe sich die Situation dort verschärft. Probleme verursache dabei nicht mehr nur die Trinkerszene.

Unna

, 16.11.2018, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie bangen um den Ruf des Königsborner Tors: Die Geschäftsleute, die in diesem Bereich tätig sind oder dort Immobilien besitzen, fordern die Stadt Unna und die Polizei auf, mehr für die Sicherheit zu tun. Aus einem kleinen Feuer drohe ein Flächenbrand zu werden, sagt einer der Immobilienbesitzer.

Trinkerszene im Fokus

Dass das Umfeld des Königsborner Tors problematisch ist, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder mal gezeigt. Vor allem die Trinkerszene war zuletzt Thema. Sie sorge nicht nur für Verschmutzungen, sondern bepöbele auch Passanten, hieß es immer wieder.

Die Stadtverwaltung berichtet über eine erste Beschwerde vom 30. November 2016. Anschließende Kontrollen des Ordnungsamtes und der Polizei hätten keine Belege dafür erbracht, berichtet die Stadt. Nach einem Gespräch zwischen dem Ordnungsamt und der Eigentümergemeinschaft des Geschäftskomplexes am Königsborner Tor geriet der Kioskbetreiber in den Fokus. Er schenke verbotenerweise Alkohol aus. Ein entsprechendes Verfahren gegen den Kioskbetreiber sei noch anhängig, so die Stadt.

Verzweifelter Ruf nach mehr Überwachung am Königsborner Tor

Diese Treppen dienen den vermeintlichen Problemgruppen als Sitzgelegenheiten. © UDO HENNES

Pöbeleien und Drogen

Seit der ersten Beschwerde sind fast zwei Jahre ins Land gezogen. Passiert ist nach Angaben der betroffenen Immobilieneigentümer fast nichts. Im Gegenteil: Die Situation habe sich wesentlich verschärft. Neben der Trinkerszene fänden sich an den Treppen und Bänken, aber auch nahe einem Abfallplatz neben der Radstation auch pöbelnde Jugendliche ein, die vor allem in Gruppen Menschen einschüchterten, auch Frauen und ältere Bürger. Zudem würden am Königsborner Tor illegale Drogen konsumiert – und womöglich auch damit gehandelt. Der Bereich der Mülltonnen diene dabei als Depot.

Verzweifelter Ruf nach mehr Überwachung am Königsborner Tor

Dieser Müllplatz soll als Drogen-Depot dienen. © UDO HENNES

Hoffnung auf neues Polizeigesetz

„Da müsste die Polizei mal eine Razzia durchführen, alle Fluchtwege zustellen und auch mit Spürhunden kommen“, sagt ein Geschäftsmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem müssten Polizisten auch in Zivil Kontrollen durchführen. Die Betroffenen blicken dabei auch hoffnungsvoll nach Düsseldorf, wo der Landtag ein neues Polizeigesetz prüft. Dem Entwurf zufolge könnten die Möglichkeiten der Videoüberwachung damit ausgeweitet werden und Aufenthaltsanordnungen gegen mutmaßliche Gefährder erfolgen.

Verzweifelter Ruf nach mehr Überwachung am Königsborner Tor

Rund um den Geschäftskomplex wünschen sich die Pächter und Immobilienbesitzer mehr Licht. © UDO HENNES

Bereich heller gestalten

Bisher wird der Bereich Königsborner Tor nicht mit Kameras überwacht. Diese Tatsache, der Schutz vor Wind und Regen, ausreichend Sitzgelegenheiten und vor allem die Dunkelheit lockten die Menschen an, die Probleme machen, sagen die Betroffenen unisono. Und genau da hoffen sie auf die Politik.

Es sei mit wenig Aufwand möglich, den Bereich deutlich aufzuhellen, sagen sie. Das gebe den Passanten, Kunden und Gästen ein wesentlich verbessertes Sicherheitsgefühl. Die Politik befasst sich Ende November im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr sowie im Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema Innenstadtbeleuchtung.

