Schülerlotsen in Unna? Verkehrswacht sieht Klärungsbedarf

dzSchulwegsicherung

Die Idee, Schülerlotsen in Unna einzusetzen, erscheint zunächst sinnvoll. Doch die Verkehrswacht Kreis Unna warnt: Der Dienst erfordert enormen Aufwand. Das zeigt das Beispiel Selm.

Unna

, 09.03.2020, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kann man den Weg von Grundschülern in Unna sicherer machen? Dieser Frage geht die Stadtverwaltung regelmäßig nach. Neu im Fokus ist die Einrichtung eines Schülerlotsen-Dienstes. Der könne Kindern an der Schillerschule Massen und an der Liedbachschule Billmerich mehr Sicherheit geben, heißt es.

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Die Idee steckt noch in den Kinderschuhen. Eine Prüfung, ob ein solches Projekt durchführbar sein könnte, läuft für beide Schulen. Die Verkehrswacht Kreis Unna, die ein wichtiger Kooperationspartner für die Stadt sein müsste, warnt vor zu großer Euphorie.

Schülerlotsen seit 20 Jahren in Selm

Geschäftsführer Manfred Grod verweist auf das Beispiel Selm. Dort gibt es seit 20 Jahren Schülerlotsen – oder genauer gesagt: Verkehrshelfer. So heißen die Ehrenamtlichen mit der Kelle nämlich, die Kindern beim Überqueren von Straßen an Schulen helfen sollen. Selm ist damit aber auch die einzige Stadt, in der es diese Form der Schulwegsicherung gibt.

„Dafür braucht man mehr als 20 Personen“, macht Grod darauf aufmerksam, dass es mit ein paar Freiwilligen nicht getan ist. In Selm übernehmen ältere Schülerinnen und Schüler der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule die ehrenamtliche Aufgabe. Sie alle müssen intensiv geschult werden, bevor sie erstmals mit der Kelle Autofahrer stoppen.

„Die Schülerinnen und Schüler bekommen eine Urkunde und einen Sozialvermerk in ihrem Zeugnis. Das hilft ihnen sicher, wenn sie sich mal bewerben“, weiß Grod. Weder in Massen und erst recht nicht in Billmerich gibt es in unmittelbarer Nachbarschaft der Grundschulen aber weiterführende Schulen, die eingebunden werden könnten. Das bedeutet: Es müssten sicher (auch) Erwachsene gefunden werden, die als Verkehrshelfer tätig werden wollen.

Verkehrswacht arbeitet selbstständig

In Selm stattet die Verkehrswacht die Lotsen aus, auch mit Winterkleidung. „Das alles gibt es nicht umsonst“, macht Grod klar, dass auch die Mittel der Verkehrswacht begrenzt sind. „Wir sind autonom“, erklärt Grod weiter. Es gebe kein Selbstverständnis, dass die Verkehrswacht die Kosten übernehme.

Ein qualifizierter Polizeibeamter würde die Aufgabe nehmen, die Verkehrshelfer auszubilden. „Das gesamte Projekt muss gut organisiert sein“, sagt Grod. Er hält nicht viel davon, zu früh allzu große Erwartungen zu wecken, freut sich aber natürlich über die Idee. „Es wäre nur schön, wenn jemand von der Stadt auch schon mit uns gesprochen hätte.“

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