Kein Weihnachtsmarkt, keine Treffen: Unnas Vereine leiden unter der Corona-Krise

dzEhrenamt

Menschen sollen sich nicht treffen, die meisten Aktionen sind verboten: Corona ist ein Problem für ehrenamtliche Initiativen. Und das Virus ist nicht das einzige. Gute Ideen gibt es aber auch.

Unna

, 18.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wissenschaftler haben die ehrenamtlichen Strukturen in Unna untersucht. Mit den Ergebnissen hat sich die Ehrenamtsagentur nun beschäftigt. Es zeigt sich: Corona macht die Aktivierung von Menschen noch schwieriger. Es zeigt sich aber auch: An kreativen Ideen, mit denen mehr Menschen zum Mitmachen aktiviert werden, mangelt es nicht in Unna.

Ebbe im Portemonnaie der ehrenamtlichen Arbeit

Ein Verein, der sonst auf dem Weihnachtsmarkt in einer Bude Glühwein oder Gebäck verkauft, hat in diesem Jahr schlechte Karten. Der Weihnachtsmarkt muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen und damit diese gesamte Einnahmequelle.

Andere Initiativen profitieren normalerweise davon, wenn Menschen etwas zu feiern haben: Mancher Jubilar bittet seine Festgäste, lieber dem Verein seines Vertrauens eine Spende zu überweisen, anstatt ein Geschenk zu kaufen. Doch ohne Fest keine Gäste – keine Spende.

„All das fehlt im Portemonnaie der ehrenamtlichen Arbeit“, sagt Gabi Müller-Vorholt. Die pensionierte EBG-Schulleiterin engagiert sich inzwischen in der Ehrenamtsagentur und berichtet von der jüngsten Netzwerkkonferenz.

Ein solches Bild kennen inzwischen viele aus dem Privat- oder vor allem Berufsleben: Die jüngste Konferenz der Unnaer Ehrenamtsagentur fand via Internet statt.

Ein solches Bild kennen inzwischen viele aus dem Privat- oder vor allem Berufsleben: Die jüngste Konferenz der Unnaer Ehrenamtsagentur fand via Internet statt. © Stadt Unna

Mehr digitaler Austausch

Dieser Austausch, an dem Vertreter von Vereinen, Kirchen, Parteien und Initiativen teilnahmen, fand nicht wie frühere Treffen in der Stadthalle statt, sondern digital: An einer Videokonferenz nahmen 45 Personen teil. Im Angesicht der Lage sei man durchaus glücklich mit dieser Beteiligung, so Müller-Vorholt.

Gespräche und Diskussionen via Internet sind nicht nur der derzeit einzige Weg für die Ehrenamtsagentur. Sie sind auch ein Teil der Problemlösung für die verschiedenen Initiativen in Unna. So wurde im Rahmen der Netzwerkkonferenz vorgeschlagen, für Vereine Schulungen in digitalen Medien anzubieten. Die VHS könne ihr Angebot in dieser Hinsicht erweitern.

Kontakt

Digitale Ehrenamtsbörse

  • Viele Menschen in Unna hätten Zeit übrig – die einen mehr, die anderen weniger. Sie könnten sich vorstellen sich ehrenamtlich zu engagieren, wissen aber nicht, wie, wo oder wofür. Auf der anderen Seite gibt es Vereine, Projekte und Initiativen, die Mitstreiter suchen.
  • Diese Nachfrage und diese Angebote will die Ehrenamtsagentur Unna zueinander führen. Das Bündnis unterhält dauerhaft eine Übersicht zahlreicher Initiativen, in denen sich Frauen oder Männer, Jung oder Alt betätigen können.
  • Infos und Kontaktdaten gibt es auf der Internetseite ehrenamt-unna.de.

Wertvolle Nettigkeiten an der Haustür

Insgesamt wünschen sich Ehrenamtliche einen häufigeren Austausch, gerade wegen der Corona-Krise, die es zu bewältigen gilt. Aufs Digitale allein will man sich aber nicht beschränken, im Gegenteil: Als ein Mittel zur Aktivierung von Ehrenamtlichen werden Hausbesuche genannt: Ein freundliches Wort in Verbindung mit einem Blümchen oder einer Tafel Schokolade, die an der Haustür abgegeben werden, kann in diesen Tagen wertvoller sein denn je.

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Befragung in Gartenvorstadt und Dörfern

Inhalt der Konferenz war neben der Corona-Bewältigung vor allem eine wissenschaftliche Studie zum Ehrenamt: Sozialwissenschaftler der Fachhochschule Dortmund hatten in diesem Jahr Tausende Fragebögen an Bürger in Unna verschickt.

Eine urbane Zielgruppe waren die Menschen in der Gartenvorstadt. Adressaten in den Ostgemeinden wiederum wurden als Vertreter des ländlichen Raums adressiert. In den Dörfern, in denen es beispielsweise noch viele Vereine gibt, hat Ehrenamt andere Züge als in der Stadt. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten in der Bewertung. So wurde vielfach genannt, dass es mehr Informationen über Angebote geben müsse.

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Neulinge wünschen Ehrenamts-Infos

Hier sei es von großem Wert gewesen, dass erstmals nicht nur ehrenamtlich Aktive befragt wurden, sondern auch Nicht-Aktive, die vielleicht noch eine Aufgabe suchen. „Wir haben in Unna eine Fluktuation von zwei- bis dreitausend Neubürgern im Jahr“, sagt Müller-Vorholt. Es gibt also immer wieder Neulinge, die Anschluss in ihrer neuen Stadt suchen.

Diese gezielt anzusprechen, wurde als eine wichtige Idee herausgearbeitet. Infotaschen, Begrüßungen durch Ortsvorsteher oder Führungen: Solche Initiativen sollen ins Leben gerufen beziehungsweise forciert oder reaktiviert werden.

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