Verzweifelter Ruf nach mehr Überwachung am Königsborner Tor

Viele Menschen fühlen sich am Königsborner Tor nicht wohl. © UDO HENNES

Die Geschäftsleute lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Situation zuletzt deutlich verschärft hatte. Sie verweisen auf mehrere Vorkommnisse in den letzten Tagen:

  • Am Donnerstag, 7. November, gab es Hinweise auf Marihuana-Konsum. Die Polizei, so ein Geschäftsmann, sei benachrichtigt worden, habe aber keine Beamten frei gehabt. Die Polizei bestätigt den Vorgang. Um 18.31 Uhr sei der Hinweis gekommen, um 18.48 Uhr seien Beamte vor Ort gewesen, hätten dort aber niemanden angetroffen.
  • Am Samstag, 10. November, wurde der Kioskbesitzer kurz nach 21 Uhr körperlich angegriffen. Polizeisprecher Thomas Röwekamp berichtet, dass eine Strafanzeige aufgenommen worden sei – wegen Körperverletzung und Beleidigung. Ein Mann hatte einem anderen ein Getränk ins Gesicht geschüttet und ihm die Brille von der Nase geschlagen, nachdem dieser ihn beleidigt haben soll. Einer der ansässigen Geschäftsmänner berichtet, der Kioskbesitzer sei angegriffen worden, weil er sich geweigert habe, Alkohol auszuschenken.
  • In der folgenden Nacht kam es zu einem weiteren Vorfall. Ein Gast des Bistros „Trittbrett“ wurde angeblich von zwei Männern angegriffen. Die Polizei spricht von Schubsern. Der Wirt des Lokals wurde gegen eine Scheibe gedrückt und durch Kratzer verletzt. Beide Täter flüchteten. Da es sich bei einem der Täter aber schon um den Mann handelte, der am Abend zuvor einen anderen verletzt hatte, waren der Polizei die Personalien bekannt. Es wurde eine weitere Strafanzeige gefertigt.

Dem Eindruck der Betroffenen, die Polizei zeige zu wenig Präsenz, widerspricht Behördensprecher Röwekamp. Im Rahmen der Ordnungspartnerschaft mit der Stadt Unna würden gemeinsame Streifengänge, vor allem in den Abendstunden, durchgeführt. Würden Personen angetroffen, die sich auffällig verhalten, würden diese auch überprüft und notfalls Platzverweise ausgesprochen. Außerdem reagiere die Polizei auf telefonische Hinweise und führe in unregelmäßigen Abständen Kontrollen durch zivile und uniformierte Kräfte durch.

Verzweifelter Ruf nach mehr Überwachung am Königsborner Tor

Die Geschäftsleute haben viel für die Aufenthaltsqualität getan. Ein Ort zum Wohlfühlen ist das Königsborner Tor aber nicht. © UDO HENNES

Verschiedene Sichtweisen

Offensichtlich also deckt sich der Eindruck der Ordnungsbehörden nicht mit dem subjektiven Empfinden der Betroffenen. Dass diese ihre Namen nicht veröffentlicht sehen wollen, zeigt aber auch, dass es mindestens unterschwellige Ängste gibt.

Die Geschäftsleute wollen aber zugleich kämpfen. „Wir werden uns wehren“, sagt einer. Eine große Rechtsanwaltskanzlei ist längst beauftragt und soll im Falle der Einführung eines neuen Polizeigesetzes auch Druck machen, dass dieses auch in Unna und speziell am Königsborner Tor angewendet wird.

Ausschuss berät Anträge

Zunächst befasst sich der Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit und Ordnung aber am Dienstag, 20. November, um 17 Uhr mit den Anträgen, die Ordnungsbehörde anzuweisen, „durch engmaschige zielgerichtete und systematische Kontrollen und Sanktionsmaßnahmen“ geltendes Recht durchzuweisen. Die Empfehlung der Verwaltung an die Politik ist, die Anträge abzuweisen. Die Trinkerszene sei am Königsborner Tor nicht mehr anzutreffen, ein erhöhter Handlungsdruck im Vergleich zu anderen Stellen im Stadtgebiet nicht festzustellen.

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