Urlauben, wo Unnas Steinmetze leben: Redakteurin befolgt Geheimtipp - und wird nicht enttäuscht

dz„Schönste Altstadt Deutschlands“

Bei ihrer Urlaubsplanung verlässt sich Redakteurin Vivien Nogaj ganz auf den Tipp von Polier Thomas Salinger, der Unnas Stadtkirche saniert. Sie hat nun seine Heimat kennengelernt.

Unna

, 04.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind doch die Zufälle, die das Leben erst besonders machen, und die Geheimtipps, die dem Urlaub fernab von überlaufenen Ausflugszielen eine besondere Note verleihen. Gerade in Zeiten von Corona, wo man die Urlaubsplanung ohnehin alternativer gestalten muss als angenommen, ist man dankbar um jeden Tipp. Das bin auch ich, als mir die bayerische Kreisstadt Dinkelsbühl als Reiseziel angepriesen wird. Nicht etwa durch eine Reisekauffrau oder ein gängiges Portal im Internet, sondern höchstpersönlich vom ortskundigen Polier Thomas Salinger, der derzeit in Unna an der Sanierung der Stadtkirche arbeitet.

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Rund 450 Kilometer von Unna entfernt

Während es bei mir nur eine einmalige Reise werden soll, fährt Salinger die Strecke öfter: Jeden Montagmorgen um drei Uhr steigt er im bayerischen Dinkelsbühl mit seinem Kollegen ins Auto und fährt rund 450 Kilometer ins nordrhein-westfälische Unna. Seit November vergangen Jahres ist Salinger hier auf Montage, um das Gemäuer der Stadtkirche instand zu setzen. Seine Arbeit mache ihm Spaß; auch Unna mit seinen schönen Bauwerken und kleinen Fachwerkhäusern gefalle ihm gut - aber: „Mit Dinkelsbühl ist das natürlich nicht zu vergleichen.“

Alles gut: Redakteurin Vivien Nogaj freut sich, nach der Anreise endlich in Dinkelsbühl angekommen zu sein.

Alles gut: Redakteurin Vivien Nogaj freut sich, nach der Anreise endlich in Dinkelsbühl angekommen zu sein. © Lena Ilting

Denn seine Heimatstadt im bayerischen Franken hat mehr als nur hübsche Fachwerkhäuschen zu bieten: Mittelalterliche Türme und Tore, verwinkelte Gassen und eine historische Mauer gehören zum Stadtbild dazu. Den besonderen Charme der Stadt, die auch während des Zweiten Weltkriegs nicht beschädigt worden und nun seit über 400 Jahren unversehrt ist, spürt man auch heute noch. Das befindet nicht nur Thomas Salinger, sondern auch ich, als ich während meines Urlaubs dann tatsächlich auf dem Dinkelsbühler Marktplatz stehe.

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„Man kann dort super gut Pause machen. Das ist besser als auf dem Rastplatz.“
Thomas Salinger über die verkehrsgünstige Lage seiner Heimatstadt Dinkelsbühl

„Schönste Altstadt Deutschlands“ laut Nachrichtenmagazin Focus

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ hat die Stadt im Jahr 2014 sogar zur „schönsten Altstadt Deutschlands“, gekürt - eine Auszeichnung, auf die sich auch Thomas Salinger stützt, als er mir noch vor wenigen Wochen einen Flyer seiner Heimatstadt in die Hand drückt. Dass diese Lobpreisung tatsächlich auch bei mir zieht, ahne ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ein weiteres günstiges Kriterium, über das die Stadt verfügt, überzeugt mich dann aber gänzlich: Auf dem Weg von Unna in die Alpen liegt Dinkelsbühl nahezu in der Mitte, direkt an der A7. Das weiß auch Salinger.„Man kann dort super gut Pause machen. Das ist besser als auf dem Rastplatz“, sagt er.

Am Abend ist es in Dinkelsbühl entlang der Stadtmauer besonders romantisch.

Am Abend ist es in Dinkelsbühl entlang der Stadtmauer besonders romantisch. © Vivien Nogaj

Nicht nur besser als auf einem Rastplatz, sondern auch besser als das touristisch bekanntere und nahegelegene Rothenburg ob der Tauber gefällt mir Dinkelsbühl dann letztlich auch: Die Stadt ist mit ihren vielen urigen Einkehrmöglichkeiten und den hübschen farbenfrohen Häusern ein echter Hingucker, ohne überlaufen zu sein. Fast schon märchenhaft sieht es aus, wenn der Mond über die Altstadtmauer hinweg durch die verwinkelten Gassen scheint; oder wie die Geschäftsnamen moderner Läden in altdeutscher Schrift auf die Hauswand gepinselt sind.

Originell: Die Namen der Geschäfte sind in Dinkelsbühl in altdeutscher Schrift auf die Hauswand gepinselt.

Originell: Die Namen der Geschäfte sind in Dinkelsbühl in altdeutscher Schrift auf die Hauswand gepinselt. © Vivien Nogaj

Um diesen besonderen Charme der Stadt weiß auch Thomas Salinger. Deshalb – und natürlich wegen seiner Familie – fahre er jedes Wochenende nach Dinkelsbühl runter.

Wenn er auch an diesem Wochenende dort auf dem Marktplatz sitzt und eine Brezel isst, bin ich vielleicht ein wenig neidisch. Mehr noch aber dankbar, für die Reise zu einer Stadt, die ich kennenlernen durfte, weil der Polier an Unnas Stadtkirche sie mir empfohlen hat. Denn Zufälle und Geheimtipps machen das Leben einfach schöner.

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