Ältestes Fundstück aus Unna: Das Hemmerder Steinbeil ist wieder aufgetaucht

dzArchäologie

Es zählte zu den ältesten Fundstücken aus der Frühgeschichte, doch dann ging es abermals verloren. Der Verbleib des „Hemmerder Steinbeils“ hat lange Zeit Rätsel aufgegeben. Jetzt ist es wieder da.

Unna

, 01.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Fundstücke, deren Entdeckung einmal eine Sensation war. Aber in Hemmerde gibt es ein Fundstück, dessen Entdeckung nun zum zweiten Mal eine Sensation ist. Das „Hemmerder Steinbeil“ galt einmal als wichtiges Artefakt aus der Frühgeschichte, dann aber als verschollen. Jetzt ist es wieder aufgetaucht.

Und zur Erleichterung aller Heimathistoriker darf gleich betont werden: Es ist nach wie vor in sehr gutem Zustand. Denn die Aufbewahrung des Steinbeils war über all die Jahre hinweg fachkundig. Und so weit weg vom ursprünglichen Fundort in Hemmerde hat es auch gar nicht gelegen.

Erste Siedler im heutigen Unna vor 7000 Jahren

Das „Hemmerder Steinbeil“ gilt als der älteste registrierte Fund aus der Steinzeit im Gebiet der heutigen Stadt Unna. Durch dieses alte Werkzeug ist der Nachweis erbracht, dass schon vor rund 7000 Menschen in der Region ansässig waren. Von besonderem historischen Wert ist es auch aufgrund seines Erhaltungszustandes. Der scharfkantig in Form geschlagene Flintstein wirkt so, als könne man ihn heute noch jederzeit in die Hand nehmen, um damit ein Beutetier zu zerlegen oder Holz aufzuspalten.

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Ursprünglich gefunden worden war das Steinbeil im Jahr 1934. Der örtliche Landwirt Kiesenberg hatte das Fundstück nahe seines Hofes im Hemmerder Ortsteil Steinen aus dem Acker gezogen. Gemessen an den sonstigen „Standards“ der Steinzeit war der Stein mit einer dokumentierten Länge von 18,7 Zentimetern ein Werkstück von wuchtiger Größe.

Der Heimatverein Kirchspiel Hemmerde kann sogar den folgenden Weg dieses Steins nachzeichnen – bis zu jenem Punkt, an dem sich die Spur verliert. Ein Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums in Unna sei über einen Enkel Kiesenbergs in den Besitz des Steinzeitartefakts gelangt, um es über einen Studiendirektor zur

Registrierung beim Landesmuseum für Vor- u. Frühgeschichte in Münster

zu schicken. Das war 1964.

Amtlich dokumentiert, aber nicht verwahrt

In Münster wurde das Beil aus hellbraun-fleckigem Flint dokumentiert und gezeichnet. Zum Verbleib des Originals aber notierten die Archivare nur: „Fundverwahrung: Schüler des Pestalozzigymnasiums Unna“.

Die Identität jenes Schülers ist in der Quelle nicht festgehalten. Noch heute ist unbekannt, wer dieser Mann war. Vieles deutet daraufhin, dass er den Wert des Fundstückes erkannt hat und verantwortungsvoll damit umgegangen ist. Denn am Ende fand es sich wieder in einem richtigen Museum.

Über unbekannte Wege war das steinzeitliche Beil in das Archiv der Stadt Werl gelangt, wie man später herausfand. Im Jahre 2019 erkannte der ehrenamtliche Mitarbeiter der LWL-Archäolgie Michael Becker das lang vermisste Flintbeil beim Durchsehen vieler Steinbeilfunde im Wendelin-Leidinger-Museum Haus Rykenberg Werl.

Wegen den strengen Hygienevorschriften des Museums fand die Übergabe vor dem Haus Rykenberg im Freien statt. Im Bild (v.l.) Michael Becker (ehrenamtlicher Mitarbeiter der LWL-Archäolgie), Evelyn Eulitz-Goeke (Neuer Heimat- und Geschichtsverein Werl), Andreas Krüger (Vorsitzender Heimatverein des Kirchspiels Hemmerde e.V.), Matthias Kuckhoff (Stellvertreter).

Wegen den strengen Hygienevorschriften des Museums fand die Übergabe vor dem Haus Rykenberg im Freien statt. Im Bild (v.l.) Michael Becker (ehrenamtlicher Mitarbeiter der LWL-Archäolgie), Evelyn Eulitz-Goeke (Neuer Heimat- und Geschichtsverein Werl), Andreas Krüger (Vorsitzender Heimatverein des Kirchspiels Hemmerde e.V.), Matthias Kuckhoff (Stellvertreter). © privat

Die Zeichnungen und Beschreibungen aus dem Jahr 1964 machen die Identifizierung eindeutig: Es ist das Hemmerder Steinbeil.

In der vergangenen Woche ist es nach Hemmerde zurückgekehrt. Auf Vermittlung von Evelyn Eulitz-Goeke vom Neuen Heimat- und Geschichtsverein Werl, die zugleich Mitarbeiterin des Werler Museums ist, wurde das Beil dem Heimatverein Kirchspiel Hemmerde als Dauerleihgabe übergeben. Dessen Vorsitzender Andreas Krüger nahm es in Empfang, sein Stellvertreter Matthias Kuckhoff bedankte sich mit einem Geschenk für das Werler Museum. Michael Becker wohnte der Übergabe als Mitarbeiter der LWL-Archäologie bei. Das Steinbeil wird seinen Aufbewahrungsort als ein Zeugnis der Besiedlungsgeschichte des Dorfes im kleinen Hemmerder Heimatmuseum finden.

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