Philipp Neuhaus und die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Kamen sorgen mit ihrer Arbeit für mehr Verkehrssicherheit auf der Autobahn. © Maximilian Konrad
Autobahnkreuz Unna/Dortmund

Urin, Fäkalien und Geldbeutel: Von der abenteuerlichen Pflege der Autobahn

Die Autobahnmeisterei Kamen sorgt dafür, dass die Randbereiche der Autobahnen gereinigt werden. Dabei finden die Arbeiter viele ungewöhnliche Dinge, die Kraftfahrer entsorgen.

Yves Kirchhoff und Reiner Dunker kann eigentlich nichts mehr wirklich überraschen. „Es gibt nichts, was wir noch nicht gefunden haben“, sagt Kirchhoff.

Die beiden Männer arbeiten für die Autobahnmeisterei Kamen und sind am Sonntag (21. November) am Autobahnkreuz Dortmund/Unna unterwegs. Ihre Aufgabe: die Gehölzpflege.

Für mehr Verkehrssicherheit müssen Sichtachsen und Schilder freigeschnitten und Baumbestände so gepflegt werden, dass von ihnen keine Gefahr für den Verkehr ausgeht. Bei den Arbeiten kommen dann einige Dinge zum Vorschein, die Auto- oder Lkw-Fahrer während der Fahrt entsorgen. Und dabei wird es eklig.

„Wir haben uns schon an die PET-Flaschen mit Urin gewöhnt. Wir vermuten, dass diese auf Fernfahrer zurückgehen. Zudem haben wir schon einige Beutel mit Fäkalien gefunden“, erzählt Reiner Dunker.

Portmonees mit mehreren hundert Euro

Besonders ungünstig lief es einmal für Yves Kirchhoff, während er Grünschnitt-Arbeiten durchführte. „Als ich mit meinem Häcksler durch das hohe Gras ging, merkte ich nicht, dass eine volle PET-Flasche vor mir lag. Der Häcksler zerteilte die Flasche und der Urin spritzte mir voll ins Gesicht.“ Mittlerweile kann Kirchhoff über die Geschichte lachen, damals erlebte er es als abscheulich.

Mit diesem
Mit diesem „XXL-Sauger“ wird der Dreck und das Laub, das sich am Rand des Strandstreifens der Autobahn befinden, eingesogen. © Maximilian Konrad © Maximilian Konrad

Aber es gibt nicht nur Körperausscheidungen, die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei finden. Auch Portmonees mit mehreren hundert Euro inklusive Kreditkarten haben sie schon aufgespürt. „Aber das ist in den vergangenen Jahren seltener geworden“, erzählt Dunker.

Etwa vier bis fünf Tonnen Dreck kommt zusammen

Einmal im Jahr steht die Gehölzpflege an. Dafür wird bewusst der Zeitraum zwischen November und März gewählt, da ab dem Mitte März die Nist- und Brutzeit von Vögeln ansteht. Und die wolle man schließlich nicht gefährden, sagen die beiden.

Mit schwerem Gerät wühlen sie zunächst den Boden am äußersten Ende des Standstreifens auf. Mit einem „XXL-Staubsauger“ saugen sie den Dreck dann auf. Dabei kommen über den gesamten Tag etwa vier bis fünf Tonnen zusammen. „Etwa 2,5 Tonnen haben wir schon“, sagt Reiner Dunker gegen Mittag, nachdem die vier Mitarbeiter der Autobahnmeisterei um 7.30 Uhr mit ihrer Tätigkeit begonnen hatten.

Swen Gröning war beispielsweise dafür zuständig, mit seinem Bagger die großen Äste und schweren Gehölze zu schneiden. Das Schnittgut wird anschließend entfernt, damit in den Bereichen eine Naturverjüngung stattfinden kann und wieder austreibende Wurzelstöcke sich entwickeln können. Später wird das Schnittgut weiterverwertet und als gehäckselte Biomasse energetisch genutzt oder kommt als Holzwerkstoff zum Einsatz.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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