Verabredung beim kreuzenden Kellner: Außengastronomie am Morgentor kann starten

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Achtung: Ab sofort können Kellner kreuzen. Was am Morgentor jetzt endlich gebaut ist, könnte schon jetzt Unnas neues Gastronomie-Aushängeschild werden. Und dabei ist das Ausgehviertel erst halb fertig.

Unna

, 24.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der „Platz am Morgentor“ ist eigentlich erst halb fertig, aber schon jetzt hat sich das Bild des Viertels erheblich verändert. Der Bau der drei Außenterrassen für die Gastronomie ist abgeschlossen. Und ab sofort kann das neue Ausgehviertel am Rand der Innenstadt mit Leben gefüllt werden, soweit es die Corona-Auflagen zulassen.

Ohne Hohlraum-Panne keine neuen Terrassen

Drei Terrassen und Abschnitte einer Stadtmauer-Nachbildung sind gebaut. In den vergangenen Wochen waren die drei Ebenen zwischen dem Ostring und den historischen Gebäuden am Rand des Nicolaiviertels betoniert und gepflastert worden. Die Vorplanungen und -arbeiten hatten lange gedauert. Ein unvorhergesehenes Ereignis hatte die Bauarbeiten dort einerseits erheblich verzögert, andererseits das Projekt in seiner jetzigen Form erst möglich gemacht.

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„Ohne den Hohlraum hätten wir die Terrassen gar nicht neu gebaut“, sagte Jens Toschläger, Technischer Beigeordneter im Rathaus, am Freitag bei einem Ortstermin. Er erinnert an den Fund von Hohlräumen vor drei Jahren, darunter Reste einer früheren Kleinbrauerei. Diese mussten verfüllt werden, um das Areal nach den Arbeiten für den Neubau des Kortelbach-Rohrs wieder sicher herrichten zu können. Letztlich wurde dann beschlossen, diese Notwendigkeiten als Chance für eine grundlegende Neugestaltung zu nutzen. Wichtigstes Ziel dabei war die Schaffung einer neuen Aufenthaltsqualität.

Kosten

Insgesamt 1,2 Millionen Euro

  • Das Projekt „Platz am Morgentor“ kostet insgesamt 1,2 Millionen Euro. Die Summe schließt beide Bauabschnitte ein, die jetzt fertig gestellten Terrassen und den Umbau von Kreuzung, Platz und Parkplätzen ab Herbst 2021.
  • Der Anteil der Stadt Unna beträgt 900.000 Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte eine Förderung von 75 Prozent bewilligt.
  • In den städtischen Eigenanteil fließen auch freiwillige Beiträge von Anliegern ein, etwa aus der Gastronomie.
  • Das Schild mit dem Hinweis auf kreuzende Kellner bedurfte übrigens einer gesonderten Finanzierung: Als nicht-offizielles Verkehrszeichen konnte die Stadt Unna nicht städtisches Budget dafür verwenden. So sprang die Firma Stahlbau Merten ein und lieferte Schild und Pfosten auf eine eigene Rechnung.

Zweiter Abschnitt ab Herbst 2021

Ganz oben können nun Gäste des Restaurants Tapas sitzen. Die Fläche eine Stufe weiter unten nutzt das Waffelstübchen. Den Abschluss bildet eine neue Biergartenfläche für das Tortuga. Letztere ist jetzt zur Hälfte fertig. Die Stadt Unna plant einen zweiten Bauabschnitt, mit dem im Herbst 2021 begonnen werden soll - nach dem Neubau der Burgstraße und Kleinen Burgstraße.

Dabei wird die heutige Kreuzung zurückgebaut. Die Fahrbahn für Autos soll verringert werden. So entsteht Platz für die zweite Tortuga-Terrassenhälfte. Am Rand des Stadtgartens wird der Parkplatz umgekrempelt. Acht von 19 Stellplätzen fallen weg, damit der Verkehr vom Ring sich über eine Fahrspur ins Burgviertel schlängeln kann. Auch den Biergarten des Ollen Kotten sollen Autos dann weniger stören, weil das Straßenstück davor abgebunden und Teil des neuen Platzes wird.

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Künftig neue Verkehrsführung

Autofrei wird die Fläche allerdings nicht. Denn was ins Burgviertel fährt - sei es zu Privathäusern, zu Ärzten oder zur Sparkasse - das muss auch wieder hinaus. Die Morgenstraße bleibt befahrbar. Und an ihrem unteren Ende, vor der Kreuzung, kommt die Stelle, an der sich das neue Konstrukt demnächst beweisen muss. Die Planer gehen davon aus, dass der neue Charakter der künftig gepflasterten Fläche den Verkehr ausbremsen wird. „Wir gehen davon aus, dass das funktioniert“, sagte Toschläger.

