Zwei der neuen Putenställe sind nur etwa 20 Meter vom Garten der Rybas entfernt. Sie grenzen direkt an den Weg "Hacheney" in Unna Stockum. © Carina Sichtermann
Putenmastanlage Stockum

Update nach einem halben Jahr: „Ein riesiger Klotz und es stinkt“

Die Puten sind bereits in den Ställen: Das Stockumer Ehepaar Monika und Werner Ryba berichtet, wie es nach erfolglosem Eilantrag auf Baustopp unter den neuen Putenställen leidet.

Am Weg, der direkt an den Ställen vorbeiführt, ist der beißende Geruch von Fäkalien der Puten deutlich zu vernehmen, bei Nordostwind reicht der Geruch auch bis zum Haus, berichtet das Ehepaar Ryba.

Im November letzten Jahres haben Monika und Werner Ryba gegen die Baugenehmigung von zwei Putenmastställen in Unna-Stockum geklagt. Der Tierärztin und Landwirtin Dr. Alexandra Engels gehörten zu dem Zeitpunkt bereits drei Ställe mit insgesamt 30.000 Puten in Bönen. Direkt nebenan in Unna-Stockum hat sie ihren Betrieb mittlerweile um drei weitere Ställe mit je 4.000 Puten erweitert. Der Eilantrag der Rybas zum Baustopp für zwei der neuen Ställe wurde im Januar abgelehnt. Alexandra Engels konnte weiterbauen lassen. Mittlerweile befindet sich die erste Generation Puten in den Ställen.

Dr. Alexandra Engels errichtete in Unna Stockum drei neue Putenmastställe, um ihren Betrieb im angrenzenden Bönen auszubauen.
Dr. Alexandra Engels errichtete in Unna Stockum drei neue Putenmastställe, um ihren Betrieb im angrenzenden Bönen auszubauen. © Carina Sichtermann © Carina Sichtermann

Für das Ehepaar ist das eingetreten, was es immer befürchtet hatte: Tierleid, Naturzerstörung und Immissionen direkt vor der Haustür. Werner und Monika Ryba erschaudern bei der Vorstellung, dass da „8.000 Puten auf engstem Raum, ohne Tageslicht zusammengepfercht“ sind.

Die Rybas schneiden ihre Hecken und Bäume mit Ausrichtung auf die Ställe nicht mehr. Sie möchten einen Sichtschutz haben. Der Wall, den Engels zwischen den Ställen und dem Garten errichtet hat, sei nicht hoch genug. Doch nicht nur den Blick auf die etwa 120 Meter langen Ställe mit hohen Schornsteinen empfindet das Ehepaar als störend, auch der Gestank bei Nordostwind belastet sie. Selbst Radfahrer und Fußgänger empörten sich über den Gestank.

Haltungsform 2 sei nicht zukunftsorientiert

Werner Ryba wundert sich immer noch über den Zukunftsaspekt, den Alexandra Engels bei der Begründung zum Betriebsausbau nannte. „Ihre Kinder könnten für die Zukunft etwas ganz anderes vorhaben, vielleicht werden sie ja sogar Veganer, weiß ja niemand“, spekuliert er.

Derzeit sei ein Umdenken in der Gesellschaft zu beobachten; immer weniger tierische Produkte würden konsumiert. Verbraucher fragten ganz bewusst, wie die Tiere gehalten werden und Lebensmittelhändler reagierten darauf, bringt Werner Ryba außerdem als Beispiel. Die Putenmast der Tierärztin laufe unter Haltungsform 2, so die Rybas. Bei dieser Haltungsform-Kategorie gibt es keine Vorgaben für die Haltung von Puten. Dem Ehepaar Ryba scheint die Putenhaltung bei Dr. Alexandra Engels nicht zeitgemäß und zukunftsorientiert. Die Landwirtin selbst ließ eine Anfrage unserer Redaktion mit Bitte um Stellungnahme unbeantwortet.

Die Klage gegen die Baugenehmigung läuft zwar noch, aber Monika und Werner Ryba sind bereits hoffnungslos. Sie sind immer noch entsetzt, dass die Stadt Unna so einen Bau auf Kosten der Natur, der Tiere und der Anwohner genehmigt hat.

„Es tut uns leid, dass wir trotz der zahlreichen Unterstützung auf dem Klageweg nicht mehr erreichen konnten. Das Ganze ist ein Politikum und wir hoffen, dass durch das große Interesse in der Bevölkerung solche Ställe in Zukunft nicht mehr genehmigt werden“, sagt das Ehepaar.

Kundgebung gegen die Putenmast

Der Tierrechts-Verein Animal Rights Watch (ARIWA) veranstaltet in diesem Jahr eine Demonstrationsreihe rund um das Thema Puten. Der Verein ist auf den Bau der Putenställe in Bönen aufmerksam geworden und hat sich deshalb unter anderem Unna für die diesjährige Reihe ausgesucht. Monika und Werner Ryba begrüßen die geplante Demonstration am 2. Oktober, die auch rund um die Putenmastställe in Bönen und Stockum stattfindet. Sie würden sich freuen, wenn so viele Menschen wie möglich mitmachen.

Demozug „Unna für die Schließung aller Schlachthäuser“ am 2. Oktober

  • Start des Demozugs wird ein Protest vor den Putenmastställen Auf dem Hachenei 2 in Bönen sein, Start ist um 12.05 Uhr („kurz nach 12“).
  • Geplant ist eine Weiterfahrt mit Fahrrädern ab etwa 13 Uhr zum Marktplatz Unna für die offizielle Kundgebung. Ob und wie die Fahrt tatsächlich stattfindet, kommuniziert der Veranstalter noch über die Facebook-Seite des Vereins: https://m.facebook.com/events/448847569546526
  • Jeder ist eingeladen am gesamten Demozug oder an den einzelnen Teilen (Protest vor den Putenställen, die Fahrraddemo oder die Kundgebung auf dem Marktplatz in Unna um 14 Uhr) teilzunehmen.
  • ARIWA stellt Transparente und Schilder zur Verfügung, man darf aber auch gerne selber kreativ werden und passende Botschaften mitbringen.

Weitere Informationen und Bestimmungen finden Sie auf der Seite des Veranstalters ARIWA: www.ariwa.org/events/unna-fuer-die-schliessung-aller-schlachthaeuser/

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