Verzicht auf Weihnachtsgeschenke: Noah (11) aus Unna spendet lieber für behinderte Kinder

dzWeihnachten

Ein Handy oder eine Spielkonsole – beides dürfte bei Elfjährigen zu Weihnachten ganz oben auf dem Wunschzettel stehen. Nicht so bei Noah aus Unna. Er wünscht sich Geld – um es behinderten Kindern zu spenden.

Unna

, 24.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Spielkonsole. Die wünschte sich Noah zu Weihnachten. Irgendwann im Laufe des Jahres erwähnte der Elfjährige diesen Wunsch schon einmal. Kein ungewöhnlicher Wunsch für einen Jungen in seinem Alter.

Doch was dann Ende November passierte, dürfte nicht nur Noahs Eltern überrascht haben. „Ich möchte dieses Jahr keine Weihnachtsgeschenke“, verkündete Noah, als er aus der Schule kam. Was war passiert?

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Der Sechstklässler des Pestalozzi-Gymnasiums hatte in seiner Schule das Plakat einer Spendenaktion gesehen: Wer wollte, konnte ein Spielzeug abgeben, das dann an arme Kinder in Afrika weitergegeben würde.

„Da gibt doch kein Kind sein eigenes Spielzeug ab. Da werden doch dann neue Spielzeuge für gekauft und das machen die Eltern, nicht die Kinder“, erklärt Noah, wieso er die Idee, Kindern in armen Ländern zu helfen, zwar gut fand, aber die Umsetzung ihm nicht gefiel.

„Wenn man Kindern helfen will, sollten es Kinder sein, die helfen.“
Noah Ghiassi, 11 Jahre

„Wenn man Kindern helfen will, sollten es Kinder sein, die helfen“, findet der Elfjährige. Und er wollte helfen: Anstelle der Weihnachtsgeschenke, die er sich wünschte, wollte er das Geld lieber spenden.

„Gebt mir lieber das Geld für die Geschenke, dann kann ich das Kindern geben, denen es nicht so gut geht wie mir“, sagte Noah zu seinen Eltern.

Wenn er davon erzählt, wirkt es so, als sei es das Normalste der Welt, dass ein elfjähriger Junge auf Weihnachtsgeschenke verzichtet. Man spürt, dass Noah weiß, wie gut er es hat.

Sein Vater ist Arzt; Noahs Welt ist weit entfernt von der, die er auf den Plakaten der Spendenaktion in seiner Schule gesehen hat. Doch dass es auch hier in Deutschland, in Unna, Kinder gibt, deren Leben so ganz anders verläuft als seins, das hat Noah längst auch gesehen.

Kinder im Lebenszentrum sollen Geschenke bekommen

Auf dem Weg zum Klavierunterricht kommt Noah mit seiner Mutter jede Woche am Lebenszentrum Königsborn vorbei. Oft sieht er dort die mehrfach schwerstbehinderten Kinder in ihren Multifunktionsrollstühlen, die von Betreuern geschoben werden.

„Denen geht es nicht so gut wie mir und sie sind behindert. Sie freuen sich bestimmt, wenn sie Geschenke bekommen“, erklärt Noah kurz und knapp, was er mit seinem Spendengeld machen möchte.

Verzicht auf Weihnachtsgeschenke: Noah (11) aus Unna spendet lieber für behinderte Kinder

Am Lebenszentrum Königsborn kommt Noah Ghiassi regelmäßig mit seiner Mutter vorbei. Den größtenteils mehrfach schwerbstbehinderten Kindern, die dort leben, möchte er mit seiner Spendenaktion eine schöne Überraschung bereiten. © Marcel Drawe

Nun ist Noah an Heiligabend zu Gast im Lebenszentrum und wird einen Spendenscheck überreichen. Darauf: die stolze Summe von 2000 Euro. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ist“, staunt Noah.

Doch es waren nicht nur seine Eltern, die den Wert dessen, was er sich eigentlich an Sachgegenständen zu Weihnachten wünschte, in seine Spendendosen getan haben. Mit insgesamt fünf Spendendosen war Noah unterwegs und hat für seine Aktion geworben.

In der Praxis seines Vaters in Dortmund und in einzelnen Geschäften in Unna standen die selbst gestalteten Sammeldosen seit Anfang Dezember. Im Feinkostgeschäft „Alimentari“ im Unnaer Rathaus, wo eine der Dosen stand, arbeiten einige Schüler von Noahs Schule als Aushilfskräfte; sie spendeten spontan ihr Trinkgeld für die Aktion des Elfjährigen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ist.“
Noah Ghiassi

Sammelaktion auf Weihnachtsmärkten in Düsseldorf und Oberhausen

Doch Noah ging noch weiter: Bei Weihnachtsmarktbesuchen in Düsseldorf und Oberhausen nahm er seine Sammeldose mit und bat Passanten um Spenden. „Viele waren überrascht und haben abgelehnt, aber es gab auch Nette, die sofort etwas gegeben haben“, berichtet der Sechstklässler von seinen Erfahrungen. Auch in Unna war er mit der Dose unterwegs: „Das erste Geld habe ich schon auf dem Heimweg bekommen, als ich die Dosen gerade gebastelt hatte. Da habe ich einen Mann auf unserer Straße angesprochen und der hat direkt ein paar Münzen in die Dose getan.“

Dass nicht nur Münzen, sondern auch Scheine in seinen Dosen gelandet sind, freut Noah. „Umso mehr, umso besser.“ Insgesamt 1339,11 Euro hatte er am Ende in seinen Spendendosen; und weil seine Eltern so begeistert von seiner Idee waren, haben sie diese Summe auf 2000 Euro aufgerundet.

Ob er die Aktion im nächsten Jahr wiederholt? Noah zuckt mit den Schultern. „Klar.“ Also wieder keine Weihnachtsgeschenke? „Nee, die brauche ich nicht.“

Die Spielkonsole, die er sich eigentlich gewünscht hatte, hatten seine Eltern übrigens schon gekauft, als ihr Sohn mit seiner Idee um die Ecke kam. Sie haben sie stillschweigend zurückgebracht.

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