Sylvia Klemp und Volker Kahlert vom Tiefbauamt stehen auf einer der Terrassen am jüngsten Abschnitt des Stadtmauer-Nachbaus. Die Mauer soll ab Herbst 2021 weiter in Richtung Stadtgarten gebaut werden, mit Öffnungen für den Verkehr, wo es nötig ist.

Sylvia Klemp und Volker Kahlert vom Tiefbauamt stehen auf einer der Terrassen am jüngsten Abschnitt des Stadtmauer-Nachbaus. Die Mauer soll ab Herbst 2021 weiter in Richtung Stadtgarten gebaut werden, mit Öffnungen für den Verkehr, wo es nötig ist. © Raulf

„Shared Space“: Im Vorfeld hatte dieser Begriff im Zusammenhang mit der Planung aufmerken lassen und teils für Diskussionen gesorgt. Mit dem „geteilten Verkehrsraum“ ist gemeint, dass sich auf einem Platz alle gleichberechtigt und mit gegenseitiger Rücksichtnahme begegnen - vom Fußgänger über den Radfahrer bis zum Autofahrer. Rund um die Kreuzung Ostring/Morgentor wird es aber auch mit Abschluss des letzten Bauabschnitts eine Verkehrsregelung geben, wie die verantwortlichen Beigeordneten Dirk Wigant und Jens Toschläger klarstellten.

Außengastronomie

Bewirtung ab sofort möglich

  • Alle drei Außenterrassen am Morgentor können ab sofort für die Bewirtung von Gästen genutzt werden. Die Kneipe Tortuga kann zusätzlich Tische entlang ihrer Hausfassade am Güldenen Trog aufstellen, da ihre neue Terrasse zunächst nur zur Hälfte fertig gebaut ist.
  • Am Samstag, 25. Juli, gibt es eine kleine Eröffnungsparty auf den neu gestalteten Terrassen. Es gibt auch Live-Musik. Alle Interessierten sind eingeladen, insbesondere Nachbarn und Anwohner des Nicolaiviertels. Beginn ist um 12 Uhr.

Zur Ringkreuzung hin wird es Abbiegespuren für Autos geben, an den Rändern des Platzes Leitlinien im Boden und Poller zur Abgrenzung.

Achtung! Kellner kreuzt

Den Gedanken, dass nun mit anderen Verkehrsarten zu rechnen ist, greift die Stadt schon jetzt auf: mit einem Augenzwinkern in Form des Schilds „Kellner kreuzt“. Der für Rechtsfragen zuständige Beigeordnete Wigant wies auf die grüne Umrandung hin. Diese habe man bewusst ausgewählt. „Das ist kein offizielles Verkehrszeichen“, erklärte Wigant. „Es soll dem Viertel ein bisschen Pepp geben.“

Wird einem Kellner die Vorfahrt genommen, dann ist wegen des Schilds nicht mit einem Knöllchen zu rechnen. Allerdings, auch das betonte Wigant, gelten Verkehrsregeln, vor allem die wichtigste: Rücksichtnahme. Und im verkehrsberuhigten Bereich, erkennbar am blauen „Spielstraße“-Schild, haben Autos im Schritttempo zu fahren.

Hier soll es noch grüner werden. Technische und Sicherheitsgründe machen Betonwände, Geländer und Zäune nötig. Eine Buchenhecke den Rand der Terrassenanlage zum Ring verschönern.

Hier soll es noch grüner werden. Technische und Sicherheitsgründe machen Betonwände, Geländer und Zäune nötig. Eine Buchenhecke den Rand der Terrassenanlage zum Ring verschönern. © Raulf

Vielleicht werde es ja für die Unnaer üblich, sich „am kreuzenden Kellner“ zu verabreden, meinte Tiefbauamtsleiter Volker Kahlert, der das ungewöhnliche Verkehrszeichen in Wuppertal entdeckt hatte.

Zum Wohlfühlen an diesem neuen Treffpunkt müssen nun noch Landschaftsgärtner und die Natur ihren Beitrag leisten. Erste Heckenpflanzen zwischen den Terrassen sind bereits eingesetzt. Sie sollen auch den Müllcontainer-Standort optisch von den Gastronomieflächen abschirmen. Eine hoch wachsende Buchenhecke ist für die Mauer mit Geländer entlang des Ostrings bestellt.

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