Radfahren in Unna: Von Autos abgedrängt, von Fußgängern angemeckert

Usermeinungen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Wir behalten uns das Recht auf Kürzungen vor. © Ohlrich
Lesezeit

Fast täglich sind im Moment Berichte über die Probleme mit den Radlern zu lesen. Seit ca. vier Jahren fahre ich nur E-Bike und halte mich ziemlich an alle Regeln, also so, wie es die Autofahrer und die Fußgänger auch machen. Ich benutze mein Rad als tägliches Fortbewegungsmittel und nicht nur als Freizeitsportgerät. Das bedeutet, dass ich genau wie die Autofahrer möglichst auf kurzem, schnellem Weg ankommen möchte.

Ich möchte an dieser Stelle einmal die Sicht einer Radfahrerin schildern: Ich werde zunehmend von Autofahrern abgedrängt, zu knapp überholt, von Fußgängern ausgebremst. Gerne nach dem Motto „Die fährt mit ihrem E-Bike eh immer zu schnell.“ Die Radler sind inzwischen die schwächsten Verkehrsteilnehmer, denn die Autos sind eh schneller und die Fußgänger haben immer Recht.

Aber an vielen Stellen muss der Radler die Fehler der Planer und der Verwaltungen ausbaden. Bei der Mühle Bremme z. B. ist es doch klar, dass niemand hinter so einer massiven Betontreppe sehen kann, wer von wo kommt. Selbst ein Jogger würde da jemanden umlaufen.

Am Amtsgericht z. B. läuft der Radweg ziemlich plötzlich auf die viel befahrene Friedrich-Ebert-Straße. Genau an dieser Stelle fehlt seit Wochen ein Gullideckel und daher steht da eine Absperrung. Das ist jedes Mal eine Mutprobe. An der Ecke Kamener Straße/Zechenstraße ist die Ampelschaltung für Radler total irritierend, da gibt es häufig Streit und man wird zu Unrecht angeschrien u.v.m.

Wenn ich Fußgänger überhole, kann ich innerlich wetten, ob er oder sie die Klingel nicht hört oder mich anmeckert, weil er oder sie sich total erschreckt. Ich soll auf meinem Teil des Radweges langsamer werden, weil nebenan jemand mit Hund geht. Aber wird irgendein Auto langsamer, wenn auf dem Bürgersteig jemand hergeht? Bleibt ein Fußgänger einfach mal so stehen, wenn ich da angefahren komme?

Manchmal ist es schon echt schwierig. Aber es funktioniert nicht, wenn alle sich über jeden aufregen, wenn alle sich ständig im Recht fühlen. Wenn alle Radler wieder ins Auto steigen, ist weder dem Verkehr in Unna noch dem Klima geholfen.

Es kann nur funktionieren, wenn alle als gleichwertige Verkehrsteilnehmer angesehen werden.