Die Verkehrswende bedeutet für den Bürger nicht nur Verzicht, sondern auch Lebensqualität

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Was für den einen ein Verbot ist, nennt der andere Befreiung. Ängsten vor der „Verkehrswende“ will der AFDC nun mit einem Konzeptpapier entgegentreten, das Unna mehr Lebensqualität verspricht.

Unna

, 08.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Suche nach Wegen zu einer „Verkehrswende“ hat Unna nun einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgt: Der Beirat Fahrrad als eines der beteiligten politischen Gremien hat das Thema gewissermaßen delegiert und den ADFC darum gebeten, ein Konzept vorzulegen. Das Ergebnis dürfte selbst Autofahrer überraschen.

Wer gewohnt ist, seine Wege überdacht und mit Motorantrieb zurückzulegen, sehe die Verkehrswende vielleicht grundsätzlich als Bedrohung, da sie ihm Verbote und Komforteinbußen bringen könne, erklärt ADFC-Ortsgruppenspecher Helmut Papenberg.

Das Konzept des ADFC aber bezieht die Belange des Kraftverkehrs durchaus ein, will lediglich Anteile verschieben. Am Ende stehe ein Gewinn für alle. Unna werde gesünder, ruhiger, sicherer, sauberer und grüner. Und das sei auch wichtig, denn jedes Konzept für eine Verkehrswende könne nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn es von den Bürgern akzeptiert wird.

Wo das Radfahren sicher und komfortabel ist, wird es auch getan

Was die Bürger in Unna angeht, sieht der Fahrradclub eine grundsätzlich höhere Bereitschaft, öfter aufs Fahrrad umzusatteln, als es der Radverkehrsanteil von nur zwölf Prozent aufzeigt. Der Blick in andere Kommunen zeige auf, dass mehr Rad gefahren wird, wenn das Radfahren einfacher und sicherer wird. In jenen Städten wählen die Menschen das Rad für ihre Wege, weil es die günstigere Wahl ist: Sie sparen sich Staus und Parkplatzsuche, erhalten sogar Bewegung.

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Eine wichtige Forderung im Konzeptpapier des ADFC ist daher auch, mehr Radwege und geeignete Abstellablagen, insbesondere an Knotenpunkten von Bus und Bahn, zu schaffen. Einen Plan dafür habe die Stadt mit ihrem „Zielnetzkonzept“ bereits 2016 aufgestellt.

Nun müsse das Papier auch umgesetzt werden. Das soll Rad- und Autoverkehr konsequenter voneinander trennen und das Radfahren sicherer machen. Auf dem Stadtring etwa könne eine der Spuren baulich getrennt dem Radverkehr zugeschlagen werden.

Autoverkehr wird langsamer, aber flüssiger fließen

Den Autoverkehr will der ADFC flächendeckend auf 30 Stundenkilometer drosseln, zugleich aber auch flüssiger laufen lassen. Ampeln könnten mit grünen Pfeilen für Rechtsabbieger versehen, vielleicht aber auch abgebaut oder zeitweilig abgeschaltet werden, wo sie bei langamerem Tempo und geringerer Fahrzeugdichte nicht mehr nötig sind.

Ihre Funktion würde dann durch Kreisverkehre und Zebrastreifen übernommen. Davon erhofft sich der ADFC ein Vermeiden von Staus, die Nerven kosten, Abgase verursachen und mit Stopp-and-Go-Verkehr für lautes Anfahren sorgen.

Weniger Autos brauchen weniger Parkplätze

Weniger Autoverkehr bedeute in Teilen der Stadt weniger Platzbedarf fürs Parken. Gerade für die Innenstadt kann sich der ADFC vorstellen, Parkplatzflächen in Grünanlagen zu verwandeln. Das würde dem Stadtklima dienen und Unna attraktiver machen. Für einige Straßen der Innenstadt ließe sich dann ein teilweises Autoverbot aussprechen: Anwohner und Lieferanten dürften mit dem Wagen rein, Besucher nicht.

Unterm Strich zeichnet der ADFC die Vision einer Stadt, in der weniger Autos fahren, deren Fahrzeuglenker aber auch entspannter unterwegs sind, wenn es einmal gar nicht anders geht. Ein größerer Anteil der Besucher nutzt Fahrrad, Bus und Bahn, ohne dies als unsicher oder unkomfortabel zu empfinden. „Das ist ein Diskussionsbeitrag“, erklärt Helmut Papenberg. „Wir wollen aufzeigen, dass eine Verkehrswende nicht Verzicht bedeutet, sondern einen Gewinn an Lebensqualität.“

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