Verkehrswende: Es geht nicht ums Verbieten, sondern ums Gestalten!

dzKommentar

Unna hat sein erstes Wahlkampfthema: Wie sich die Parteien zur Verkehrswende in der Stadt positionieren, dürfte großen Einfluss auf den Wahlausgang 2020 haben. Darin könnte eine echte Chance liegen. Dazu ein Kommentar unserer Redaktion.

Unna

, 31.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verkehrswende. Das klingt sperrig, kompliziert, weit weg vom Alltag. Wenn Politiker und Verwaltung über die Verkehrswende sprechen, dann hört man genau das heraus: Das ist zu kompliziert, zu teuer, da sind wir nicht zuständig. Und überhaupt: Man kann den Leuten ja nicht das Autofahren verbieten.

Wenn Bürger über die Verkehrswende sprechen, dann hört man dies: Der Weg mit dem Rad zur Schule ist für die Kinder zu unsicher, könnte man da nicht Fahrradstraßen einrichten? Das Pendeln mit dem ÖPNV ist eine tolle Alternative, wenn die Preise nicht zu hoch und das ganze Verbundsystem nicht so kompliziert wären. Das ist nicht sperrig, nicht kompliziert und es ist vor allem ganz nah dran am Alltag jedes Unnaers. Warum also klappt es seit Jahren nicht, den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren und denen, die mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, mehr sicheren Raum zu geben?

Jetzt lesen

Wenn ein 17-jähriger Schüler schon Angst auf dem Schulweg hat, weil er als Radfahrer von Autos geschnitten wird, wer will es da Eltern vorwerfen, wenn sie ihr zehnjähriges Kind lieber mit dem Auto zur Schule bringen?

Es fehle an Fachpersonal und Unterstützung vom Land, heißt es. Beides stimmt. Gleichzeitig stimmt aber auch: Nie schien die Bereitschaft der Bürger, sich auf die Verkehrswende einzulassen, größer als derzeit. Braucht es wirklich neun Autostellplätze an dem neuen Platz am Morgentor? – Allein diese Frage eines Bürgers zeigt, dass es mittlerweile offenbar immer mehr Menschen in Unna gibt, die ihr eigenes Verkehrsverhalten kritisch hinterfragen und die bereit sind, auf ein Auto zu verzichten, wenn man ihnen angemessene und vor allem sichere Alternativen bietet.

Wenn ein 17-jähriger Schüler schon Angst auf dem Schulweg hat, weil er als Radfahrer von Autos geschnitten wird, wer will es da Eltern vorwerfen, wenn sie ihr zehnjähriges Kind lieber mit dem Auto zur Schule bringen? Die Stimmen, die genau dies anprangern, werden gerade immer lauter. Und das Wichtigste dabei: Es sind eben nicht mehr nur die Stimmen der Fahrrad-Lobbyisten, die eine Verkehrswende fordern. Ob junge „Fridays for Future“-Aktivisten, besorgte Eltern oder Arbeitnehmer, die keine Lust mehr auf endlose Staus haben: Ihre Stimmen werden in Unna lauter. Die Parteien täten gut daran, diesen Stimmen Gehör zu schenken. Ein Jahr vor der Kommunalwahl sind Unnas Bürger drauf und dran, das abstrakte Thema „Verkehrswende“ zur Gretchenfrage im Wahlkampf zu machen. Darin liegt eine Chance – für die Politik und vor allem für die tatsächliche Realisierung der Verkehrswende in Unna, ganz nah am Alltag der Bürger.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bildungscampus
Spatenstich noch 2019: Auf 1100 Pfählen entsteht der Bildungscampus Königsborn
Hellweger Anzeiger Verkehrssicherheit
Schnelle Autos, wenig Übersicht: Massener Bahnhofstraße als Schulweg „katastrophal“
Meistgelesen